So ist sie eben, die moderne deutsche Politik, die nur ihre Sphäre begreifen kann und die Menschen, die dieses Land damals erst geschaffen haben, ihm Kultur und Reichtum gaben, einfach übersieht. Da ist der alte Liedermacher Wolf Biermann weiser als der Bundespräsident. „Das zu spät gekommene Deutsche Reich wäre an mit Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ohne Weltkrieg eine Demokratie geworden, ein moderner Industriestaat mit irgend einem Blaublut-Simpel als Kaiser-Kleindarsteller, ähnlich wie England mit seiner klugen Königin. Etwa wie all die parlamentarischen Monarchien Holland, Belgien, wie Dänemark und Norwegen, wie Spanien und Portugal“, schreibt er. Der Erste Weltkrieg, der unsinnigste und vermeidbarste Krieg des 20. Jahrhunderts, hat alles zerstört. Biermann zählt die Folgen von der russischen Oktoberrevolution, über den Raubfrieden von Versailles bis Stalin und Hitler auf und schließt: „Deutschland hätte sich ohne das Völkergemetzel in eine blühende monarchistische Demokratie verwandelt.“ Da ist kein Hass auf die deutsche Geschichte, sondern nur die Trauer über eine verlorene Chance.