Meininger Kleinkunsttage Das Programm für 2023 steht

Antje Kanzler
Seinen Star, „Die Echse“ bringt Puppenspieler Michael Hatzius natürlich mit. Foto:  

Sie kam als Ausgleich für ausgefallene Veranstaltungen ins diesjährige Programm und holte sich doch glatt den Meininger Kleinkunstpreis: Eva Karl-Faltermeier. Verliehen wird der zur nächsten Staffel des Thüringer Kleinkunstfestivals im Übergang vom Winter ins Frühjahr. Das Programm der 32. Kleinkunsttage steht, das Heft liegt druckfrisch vor und der Vorverkauf hat begonnen. Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft.

Kaum wurde am Mittwoch das frisch gedruckte Kleinkunsttage-Programmheft für 2023 ausgeliefert, da folgte prompt die erste Änderung auf dem Fuße. Eva Karl-Faltermeier, freudestrahlende Preisträgerin der diesjährigen Veranstaltungsreihe, möchte zur Preisverleihung am 3. März nicht noch einmal ihr Programm „Es geht dahi“ ins Meininger Volkshaus mitbringen, sondern das neue mit dem Titel „Taxi. Uhr läuft.“. Selbstverständlich lohnt es sich trotz dieser Aktualisierung, sich ein Heftchen zu besorgen, die jetzt unter anderem an allen Vorverkaufsstellen ausliegen, auch in der Geschäftsstelle unserer Zeitung und in der Tourist-Information. Die Meininger Kleinkunsttage-Karten sind schließlich beliebte Geschenke. Daran hat auch Corona nichts ändern können, da einige Veranstaltungen zwar verschoben, aber doch größtenteils nachgeholt wurden.

Während das diesjährige Festival mit den letzten Nachholeveranstaltungen („Eberhofer unterwegs“ am 13. November, „Irish Folk Festival“ am 27. November im Volkshaus) langsam austrudelt (weshalb das neue Programm erst am 28. November online geht auf meininger-kleinkunsttage.de ), darf jetzt allmählich die Vorfreude auf die 32. Ausgabe wachsen. Die beginnt noch mitten im Winter, am 17. Februar, mit den heißblütigen Danceperados of Ireland, frei übersetzt mit „Die Tanzwütigen“. Ein Name, der im vorigen Jahr schon mal aufgetaucht, aber auf dem „Corona-Verschiebebahnhof“ gelandet war. Ihren mitreißenden irischen Stepptanz, unterlegt mit live gespielter Musik, präsentieren die Reihentänzer in opulenten Kostümen und kombinieren sie mit einer Multivision aus traumhaften Landschaften und anregenden Bildern rund um die irische Whiskey-Tradition. „Mal eine andere Form der Kleinkunst – unterhaltsam gut, auch ohne Worte, dafür mit Live-Musik“, meint Veranstaltungsorganisator Frank Heinecke.

Die mitreißenden Tanzkünstler sind der Anfang einer Kleinkunsttage-Reihe, die nicht unbedingt mit vielen Stars aufwartet, aber dennoch mit Können und Vielfalt besticht. „Wir haben nach bestem Wissen und Gewissen eine bunte Mischung zusammengestellt. Es sind vielleicht keine großen Namen dabei, aber es gibt keinerlei Abstriche bei der Qualität“, versichert Frank Heinecke, der davon überzeugt ist, dass man von einigen künftig noch hören wird. Es wäre nicht das erste Mal, dass die Meininger Kleinkunsttage am Anfang von Karriereleitern standen. „Vielleicht können wir dazu mit beitragen. Wer sich mit Kabarett und Comedy beschäftigt, wird den einen oder anderen auch schon kennen. Ansonsten kann ich nur dazu einladen, sich überraschen zu lassen.“

Überraschend sind auch die Genres. Das Festival begibt sich mit Kabarett-Musical, A-capella-Operngesang, Puppen-Kabarett, Magie oder komödiantischem Jazz in viele interessante Verästelungen und Verzweigungen der Kleinkunst hinein. „Ich muss feststellen, wir haben diesmal tatsächlich viele Randbereiche dabei“, schmunzelt der Organisator.

Die zweiten im Festivalkalender, am 25. Februar, sind zwei Herren aus Köln, die durchaus dem einen oder anderen schon bekannt seien könnten: Adrian Engels und Markus Riedinger alias „ONKeL fISCH“. Das satirische Duo verspricht in seinem Action-Kabarett-Programm „Wahrheit– die nackte und die ungeschminkte“ genau diese – politisch, philosophisch und pointiert. Das tun sie mit Witz, Gesang und sogar Tanz.

Dann schlägt am Abend des 3. März die Stunde der bereits erwähnten Preisträgerin, einer bayerischen Journalistin, die irgendwann gemerkt hat, dass sie nicht nur schreiben, sondern auch sprechen kann. Und nun spricht sie, mit unbewegter Miene, sehr sehr witzig über ihr alltägliches Leben.

