Mitarbeiterin verabschiedet „Es war wie ein Hauptgewinn im Lotto“

Manuela Stöbling arbeitete knapp 22 Jahre im städtischen Sanierungsbüro, jetzt geht sie in Rente. Die Sanierung der ehemaligen Reithalle zum Theatermuseum war eine ihrer ersten Aufgaben als kaufmännische Angestellte. Foto: Carola Scherzer

Wenn der Beruf zur Berufung wird

Meiningen - „Es war wie ein Hauptgewinn im Lotto“, erinnert sich Manuela Stöbling an ihren Anfang im Sanierungsbüro der Stadt Meiningen. Am 1. Oktober 1999 hatte sie dort ihren ersten Arbeitstag. Am 6. Juli 2021 war ihr letzter, nach letzten Urlaubstagen geht sie nun in Rente. „An meinem ersten Rentnertag werde ich einfach mal in den Tag rein leben!“ Ganz loslassen kann sie von ihrer Tätigkeit als Sanierungsbetreuerin aber noch nicht. Es gibt noch zwei Projekte, die sie abschließen muss und dann möchte sie auch noch ihre beiden Nachfolgerinnen Veronika Wachs und Evelyn Leimbach etwas unterstützen. Über die Projektfinanzierung wird sie deswegen bei der Meiningen GmbH, der das Sanierungsbüro seit 2018 angeschlossen ist, weiterarbeiten.

Aber natürlich freut sich Manuela Stöbling, die in einem Fachwerkhaus in Hümpfershausen wohnt, als Rentnerin endlich das machen zu können, wofür in ihrem Arbeitsleben keine Zeit blieb. Garten, Familie und ehemalige Schulkameraden in ihrem Geburtsort Schmiedefeld treffen, all das wird ihr neues Rentnerleben füllen.

Ihr Arbeitsleben war nicht einfach. Mehrfach musste sie sich nach 1990 beruflich umorientieren. Zu DDR-Zeiten war sie als Pionierleiterin und Sportlehrerin für die Unterstufe der Schule in Oepfershausen tätig. Als das nicht mehr möglich war, fand sie eine Arbeit als Ortschronistin. Sechs Jahre erforschte sie in Originalakten im Meininger Staatsarchiv die Ortsgeschichte von Oepfershausen.

„Ich habe alles mit der Hand abgeschrieben und anschließend im Gemeindebüro abgetippt“, blickt sie auf die Zeit ohne Laptop zurück. Auch in alten Kirchenbüchern, die seit dem Jahr 1634 im Pfarramt Oepfershausen aufbewahrt werden, arbeitete sie Ortsgeschichtliches für die Nachwelt auf. In ihrer Freizeit nutzte sie Angebote in der Kunststation Oepfershausen, gern erinnert sie sich an die Patchworkkurse von Hildegard Treß.

„Es war eine schöne Zeit“, resümiert Manuela Stöbling über ihre Jahre als Ortschronistin. Daneben arbeitete sie sechs Jahre als Zustellerin für das Meininger Tageblatt und absolvierte eine Umschulung zur Bürokauffrau. „Als Praktikantin war ich sogar im Vertrieb vom Meininger Tageblatt tätig. Die Zusammenarbeit mit Herrn Steger und Herrn Reichel war sehr gut, eine Arbeit in der Vertriebsabteilung wäre für mich sogar eine Alternative gewesen.“ Aber es gab dafür keine freie Stelle, immerhin konnte sie als freie Mitarbeiterin für die MT-Redaktion arbeiten. „Unter dem Kürzel ms schrieb ich Artikel über die Oepfershäuser Ortsgeschichte.“

So hat sich Manuela Stöbling immer wieder auf neue berufliche Situationen einstellen müssen. Bis für sie im Herbst 1999 die große Chance kam und sie einen Beruf fand, der für sie zur Berufung wurde. „Bei dem Überangebot an Fachkräften, die sich alle neu orientieren mussten, war die Stelle als kaufmännische Angestellte im städtischen Sanierungsbüro ein großes Glück für mich.“ Täglich 25 Kilometer nach Meiningen fahren und nicht wissen, was auf sie zukommt, sei natürlich zunächst eine Herausforderung gewesen. Aber sie habe Hilfe bekommen, vor allem von der Architektin Iris Gutt, die sie in den bautechnischen Bereich einführte. „Über sie lernte ich Fördermittelmöglichkeiten und Wege, an die Finanzierungstöpfe ranzukommen, kennen.“

Alte Häuser zu bewahren ist für Manuela Stöbling heute eine Herzensangelegenheit. Als ehemalige Ortschronistin interessieren sie dabei auch die Zeitzeugengeschichten. „Was mir die ehemaligen Bewohner der ‚Nonne‘ in Meiningen erzählt haben, hat mich beeindruckt. Ich habe viele solcher Geschichten kennengelernt und hätte sogar Lust gehabt, sie aufzuschreiben.“ Noch wichtiger war natürlich das Gespräch mit den Eigentümern. „Wir haben sie ermutigt, ihre Häuser zu sanieren und ihnen erklärt, wie man an Fördergeld kommt.“

Über das Meininger „Stadtplätzchen“-Projekt konnten viele alte Häuser verkauft und saniert werden. Leider gebe es immer noch leer stehende Häuser, aber die Situation habe sich in den vergangenen Jahren geändert. Viele Leute wollen heute ihr Geld in einer Immobilie anlegen, weiß sie aus Erfahrung. Dazu kämen junge Leute, die sich in Meiningen ansiedeln wollen, wobei die meist einen Neubau bevorzugen würden.

Manuela Stöbling kann, wenn auch noch nicht ganz, ihr Berufsleben zufrieden hinter sich lassen. Mit ihrem Motto „Man muss immer das Beste draus machen und nichts halbherzig tun“ ist sie durch die bewegten vergangenen 30 Jahre gut gekommen. Entspannter wird sie damit als Rentnerin weiter leben können.

 

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