Meinung Watschentanz zur Landtagsauflösung

Im Thüringer Landtag wird über ein mehrstufiges Abstimmungsritual mit körperlichem Einsatz nachgedacht. Ganz wasserdicht ist die erste Idee aber noch nicht, glossiert Olaf Amm.

Oberbayerischer Schuhplattler. Der Watschentanz ist eine Weiterentwicklung, bei der gegenseitige Ohrfeigen angedeutet werden. Foto: dpa/Andreas Gebert

Erfurt - Die Diskussion um die Auflösung des Landtages ist spannender als jedes Candy-Crush-Spiel. Die Idee der doppelten Abstimmung – erst Hand zeigen, auf die AfD schielen und dann in einer zweiten Runde durch Anhebung des Hinterteils das Handzeichen final bestätigen – ist allerdings mit erheblichen Unsicherheiten behaftet.

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Wenn plötzlich ein Abgeordneter einen Krampf im Unterschenkel spürt und nicht aus der Deckung hochkommt, ist alles in Gefahr. Am Ende werden wieder Blumen auf den Boden geworfen und Tränen vergossen. Der Landtag braucht absolute Sicherheit, nur das vermeidet böse Schlagzeilen von der Tagesschau aus Hamburg bis zur Abendzeitung aus München.

Deshalb sollte eine dritte Abstimmungsstufe eingebaut werden: in die Hände klatschen und einmal im Kreis drehen, für den Anfang. Ganz sicher wird es mit einem oberbayerischen Schuhplattler oder als Krönung mit dem Watschentanz (da gibt’s was auf die Ohren). Anleihen aus dem heimischen Brauchtum können sich die Spitzenpolitiker bei den hiesigen Kirmesvereinen suchen.

Wahrscheinlich wird die Thüringer Tourismusgesellschaft noch Busreisegruppen für das Schauspiel begeistern – wenigstens das wäre ein unstrittiges und auch noch brauchbares Ergebnis.