Bereits im „obersten Regal“ (wie Frank Heinecke sagt) angekommen sind „Die Feisten“, ebenfalls ein singendes, spielendes Herren-Duo – „sehr schnell, sehr klug, sehr witzig“. In Meiningen wird es besonders erlesen – verspricht schon ihr Programmtitel „Das Feinste der Feisten – 2MannSongComedy“. „Die beiden Sänger und Multiinstrumentalisten hatte ich schon eine ganze Weile auf dem Schirm, es hat bisher nur terminlich nicht klappt. Sie sind ein Garant für gute Unterhaltung und ein volles Haus“, freut sich Frank Heinecke auf den Kleinkunstabend am 4. März. Eine Woche später, am 11. März, darf eine ganz andere Facette der Kleinkunst glänzen – die Mentalmagie des Christoph Kuch, der sein Publikum hintersinnig und humorvoll ins Reich des vermeintlich Übersinnlichen entführt. Mit seinem doppeldeutig betitelten Programm „Macht verrückt – Mentalmagie“ wird er den Meiningern zeigen, warum er zu Recht die Weltmeisterschaft der Zauberkunst in der Sparte Mentalmagie gewann. Schon einmal war er in Meiningen – bei einer Preisverleihung. „Viele saßen mit offenem Mund da. Es ist äußerst eindrucksvoll, wie er Gedanken liest’“, erzählt der Festival-Organisator. „Das kann ein toller Abend werden für Leute, die daran Spaß haben.“

Das Trio „Out of Tune“ nennt seinen Kleinkunsttage-Beitrag am 16. März ein „Megamusical mit Abstrichen“. Friedolin Müller, Nele Kießling und Jannis Kaffka bringen hier eine neue Form des Musiktheaters auf die Bühne – ein Kabarett-Musical aus absurd witzigen Gesprächen und wunderbaren Liedern. Friedolin Müller kennen die Meininger vielleicht noch aus dem vorigen Jahr als die männliche Hälfte des Comedy-Paars „Das Geld liegt auf der Fensterbank, Marie“. „Er hat mir damals von seinem neuen Projekt erzählt. Wir fanden: Das ist ungewöhnlich und innovativ für Leute, die sich gern überraschen lassen. Es war ja auch immer ein Anliegen des Festivals, neue Wege der Kleinkunst zu ebnen und zu beschreiten“, betont Frank Heinecke.

Für Meiningen empfohlen worden war ihm auch Lars Redlich, ein Alleskönner unter den Kleinkünstlern, der am 17. März auf der Volkshaus-Bühne steht. Der attraktive singende Schauspieler verbindet in seinem unterhaltsamen Soloprogramm „Lars But Not Least“ Kabarett, Musikcomedy und Show mit intelligentem Humor.

Schon ein Begriff ist in Meiningen der preisgekrönte Puppenspieler Michael Hatzius, dessen „Tierversuche“ immer einen äußerst unterhaltsamen Verlauf nehmen. „Den wollten wir noch mal dabei haben, weil er so gut war“, sagt Frank Heinecke. Mit dem Programm „Die Echse“ lässt Hatzius Tierfiguren von Hühnern bis zum Kamel lebendig werden – natürlich auch seinen Star, die Echse -, die bei Gesellschaftskritik kein Blatt vor Maul, Schnauze oder Schnabel nehmen. Weil der Künstler leidenschaftlich gern improvisiert, ist auch das Publikum immer Teil des „Echs-periments“. Jeder Abend wird also anders.

Einen zweiten Anlauf nach Meiningen, nachdem der Auftritt in der Pandemiezeit nicht zustande gekommen war, nimmt „The Cast“, eine A-capella-Band aus dem Hamburger Raum, am 24. März. Ungewöhnlich an diesem gesangsstarken Sextett aus drei Damen und drei Herren ist, dass sie sich in ihrem Programm „No Limits“ der Opernmusik zuwenden, nur begleitet am Klavier. „Sie interpretieren Oper neu und spielen auch Szenen“, erklärt Frank Heinecke.

„Das Streben der anderen – Klassentreffen 5.0“ ist das Thema von Andrea Limmer am 26. März. „Eine junge aufstrebende Kabarettistin, die in ihrem Programm ihre vermeintlich viel erfolgreichen Klassenkameraden wiedertrifft. Ich hab die Künstlerin vor zwei Jahren in Freiburg zur Kulturbörse gesehen und war begeistert“, verrät der Festival-Koordinator. Auch auf die ehemalige Lehrerin Christine Eixenberger, die am 29. April in Meiningen mit ihrer „Einbildungsfreiheit“ zu Gast ist, freut er sich sehr: „Schön, dass das geklappt hat. Sie ist richtig klasse. Kabarettist Hans Klaffl empfiehlt sie auch. Sie ist ganz ähnlich wie er, nur weiblich und jung. Im bayerischen Fernsehen sieht man sie öfter. Aber sie ist immer noch ein Geheimtipp.“

„Vom Fleck weg verpflichtet“ hat Frank Heinecke zudem nach einem Live-Erlebnis das Peter-Häseler-Quartett mit „Jabarett“ – einer Kreuzung aus Jazz und Kabarett. Hier wird nicht nur musiziert, sondern auch sehr witzig und unterhaltsam über Musik geplaudert. Zu erleben in Meiningen am 4. Mai.

 

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