Wenn jemand „Geschichten vom Pferd“ erzählt, wird meist davon ausgegangen, dass es nicht oder weitgehend nicht um die Wahrheit geht. Die Rechtsanwältin, die im Prozess vor der Jugendschutzkammer am Landgericht Meiningen die Nebenklage für eine missbrauchte Elfjährige führt, ist davon überzeugt, dass das auf den Angeklagten zutrifft – dass seine Geschichten vom echten Pferd eben solche „Geschichten vom Pferd“ waren. Sie nennt sie nicht so, befindet aber, der Mann habe sie erzählt, um sich dort Zutritt zu verschaffen, wo sich erfahrungsgemäß viele kleine Mädchen aufhalten – „genau Ihr Beuteschema“, sagt die Anwältin. Deshalb habe der Mann ein Pferd gekauft und sich in einem Reitstall in der Region eingemietet – nicht etwa, weil er „die Liebe zu Pferden entdeckt“ habe.