"Das Theater“, sagt Noemi Clerc, „ist eine endlose Liebesgeschichte.“ Sie sagt es so, als meine sie gar kein Haus, keine Bühne, keine Kunst, keinen Kulturbetrieb mit über 300 Menschen. Als sei das Theater kein sozialer Organismus, sondern irgendwie ein Wesen aus Fleisch und Blut. Jemand, dem man seine Liebe derart ungestüm schenken kann, weil es eben ein Mensch ist. Vielleicht liegt in diesem einen Satz, den Noemi Clerc so schnell und ungestüm sagt, als sei er ihr ein wenig peinlich, auch ein bisschen das Geheimnis dieser Schauspielerin. In Tschechows „Drei Schwestern“ – da war sie 2023 gerade ans Meininger Theater gekommen – blitzte dieser seltsame Zauber zum ersten Mal auf. Noemi Clerc spielte Mascha und das Publikum folgte ihrem Spiel, ihren Gesten, ihrer Sprache mit wachsender Begeisterung. Sie schien dem Moment irgendwie entrückt – ihre Figur so rätselhaft wie anziehend. In ihr steckte etwas drin, riss etwas auf – dieser Eindruck blieb, da war „Drei Schwestern“ schon lange wieder vergessen.