Meiningen Termine sind nicht mehr sicher

, Antje Kanzler

Aus Furcht vor der Ausbreitung des Coronavirus werden auch in der Meininger Region immer mehr Veranstaltungen abgesagt. Der Sport- und Presseball wird auf November verschoben.

Der Sport- und Presseball wurde auf den 7. November verschoben. Die Aufnahme zeigt die Gäste bei dem vorangegangenen Ball in der Meininger Multihalle. Archiv Foto: Dietrich Bechstein

Meiningen - Am Mittwoch zogen die Veranstalter die Reißleine. Der Sport- und Presseball, der am 28. März als gesellschaftliches Großereignis mit etwa 1000 Gästen in der Meininger Multihalle stattfinden sollte, wird auf den 14. November verschoben. Das kündigte Bürgermeister Fabian Giesder am Nachmittag an. Mit diesem Schritt soll eine Ausbreitung des neuartigen Coronavirus in der Region verhindert werden. Inzwischen gibt es klare Anweisungen des Landesverwaltungsamtes, wonach alle Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern abzusagen sind und Veranstaltungen mit 500 bis 1000 Gästen nur im Ausnahmefall und unter hohen Auflagen erlaubt werden. Nach diesem Erlass habe es keine andere Möglichkeit gegeben, als den Ball zu verschieben, sagte Giesder. "Es soll ein fröhlicher, ein ausgelassener Ball werden. Das ist unter den derzeitigen Vorzeichen schwer vorstellbar." Er verstehe in der derzeitigen Lage die Entscheidung des Landesverwaltungsamtes, wenngleich es keinen Grund zur Hysterie gebe.

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Corona-Hotline bei Helios

Die Helios-Kliniken starteten gestern eine Gratis-Hotline zum Thema Corona

24-Stunden-Beratung unter (0800) 8 123 456 für Fragen rund um das Sars-CoV-2-Virus

Hotline vermittelt bei Bedarf Videosprechstunde, Corona-Virus-Abstrichstelle oder einen Drive-In für Abstriche

"Wir möchten einen Beitrag zur Aufklärung über die neuartige Erkrankung leisten und schnelle Hilfe über Videosprechstunden mit Medizinern sowie Anlaufstellen für Abstriche anbieten", sagte Helios-Geschäftsführer Enrico Jensch. "Der Erstkontakt via Telefon, speziell für Personen mit dem Verdacht auf das Corona-Virus, ist eine wirksame Maßnahme, um die Verbreitung zu verlangsamen und Aufklärung zu leisten."

Über die Hotline erhalten Anrufer Auskünfte rund um die Corona-Infektion. "Bei Bedarf leiten wir unsere Anrufer zur Beratung an unser geschultes medizinisches Personal oder vermitteln Videosprechstunden mit unseren Medizinern. Ist die Indikation für einen Abstrich gegeben, vermitteln wir dafür eine wohnortnahe Anlaufstelle und vergeben kurzfristige Termine", erklärt Claudia Mührer, Geschäftsführerin des Geschäftsbereichs Ambulante Medizin.

"Für unsere Mitarbeiter ist die aktuelle Situation herausfordernd und in dieser Ausprägung völlig neu", sagte der Vorsitzende der Helios-Geschäftsführung, Franzel Simon. Zum jetzigen Zeitpunkt sei es elementar wichtig, Mitarbeiter, Patienten in den Kliniken und deren Besucher so weit wie möglich vor weiteren Ansteckungen zu schützen. "Deshalb bitten wir, Besuche in Kliniken so weit wie möglich einzuschränken und auf das Händeschütteln insgesamt zu verzichten."

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www.helios-gesundheit.de

Im Meininger Raum ist bislang keine Corona-Erkrankung aufgetreten. Im Meininger Klinikum gab es am Dienstag in zwei Fällen die Vermutung, dass die Erkrankung vorliegen könnte. Die Labor-Tests zeigten aber nach Auskunft eines Klinikum-Sprechers, dass sich die beiden Patienten nicht mit dem Virus infiziert hatten.

