Meininger Kleinkunsttage Fußball oder Comedy

Wolfgang Swietek

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben – die wegen Corona aufgeschobene Kulturhaus Comedy Tour der 31. Meininger Kleinkunsttage wurde nun am Samstagabend nachgeholt.

Wer sich für Fußball und für Kabarett interessiert, der hatte am Samstagabend eine schwere Entscheidung zu treffen: Pokal-Endspiel in Berlin im Fernsehen anschauen oder die Kulturhaus Comedy Tour im Volkshaus Meiningen besuchen. Wer sich fürs Fernsehen entschieden hatte, wurde mit Spannung pur bis Dramatik belohnt. Denn ehe die Leipziger den Pokal in Händen halten konnten, dafür reichten ihnen die üblichen 90 Minuten nicht. Sie mussten in die Verlängerung und dann noch ins Elfmeterschießen gehen und das über weite Strecken mit nur zehn Mann. Wer jedoch den Weg ins Volkshaus genommen hatte, dürfte etwas länger leben. Denn wie hatte Sissi Perlinger vor Kurzem bei ihrem Gastspiel zu den 31. Meininger Kleinkunsttagen gesagt: „Wer regelmäßig lacht, lebt zwanzig Jahre länger!“ Denn zu lachen gab es bei der Comedy Tour genug. Das Ergebnis vom Fußball gab es dann auf der Heimfahrt im Autoradio.

Jonas Greiner hatte die Aufgabe übernommen, die Solisten der Comedy Tour vorzustellen. Doch seine Moderation war weit mehr als nur das Ansagen seiner Kollegen. „Ich war minus acht Jahre, als die Wende kam“, stellte er zu Beginn klar, wenn er mitbekam, wie die weit älteren Comedians so manches aus DDR-Sicht erzählten. Dennoch hat Jonas Greiner seine Kollegen inzwischen überholt, zumindest von der Körpergröße her. Doch auch in seinem Humor, gepaart mit für sein jugendliches Alter erstaunlich viel Lebensweisheit, ist er auf dem besten Weg, einer der ganz Großen zu werden.

Lauscha, wo er herkommt, und Meiningen betrachtet er mit ironischem Blick. Lauscha, die Glasbläserstadt. „Womit Sie zu Weihnachten ihre Wohnung schmücken, das kommt garantiert alles aus – China!“ Und Meiningen kennt er schon dadurch, dass sein Vater mal drei Jahre in Untermaßfeld gewohnt hat, wie er mit einem gewissen Schalk sagt. „Wer immer noch an die angestrebte Verkehrswende glaubt, der ist noch nie in Grimmenthal umgestiegen!“ Doch einmal blickt auch Jonas Greiner in die DDR-Zeit – die er doch gar nicht miterlebt hat – zurück. Wenn er sich über den Besuch von Erich Honecker in seinem Saarland wundert: „Wie schlimm muss ein solches Bundesland sein, wenn man von dort in den Osten flüchtet!“ Von Meiningen schwärmt er mehrfach: „Das ist schon was anderes als Sonneberg. Dort hat letzte Woche sogar das Finanzamt Insolvenz angemeldet! Das nächste Krankenhaus ist in Neuhaus, es wird seit vier Jahren ehrenamtlich betrieben.“ Thüringen sei ohnehin das schönste Bundesland. Während seines Studiums in Erfurt habe er mal in der S-Bahn in Berlin von dem dortigen Mietpreis für sein Studentenzimmer erzählt (einhundertzwanzig Euro – im Jahr!), da haben die Studenten in der S-Bahn angefangen zu weinen.

Zackig geht es dann zu bei dem ersten Comedian, den Jonas Greiner vorstellt. Holger Müller ist in seine Paraderolle, den Ausbilder Schmidt, geschlüpft. Schon zum dritten Mal in Folge hat er eine Frau als Vorgesetzte, was er nur schwerlich verkraften kann. „Schon gedient?“, fragt er einen jungen Mann in der ersten Reihe im Volkshaussaal. Als der verneint, überreicht er ihm etwas später seinen Einberufungsbefehl. Dass dies jetzt ja nicht mehr möglich ist („Es kommen ja jetzt nur noch Freiwillige zu uns!“), bedauert er offenbar sehr. Vor Missverständnissen ist offenbar auch ein Ausbilder nicht gefeit, so selbstsicher er sich auch gibt. Da habe ein Arzt einmal zu ihm gesagt: „Sie gefallen mir aber gar nicht!“ Worauf er antwortete: „Sie sollen mich heilen – und nicht heiraten!“

Skurrile Geschichten tischt Don Clarke den Zuhörern auf. In England geboren, aber schon lange in Deutschland lebend, hat er immer noch seine eigene Sicht auf dieses Land. Von Bum-Bum-Boris erzählt er, der einst in Deutschland gefeierte Held, der jetzt in England „sitzt“. Von seinem Kampf beim Abnehmen gibt er Erfahrungen preis, und dass er keinen Sport mehr treibt, weil man sich Pokale ja auch kaufen kann. „Seit heute früh bin ich Deutscher Meister – ist das nicht ein schönes Gefühl?“

Auf die „guten Geschichten“ einer Lena Liebkind, die einst im Programm angekündigt war, mussten die Besucher am Samstag allerdings verzichten. Doch Matthias Egersdörfer, der die Lücke füllen musste, war mehr als nur ein Ersatz. Mit seiner unverwechselbaren Art, mit seinem trockenen Humor hat er sich längst seine eigene Fangemeinde geschaffen, die ihm auch in Meiningen huldigte. Seine Suche nach dem zweiten Ringelsocken, der nach dem Waschen nicht mehr in der Waschmaschine zu finden war, hat das Zeug, ganze Völkerstämme verrückt zu machen. Humor hat eben viele Seiten.

 

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