Hoher Schnee liegt an diesem Samstagvormittag auf der Straße, als ein hochgewachsener junger Mann mit roten Haaren in Meiningen fröstelnd aus der Kutsche steigt. Es ist der 7. Dezember 1782. Der Fremde nennt sich Dr. Ritter. Seine wahre Identität muss unter allen Umständen geheim bleiben. Er ist ein desertierter Militärarzt, auf der Flucht vor den Häschern des Herzogs Karl Eugen von Württemberg, in dessen verhassten Dienst er steht. Wenn sie den 23-Jährigen greifen, droht ihm Festungshaft und – schlimmer noch für ihn – Schreibverbot. Hier in Meiningen wird er im Gasthaus „Zum Hirsch“, das sich nur wenige Schritte vom Marktplatz entfernt befindet (heute Anton-Ulrich-Straße), auf einen gewissen Herrn Reinwald treffen. Das ist der herzogliche Bibliothekar von Meiningen und ein Vertrauter von Henriette von Wolzogen. Von ihm soll er alles Weitere erfahren. Der Fremde hat kaum was auf den Rippen, ist mittellos, trägt trotz Kälte nicht einmal einen Wintermantel. Den kann er sich nicht leisten.
Meininger Museum Diese Bücher las Schiller im Asyl
Marko Hildebrand-Schönherr 13.03.2025 - 14:01 Uhr