Die Stadt veranstaltet den Sport- und Presseball gemeinsam mit dem Meininger Tageblatt und dem Sportstättenförderverein. Die Organisationsfäden hält Christopher Gellert vom HCS Medienwerk, dem Vermarktungspartner des Meininger Tageblattes , in den Händen. Seinen Worten zufolge wurde als Alternativtermin der 14. November gewählt, eine Zeit nach den Schulferien und den Kirmesveranstaltungen. Im Herbst lasse sich zudem eine abendliche Ballatmosphäre einfacher erzeugen als im Sommer, wo es lange hell bleibt. Gellert betonte: "Der Ball wird im November in gleicher Qualität wie jetzt geplant in der Multihalle über die Bühne gehen." Er sei bereits im Gespräch mit den Ehrengästen aus dem Sport wie der Speerwurf-Weltmeisterin Christina Obergföll, damit sie sich diesen Samstag im November in ihrem Terminkalender freihält. Er werde zudem alles daran setzen, dass die angesagte Thüringer Band Mr. Jam auch im November zum Sport- und Presseball auftritt.

Die Leserwahl für den Nachwuchssportler und die Nachwuchsmannschaft des Jahres wird ungeachtet der Terminverschiebung bis zum Einsendeschluss an diesem Samstag fortgesetzt. Das Ergebnis werde bis Herbst als Geheimnis gehütet. Das gelte auch für die Jury-Entscheidungen bei den erwachsenen Sportlern.

Tickets bleiben gültig

Die Eintrittskarten behalten ihre Gültigkeit. Die Saaltickets sind restlos verkauft, für die Empore sind noch einige wenige Plätze frei. "Selbstverständlich nehmen wir die Karten zurück und erstatten das Eintrittsgeld, wenn jemandem der neue Termin nicht zusagt", betonte Meininger-Tageblatt -Geschäftsführer Pierre Döring. Bei Fragen hilft die MT -Geschäftsstelle in der Neu-Ulmer Straße 8 a weiter.

"In der jetzigen Situation ist eine Terminverschiebung die einzig richtige Entscheidung gewesen, so tragisch es auch ist", unterstrich gestern Bernd Hebenstreit, der Vorsitzende des Sportstättenfördervereins. Bei all den Meldungen über das Coronavirus sei es nicht zu verantworten gewesen, jetzt den Ball stattfinden zu lassen.

Klinik-Festakt fällt aus

Das Coronavirus durchkreuzt auch die Pläne des Meininger Helios-Klinikums. Der Festakt zum 25. Bestehen des Krankenhauses am 3. April wurde vorsichtshalber abgesagt. Zu der Veranstaltung im Meininger Volkshaus waren etwa 700 Gäste erwartet worden, darunter vor allem medizinisches Personal. Um kein Risiko einzugehen, finde der Festakt nicht statt, teilte ein Kliniksprecher auf Nachfrage mit. Einen Alternativtermin gebe es im Moment nicht. Auch alle übrigen öffentlichen Veranstaltungen wie Patientenseminare seien zunächst bis April abgesagt worden.

Jahresempfang wackelt

Ein großes Fragezeichen steht hinter dem Jahresempfang der Stadt am 8. Mai im Volkshaus. Während des feierlichen Aktes soll die Meininger Ehrennadel, die höchste städtische Auszeichnung nach der Ehrenbürgerwürde, vergeben werden. "Wir verschicken noch keine Einladungen und warten ab, wie sich die Situation entwickelt", sagte der Bürgermeister. Ebenfalls ungewiss sei im Moment, ob der Meininger Frühlingsmarkt am Sonntag, 29. März, und der traditionelle Ostermarkt am Samstag, 11. April, stattfinden können.

