Lächelnd halten Hütes-Holle Isabel Wagner und Bürgermeister Fabian Giesder am Sonntagmittag auf der sonnigen Marktbühne vor zahlreichen Zuschauern das Rezept in die Höhe. Es ist ein Ritual, das nie fehlen darf beim Fest: Beide präsentieren jene kostbare Anleitung, die verrät, wie sich einfache Erdäpfel in köstliche Klöße verwandeln lassen, die hier nur Hütes genannt werden und zu den kulinarischen Besonderheiten in der gesamten Region zählen. Jahr für Jahr feiern die Meininger ihre Kartoffelleibspeise. Die Theater-Gruppe Tohuwabohu hat die sagenumwobene Geschichte für das Publikum wieder gekonnt in Szene gesetzt, bevor der an den Bürgermeister gerichtete Satz „Du Sohn uralten Stadtgeblütes. Hier hast du das Receptum! Hüt’ es!“ fiel. Es ist die altbekannte Geschichte von der Göttin Holle, die über den ihr dargebotenen krachsauren Wein so erbost gewesen war, dass sie alle Meininger Reben erfrieren ließ. Die dann aber Mitleid mit den jammernden, traubenlosen Meiningern bekam und ihnen als Trost das Geheimnis der Kloßzubereitung offenbarte. Die barmherzige Frau Holle überreichte ihnen mit der Kartoffel den Schlüssel des Glücks – ein wohlschmeckendes, magenfüllendes, leicht verdauliches und kassenklingendes Geschenk.