Wasungen/Ostheim. Gut 80 Besucher drängten sich am Sonntagnachmittag zur Eröffnung der Ostereierausstellung in das Stadtmuseum. Ingrid Schmidt aus Ostheim zeigt bis zum 20. April im Sonderausstellungsraum herausragende Stücke ihrer privaten Sammlung „Kunst am Ei“. Im Vorraum präsentierten Gäste aus Lauscha, Melkers, Bettenhausen und Niederlauer ganz unterschiedliche Brauchtumseier.

Ulrike Stanek, stellvertretende Bürgermeisterin von Ostheim, freute sich, im 20. Jahr der Partnerschaft zwischen den beiden Städten, die hochkarätige Schau des Ehepaares Schmidt nach Wasungen zu bringen. Das sei der Auftakt der Feierlichkeiten zum Jubiläum, die ihren Höhepunkt mit einem Festakt am 18. Mai in Wasungen finden werden.

20 Jahre sammelten Ingrid und Gerhard Schmidt Eier als Kunstobjekte. Damals leiteten sie gemeinsam das Thüringer Museum in Ostheim. Als die Grenze aufging, widmeten sie sich den zerbrechlichen Kunstobjekten. Dabei stand ihnen die Meininger Künstlerin Elisabeth Hellmuth zur Seite, würdigte Ingrid Schmidt. Seit ihr Mann im vergangenen Jahr starb, führt sie das Hobby alleine weiter. Mittlerweile umfasst die Sammlung 600 Kunsteier. 200 davon zeigt Ingrid Schmidt derzeit im Damenstift.

Auf einem Straußenei ist das Ostheimer Nickmännchen zu sehen. Dabei handelt es sich um ein Kinderspielzeug aus dem 19. Jahrhundert. Der Ururgroßvater von Gerhard Schmidt, der Bildschnitzer Christoph Heuring, hat das kleine mechanische Wunderwerk entwickelt. Wird der Kopf angestoßen, so bewegt es den Mund wie beim Singen, spielt Geige und nickt. Ganze 20 Minuten hält das Pendel im weit schwingenden Rock das Nickmännchen in Bewegung. Reich, so weiß Ingrid Schmidt, konnte der Vorfahr ihres Mannes damit allerdings nicht werden. Denn die aufwändige Herstellung hatte ihren Preis. Zwei Mark war damals so viel Geld, dass sich nur herrschaftliche Häuser solch ein Spielzeug leisten konnten. Ein großer Auftrag von zwölf Nickmännchen ging einmal auf einen Basar nach München.

Wert von 4000 Euro

Zwei Mechaniker haben versucht, das Nickmännchen nachzubauen, erzählt Ingrid Schmidt. Aber keinem sei es gelungen, dass sich die Figur 20 Minuten lang bewegt. Heute würde ein Nickmännchen rund 4000 Euro kosten. Bei der hessischen Ei-Künstlerin Reinhilde Massey bestellten die Ostheimer Sammler die Vier-Jahreszeiten-Eier. Ein opulent-farbiger und formenreicher Duktus für eine große Leinwand wurde hier auf ein Gänseei gebracht. So erscheint ein anderes Mal-Genre, das sich von Kopien von Meisterwerken der Malerei auf Eiern vollkommen unterscheidet. Der Ausstellungsbesucher kann sich davon in der nebenstehenden Vitrine überzeugen.

Spruchband eingedreht

Ingrid Schmidt konnte auch das Bewerbungsei der Künstlerin für die führende „Kunst am Ei-Ausstellung“ in der Schweiz zeigen. Darin ist ein Brautwerberspruchband eingezogen. Das bedeutet, neben den beiden Ausblaslöchern musste ein Spalt in das Ei gefräst werden, in den das Spruchband eingedreht wurde. Oftmals seien es Männer, die mit dem Werkzeug eines Zahnarztes die zauberhaft-durchbrochenen Eier gestalten, hat Ingrid Schmidt in ihrer Sammlertätigkeit festgestellt.

Andere Ei-Künstler brachten es fertig, in winzige Vogeleier szenische Darstellungen oder ein Spruchband einzubauen. Ein Anderer bastelte eine Spieluhr in ein Straußenei. Im Enkaustik-Ei einer Künstlerin aus Eisenach steckt noch ein kleineres Ei. Wird es gedreht, dann hoppeln die Hasen über die Wiese. Ein anderes Ei aus dieser Werkstatt spielt mit abstrahierten Formen. Afrikanische Motive, Scherenschnitteier, Eier aus Glas und Eier mit Metall geben in der vorösterlichen Schau einen Blick auf die Vielfalt der Kunst am Ei.
Parallel zur Eier-Ausstellung stimmten Gestalter von Brauchtumseiern im Foyer des Museums auf das Osterfest ein. Peter Müller-Schmoß kam vom Weihnachtsland Lauscha und zeigte Glaseier für den Osterstrauß. Ein Trend, der sich seit etwa vier Jahren immer mehr durchsetzt. Von einem Zentimeter bis zu 18 Zentimetern Größe sind die gläsernen Ostereier zu haben. Monika Bloh aus Bettenhausen hält sich an das Original und tupft Punkte, Linien und Blüten wie winzige Perlen auf die Eier. Mit dem Bleistift zieht sie Linien vor und bringt dann farbiges Kerzenwachs mit einen Stecknadelkopf oder eigens zugerichteten Federkielen auf.

Faltenfreies Kleid

Richtige Eier würden zerbrechen, wenn Cordula Kraus aus Niederlauer den bestickten Stoff darüber ziehen würde. Deshalb verwendet sie Kunststoffeier und setzt ein Mittelstück dazwischen, damit das Eierkleid faltenfrei sitzt. Ihre Tochter Luise bringt derweil Comicfiguren auf richtige Hühnereier. Dazu verwendet sie einen Wachsstift.

Zur Ausstellungseröffnung warf Museumsleiterin wie immer einen Blick auf die Geschichte der bemalten Ostereier. Mit Zwiebelschalen, Spinat und roter Beete lassen sich die schönsten Farben auf Frühlingsboten zaubern, las sie aus alten Rezepten vor. Mit dem Cello gab Renate Kubisch aus Meiningen dem Frühling den richtigen musikalischen Schwung. Unter den zahlreichen Gästen weilten übrigens auch der Vorsitzende der Verwaltungsgemeinschaft Wasungen – Amt Sand, Helmut Schilling sowie der Wasunger Vizebürgermeister Thomas Kästner.

Die Ausstellung ist bis zum 24. April täglich von 10 bis 12 Uhr und von 13 bis 16 Uhr zu sehen. Am Samstag ist sie von 10 bis 12 Uhr geöffnet. Auch außerhalb der Öffnungszeiten können Besichtigungstermine vereinbart werden, teilte die Museumsleiterin mit. Und einige der gestalteten Ostereier können die Besucher, wie dies schon zur Ausstellungseröffnung möglich war, im Stadtmuseums auch weiterhin käuflich erwerben. (dmd)