Meininger Kunstorte Alle sind berufen für die Schlosspark-Kunst

Flanieren und verweilen: Die ersten Besucher der Open-Air-Ausstellung „Meininger Kunstorte“ ließen am Samstag die vielfältigen Foto: MT/Sigrid Nordmeyer

Die erste Wasserprobe hat das Projekt „Meininger Kunstorte“ des Vereins K.rün hinter sich. Ein Regenschauer macht den professionell gehängten Werken im Schlosspark nichts aus. Rohe Gewalt aber schon ...

Meiningen - Weit und luftig gestaltet sich der Raum für die Werke der 100 Kunstschaffenden im Meininger Schlosspark. Wegen den Auflagen in der Pandemie konnte es zwar keine Vernissage zur Eröffnung des Open-Air-Projektes „Meininger Kunstorte“ geben. Dorothea Brandt, Ulrich Töpfer und Madlen Kehr aber sprachen während einer angemeldeten Versammlung unter Einhaltung der Auflagen Begrüßungsworte am Theatermuseum.

Zahlreiche Besucher nutzten im Verlauf des Nachmittags bereits die Möglichkeit, die Fülle der abgebildeten Kunstwerke der professionellen und semiprofessionellen Künstler bei einem Spaziergang zu orten. Die bereits angekündigten Regenschauer kamen zwar ebenfalls, ließen der Spanne Schönwetter dazwischen mit netten Sonnenspots auf die Farbenpracht doch ebenfalls genügend Platz. „Aus der halben Republik“ seien die Arbeiten gekommen, freute sich der stellvertretende Bürgermeister Ulrich Töpfer, der in Vertretung für das in Quarantäne weilende Stadtoberhaupt sprach. Mit einem Zitat von Joseph Beuys verdeutlichte er den Ansatz des Projektes: „Nicht wenige sind berufen, sondern alle!“ Etwa dreißig der vertretenen Künstler waren aus der nahen oder weiteren Umgebung angereist, um die Wirkung ihrer ausgestellten Arbeiten im öffentlichen Raum zu erleben.

Weil von Schwellenangst im Schlosspark nun wirklich keine Rede sein kann, hat jeder Passant die Möglichkeit, sich ganz persönlich mit den unterschiedlichen künstlerischen Ausdrucksweisen auseinanderzusetzen. Hier könne Kunst „Brücken schlagen, wenn man sich darauf einlässt“, so Töpfer.

Durchweg positive Resonanz kam zur Eröffnung. „So eine schöne Idee“, „professionell umgesetzt“ und „in diesen Zeiten besonders wichtig“ – um nur einige der wohlmeinenden Kommentare zu nennen.

Auch Ansgar Haag, Intendant des Meininger Theaters, sah sich die neue Schau im Freien an. Die Werkstatt seines Hauses hatte beim Ausstellungssystem mit den schicken schwarzen Ständern, „Pepper“ genannt, Unterstützung geleistet. Der Bedarf war durch die rege Beteiligung der Künstlerinnen und Künstler größer gewesen als gedacht.

Dass ein Einzelner sich vor Frank Melechs (Suhl) digitaler Fotomontage mit dem Titel „Perlmutt“ zu roher Gewalt mit einem scharfen Messer verleiten ließ, brachte den Künstler selbst nicht aus der Fassung. Mit schnellen Handgriffen, doppelseitigem Klebeband und der Hilfe von Iris Gutt und weiteren Umstehenden hatte er die drei Schnittstellen im Gesicht seines maskierten Frauenkopfes schnell repariert. Und damit die leicht beschädigte Arbeit auf der Rückseite von Stefan Wehmeier (Hechenwang, Bayern) gleich mit.

„Selbstverständlich werden wir die beschädigten Arbeiten erneuern“, versicherte Susanne Klapka aus dem Organisationsteam. Der Verein K.rün, der die „Meininger Kunstorte“ in ehrenamtlichem Engagement und in Zusammenarbeit mit der Stadt verwirklichte, bittet dennoch um wachsame Augen der Schlossparkbesucher. „So etwas soll keinesfalls noch einmal passieren“, sind sich alle einig.

Begleitet von einem Katalog, in dem alle Künstler mit Angaben zu ihrem Werk und den Kontaktdaten vertreten sind, Internetauftritt (www.meininger-kunstorte.de) und „solidarischem“ Onlineshop sowie Führungen und Künstlergesprächen sollen die „Meininger Kunstorte“ bis zum 17. Juli zu erleben sein.

 

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