Mit eigener Tasse Neuer Impuls zum Glühweinmarkt

Werbering und Nabu setzen auf Aktion „Eigene Tasse“. Foto: frankphoto.de/Bastian Frank

Der Gänselieschen-Glühweinmarkt in Hildburghausen ist mittlerweile Tradition. Diese bekommt nun einen neuen – nachhaltigen – Impuls.

 
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Es war einmal ein Märchen ohne Prinzessin oder besser gesagt ein verkaufsoffener Sonntag ohne eine Veranstaltung, die ihn rechtfertigen würde. Und so saßen die kreativen Köpfe des Hildburghäuser Werberings in den 90-er Jahren beieinander – möglicherweise bei einem alkoholischen Heißgetränkt – und hatten eine Idee, die zur Erfolgsgeschichte avancierte. Sie veranstalteten einen Glühweinmarkt.

Doch nur der Glühwein sollte es nicht sein. Zu Weihnachten gehört eine Gans – fanden die Protagonisten und so suchten sie Ideen für ihr neues Veranstaltungsformat, ließen sich von Impulsen aus ihrem Umfeld inspirieren, kamen auf das Gänselieschen und hoben so den Gänselieschen-Glühweinmarkt aus der Taufe.

Glühwein-Abstimmung

„Von Anfang an drehte sich der Glühweinmarkt um das Thema Gans. Wir verlosten vom ersten Jahr an immer zehn Gänse. Und wir bekamen aus Coburg von unserem damaligen Werberingmitglied Walter Luft eine Figur passend zu unserem Thema geschenkt: Das Gänselieschen. Das gibt es bis heute und gehört fest zum Glühweinmarkt“, erinnert sich Kerstin Neundorf, die damals aktiv im Werbering mitwirkte und zu gerne daran zurückdenkt, wie erfolgreich die Glühweinmarkt-Idee war.

„Irgendwie wirkte gefühlt die ganze Stadt mit. Gewerbetreibende und Vereine waren dabei. Die Idee hat damals ganz schnell richtig Fahrt aufgenommen. Zeitweise waren es 38 Stände zu unserem Markt, der traditionell immer am ersten Advent stattfindet“, erzählt sie. Dabei geht ihr durch den Kopf, dass manchmal Improvisation gefragt war, als der Glühwein plötzlich zur Neige ging und eine Werberingvereinskollegin schnell aus ihrem Geschäft guten Rotwein holte, den man dann einfach erwärmte, um nicht vorzeitig den Verkauf abbrechen zu müssen.

Baumschmuck aus Lauscha

Anfangs verkaufte der Werbering den Glühwein noch aus dem Fenster neben dem Stadtcafé heraus – und zu jedem Glühwein gab es einen Lebkuchen dazu. Im Laufe der Jahre entwickelten sich immer weitere Aktionen des Werberings. „Wir verkauften einige Jahre lang Christbaumschmuck aus Lauscha am Stand des Werberinges. Und wir hatten eigene Tassen, die man als Erinnerung an den Glühweinmarkt mit nach Hause nehmen konnte“, erzählt Kerstin Neundorf. Sie hat übrigens nicht einen einzigen Glühweinmarkt in Hildburghausen verpasst – seit dem ersten 1998.

Mittlerweile organisiert Kerstin Neundorfs Tochter Eva Siebert als zweite Vorsitzende des Hildburghäuser Werberings das Event mit. Und auch sie erinnert sich zurück, dass der Glühweinmarkt schon immer ein fester Termin in ihrem Jahreskalender war, weiß noch, als sie als Jugendliche selbst mit Glühwein verkaufte.

Tradition und Moderne

Vieles ist beim Hildburghäuser Glühweinmarkt zur Tradition geworden: Dass eine Gänselieschen-Figur mitten im Geschehen auf dem Hildburghäuser Marktplatz steht. Dass Vereine und Institutionen um den Titel des besten Glühweins in der Stadt wetteifern. Dass die Menschen der Stadt zusammenkommen, um die Weihnachtszeit gemeinsam einzuläuten und einfach ungezwungen zusammen feiern, shoppen und genießen.

„Der Glühweinmarkt ist seit Jahrzehnten des Flaggschiff des Werberings. Auf diese Tradition sind wir stolz. Wir wollen sie aber auch immer ein bisschen weiterentwickeln“, sagt Werbering-Vorstand Florian Kirner.

Und so hat sich der Hildburghäuser Werbering gerne von der städtischen Nabu-Ortsgruppe – die übrigens selbst zum ersten Mal beim Markt dabei ist und schon eine interne Glühweinverkostungsaktion gestartet hat – inspirieren lassen und gestaltet seinen Glühweinmarkt ab sofort nachhaltiger und umweltverträglicher. Der Schlüssel zum vorweihnachtlichen Umweltglück heißt: Aktion eigene Tasse.

Die Nabu-Mitglieder haben angeregt, dass jeder Glühweinmarktbesucher seine eigene Tasse mitbringt und dafür weniger für den Inhalt zahlt. Der Werbering trägt den Vorschlag gerne mit. „Seitens der Mitwirkenden wurde die Idee dankbar aufgenommen“, sagte Florian Kirner.

Für diejenigen, die ihre eigene Tasse vergessen haben, gibt es natürlich auch Glühwein. „Der wird allerdings in nachhaltigen Gefäßen ausgeschenkt“, erklärt der Werbering-Vorstand. So richtig nachhaltig und lecker wird es in Sachen Kauf-Becher am Nabu-Stand. „Wir haben Becher gefunden, die man einfach aufessen kann. Und sie schmecken sogar richtig gut. Irgendwie nach Spekulatius und Weihnachten“, findet Nabu-Mitglied Manuela Müller nach dem ersten Selbsttest.

„Wir haben verschiedene Ideen in Richtung nachhaltige Gefäße verfolgt, unter anderem ein Pfandsystem. Für dieses Jahr erschienen uns eigene Tassen und die essbaren Becher jedoch am effizientesten und sind auf die Schnelle am einfachsten umzusetzen“, erklärt Nicole Kreußel, zweite Nabu-Sprecherin in Hildburghausen.

Vision: Pfandsystem

„Eine schöne Vision wäre es, wenn es in zwei bis drei Jahren ein Pfandsystem geben würde und man damit komplett auf alles Wegwerfgeschirr verzichten könnte. So etwas kann man als großes Team mit frühzeitiger Planung ganz sicher umsetzen und bei allen Veranstaltungen über das ganze Jahr fortführen. Wir wollen mit der Idee ‚eigene Tasse’ einen ersten Impuls für eine nachhaltige Veranstaltungsausstattung setzen und freuen uns wenn alle Mitwirken und mit kreativen Ideen für die nächsten Veranstaltungen aufwarten können“, so der Nabu-Vorstand.

So wird nun weiter geplant und vorbereitet. Während die Mitwirkenden ihre Auftritte in den Glühweinhäuschen und ihr Sortiment vorbereiten, hat der Werbering mit Glühweinwettbewerb und Gänseverlosung alle Hände voll zu tun. Laut Eva Siebert werden in diesem Jahr fünf Gänse sowie zehn 20-Euro-Gutscheine des Werberings verlost. Außerdem gibt es traditionell den Pokal für den besten Glühwein. Aktuell trägt den Titel die Sparkasse in Hildburghausen.

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