Märkte in der Schwebe

Das bestätigen der Geschäftsführer der Meiningen GmbH, Stefan Voß, und Citymanager Heiko Olk, die aber die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben haben. Bei Heiko Olk klingelt sich in diesen Tagen das Telefon heiß: "Viele Händler - darunter welche, deren Märkte schon abgesagt wurden, fragen jetzt nach, ob sie nicht zu uns kommen können. Die Leute wollen unbedingt einen Verkaufsstandort haben. Für die fliegenden Händler sind das jetzt gravierende Umsatzeinbrüche. Sie haben Frühlingsware eingekauft und warten sehnsüchtig darauf, sie anzubieten. Auch unsere Gewerbetreibenden vor Ort planen Aktionen und wollen ihre Saisonware verkaufen", wusste der Citymanager gestern zu berichten. "Bis Ostern sollen ja sämtliche Großveranstaltungen abgesagt werden, aber die Entscheidung liegt bei Landkreis und Stadt. Sonst hatten wir beim Frühlingsmarkt, je nach Wetterlage, 2500 bis 3000 Besucher. Das würde sich schon jetzt dezimieren, weil die Leute Menschenansammlungen meiden. Für die Handeltreibenden aber wäre die Veranstaltung wichtig. Es gibt schon große Einbußen in der Gastronomie, Hotellerie und im Tourismus - jetzt auch noch im Handel." In der Meiningen GmbH wartet man, wie auch in anderen Institutionen, nun auf konkrete Entscheidungen, die voraussichtlich heute Vormittag von Landratsamt und Stadtverwaltung getroffen werden. "Solange wir nichts anderes wissen und kein ausdrückliches Verbot besteht, ist der Tenor bei uns: Wir wollen bis Ultimo versuchen, dass die Veranstaltungen stattfinden. Die Verträge liegen da - von der Werbung bis zum Toilettenwagen", so Stefan Voß .

Spielbetrieb geht weiter

Auf konkrete Vorgaben wartet auch das Meininger Theater. Von den Repräsentanten war gestern niemand erreichbar. Die Theater-Sprecherin teilte mit, dass die geplanten Theatervorstellungen vorerst weiter stattfinden, da es im Landkreis noch keinen bestätigten Corona-Fall gebe. Das Publikum wird um Rücksicht gebeten: "Wer sich nicht wohlfühlt, aus Risikoregionen kommt oder entsprechende Kontakte hatte, soll den Vorstellungen fernbleiben. "Die Karten können an der Theaterkasse ohne Frist gegen Gutschrift zurückgegeben werden", teilte die Sprecherin mit. Auch werden die Theatergäste gebeten, die allgemeinen Hinweise insbesondere zur Hygiene zu beachten. Das Theater stehe im ständigen Kontakt mit dem Landratsamt und bewerte die Lage von Tag zu Tag neu. Sollte sich die Einschätzung ändern, werden unverzüglich Maßnahmen ergriffen und veröffentlicht, etwa auf der Website www.meiningerstaatstheater.de .

Singen die Prinzen?

In der Beratung heute soll sich auch das Schicksal der Volkshaus-Veranstaltungen klären. Derzeit laufen die Meininger Kleinkunsttage mit einem bunten Programm. Frank Heinecke, Fachbereichsleiter Kultur, ging gestern noch hoffnungsvoll davon aus, dass die Kleinkunstveranstaltungen, die jeweils ein paar Hundert Besucher haben, noch stattfinden können. Bei einem von einer Agentur geplanten Volkshauskonzert dürfte es kritisch werden: Am 24. März wollten eigentlich die Prinzen ("Du musst ein Schwein sein in dieser Welt") auf der Volkshausbühne stehen.

Henflingtag verschoben

Andere warten nicht auf behördliche Vorgaben. Der Vorstand des Fördervereins und die Schulleitung des Henfling-Gymnasiums haben sich aufgrund der unsicheren Lage dazu entschieden, den Henfling-Tag zu verschieben auf die Festwoche zu Beginn des neuen Schuljahres. Termin wäre dann der 3. September.