Meiningen/Zella-Mehlis. Die dringend notwendige verkehrstechnische Entlastung für die Stadt Meiningen durch den Bau der sogenannten Nordost-Tangente oder „B 19 neu“ ist in absehbarer Zeit nicht in Sicht. Der Neubau der Spange von der Bundesstraße 19 im Bereich Helba/Abzweig Utendorf zur Bundesstraße 19 bei Welkershausen beginnt bei größtem Optimismus frühestens in zwei Jahren.

Dabei wäre sie dringend nötig, um den Verkehrslärm einzudämmen. Gerade entlang der Meininger Hauptverkehrsachse (Bernhard-, Marien- und Neu-Ulmer Straße) soll der Straßenlärm sinken. Die Verkehrsplanung Köhler und Taubmann GmbH aus Dresden hat gemeinsam mit dem Schallschutzbüro Zubrinna aus Jena einen Lärmaktionsplan im Auftrag der Stadt Meiningen erarbeitet (wir berichteten). Eine Umsetzung der meisten Punkte, die den Verkehrslärm verringern könnten, sind allerdings nur mit dem zuständigen Straßenbaulasträger, dem Straßenbauamt Südwestthüringen mit Sitz in Zella-Mehlis, möglich.

Von dieser Seite betrachtet man den erarbeiteten Maßnahmekatalog eher skeptisch. Gerold Kirchner, Leiter des Amtes, hält kurzfristig realisierbare Maßnahmen zur Lärmreduzierung, wie in demPlan aufgezeigt, kaum für möglich.

„An den Stellschrauben der Lichtsignalanlagen haben wir mehrfach gedreht. Eine Optimierung ist in Meiningen so gut wie nicht mehr machbar. Eine Umstrukturierung, verbunden mit einer Geschwindigkeitsreduzierung auf Tempo 30, macht nach meiner Einschätzung wenig Sinn. Dies würde sich negativ auf die Verkehrsdurchlässigkeit auswirken. Rein physikalisch gesehen fließt der Verkehr einfach langsamer ab. Die Lärm- und Schmutzbelastung für die Bürger würde steigen“, schätzt der Amtsleiter ein.

In Bezug auf die seit Jahren geplante Verlängerung des Autobahnzubringers zur A 71 durch die Nordost-Tangente zwischen der Bundesstraße 19 bei Helba und der Bundesstraße 19 bei Welkershausen konnte Gerold Kirchner wenig Positives berichten. Ganz gestrichen, wie einige Meininger Stadträte bei Vorstellung des Lärmaktionsplanes befürchteten, sei sie allerdings nicht, war zu erfahren. „Die Nordost-Tangente ist fester Bestandteil des Bundesverkehrswegeplanes und zusätzlich im Bedarfsplan als vordringlich eingestuft. Seitens des Amtes sind wir an dem Projekt dran. Es sind noch in diesem Jahr konkrete Gespräche im Bundesverkehrministerium zu dieser Straßenbaumaßnahme vorgesehen. Bevor wir in die Planfesstellung gehen können, brauchen wir grünes Licht vom Bund“, erläuterte Amtsleiter Kirchner.

Chancen auf den erhofften „Sichtvermerk“ des Bundes für die Nordost-Tangente sieht der Amtsleiter durchaus noch in diesem Jahr. Dann würde, laut seiner Aussage, das Planfeststellungsverfahren sofort eröffnet. Doch auch dieses Verfahren braucht seine Zeit. Anderthalb bis zwei Jahre veranschlagt das Zella-Mehliser Amt dafür. Vor dem Jahr 2012 ist daher kaum mit dem Baubeginn der Nordost-Tangente zu rechnen. Da die Maßnahme noch längere Zeit auf sich warten lässt, möchte man im Vorfeld den Kreuzungsbereich Toom/Leipziger Straße/Dolmarstraße durch kleine bauliche Veränderungen etwas durchlässiger machen. „Wir lassen derzeit prüfen, ob es möglich ist, die Linksabbiegespur aus Richtung Wasungen in die Dolmarstraße zu verlängern. Mit geringem Aufwand könnte die Situation so etwas entschärft werden“, so der Amtsleiter. Größere bauliche Veränderungen im Kreuzungsbereich sehen wir nicht mehr vor, da mit dem Bau der Nordost-Tangente die Probleme am Dolmarknoten nicht mehr existieren“, so Straßenbauamtschef Gerold Kirchner. (db)