Meiningen Märchenhafte Zeiten und 10. Thüringer Märchenpreis

Ein Jubiläum steht zum diesjährigen Thüringer Märchen- und Sagenfest an: Zum 10. Mal wird in Meiningen der Thüringer Märchenpreis vergeben. Er geht an die US-Amerikanerin Ruth B. Bottigheimer aus Boston.

Meiningen - Die meisten wissen es: Ludwig Bechstein ist das Thüringer Märchen- und Sagenfest zu verdanken. Anlässlich seines 200. Geburtstages wurde es im Jahr 2001aus der Taufe gehoben. 2019 wird es zum 19. Mal in Meiningen gefeiert mit der Verleihung des Thüringer Märchenpreises und dem Symposium. Beides findet im zweijährigen Rhythmus statt - daher das 10. Preisjubiläum.

Thüringer Märchen- und Sagenfest

14. 11., 16 Uhr - Theaterfoyer: Offene Erzählbühne

14. 11., 19.30 Uhr - Theatermuseum: Verleihung "Thüringer Märchen- und Sagenpreis" an Prof. Ruth B. Bottigheimer aus Boston (USA)

15. 11. ab 10 Uhr - Volkshaus: Märchensymposium mit Workshops

15. 11., 19.30 Uhr - H enneberger Haus: Märchen & Menü mit Suse Weisse und Antje Horn

22. 11., 19.30 Uhr - Goldener Zwinger: Märchen & Menü mit Florian Fischer und Lukas Müller

1. Dezember, 16.30 Uhr - Bibliothek: Frau Holle erzählt Märchen zum Advent, bis 23.12., täglich, anschließend um 17 Uhr - Öffnen des Fensters am Adventskalender

6. 12. 17.30 Uhr - Märchen und Geschichten zum Nikolaustag mit Jolanda Querbeet ; 19.30 Uhr mit Martin Ellrodt

7. 12., 16.30 Uhr - Schneekönigin Roxane zu Gast

7. 12., 19.30 Uhr - Sächsischer Hof: Märchen & Menü mit Martin Ellrodt

8. 12., 16.30 Uhr - Die Weihnachtsfrau zu Gast bei Frau Holle

22. 12., 17 Uhr - Café Neumann: Märchen mit Pia-Maria Will

24. 12., 10 und 12 Uhr - vhs-Aula: Märchenpremiere der Tohuwabohus "Die zwölf Monate"

Im Fokus des Festivals stehen Märchen aus aller Welt und das freie Erzählen. Die Resonanz bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen stieg von Jahr zu Jahr. Galten Märchen lange Zeit als überkommen, so sind sie heute wieder gern gehört, gelesen und erzählt. In Meiningen fand manch Märchenerzähler oder -erzählerin eine neue Berufung. Darunter die Bibliotheksmitarbeiterin Cornelia Schmädicke, die hierfür ein Studium absolvierte und nun ihre Erfahrungen in Schüler-Workshops mit Märchen-Contest weitergibt.

Die zehnte Auflage des Märchensymposiums findet unterm Titel "#märchenerzählen - digital und analog" am 15. November erstmals im Volkshaus statt. Im Mittelpunkt steht der kulturelle Wandel der Märchen und des Erzählens im digitalen Zeitalter. Der Jenaer Professor Friedemann Schmoll und Prof. Holger Ehrhardt von der Universität Kassel halten Vorträge zum Thema. Praktische Anwendung findet die Theorie in den anschließenden Workshops. Erprobt werden soll hierbei, wie alte Märchen und moderne Medien - also Animation, Twitter und Computerspiele - zusammenpassen.

Das Märchensymposium wendet sich an Studierende, die übers Internet und Facebook nach Meiningen geworben werden. Auch interessierte Pädagogen und Märchenfreunde aus Meiningen und der Region sind natürlich willkommen. Zwischen 80 und 100 Teilnehmer kamen bislang im Brahmssaal stets zusammen. Diesmal bietet das Volkshaus erstmals den örtlichen Rahmen. Veranstalter des Symposiums sind die Stadt Meiningen und die Bibliothek in Kooperation mit der Friedrich-Schiller-Universität Jena, dem Institut für Volkskunde/Kulturgeschichte und dem Verein Lese Zeichen Jena.

Bereits einen Abend zuvor, am 14. November, - also nicht am Symposiumabend wie bisher - wird der Thüringer Märchen- und Sagenpreis verliehen. Das Preisgeld von 2500 Euro wird von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und der Rhön-Rennsteig-Sparkasse gesponsert. Geehrt wird diesmal Prof. Dr. Ruth B. Bottigheimer aus Boston. Die US-Amerikanerin gehört zu den führenden Frauen der internationalen Erzähl- und Märchenforschung. Ungewöhnlich angesichts dessen, dass die USA überhaupt keine eigene Märchentradition haben - mal abgesehen von den Ureinwohner, den Indianern, die vertrieben wurden. Bottigheimer arbeitet als Literaturwissenschaftlerin, Folkloristin und Autorin und ist als Forschungsprofessorin in der Abteilung für Kulturanalyse und -theorie an der Stony Brook University der State University von New York tätig. Ihr Spezialgebiet sind die europäischen Märchen und die britische Kinderliteratur. Dazu gehören auch die deutschen Märchen der Brüder Grimm und Ludwig Bechsteins. Unter anderem beschäftigte sich die Märchenforscherin mit der Frage, warum Bechstein als Märchen-Bestsellerautor des 19. Jahrhunderts heute weniger berühmt ist als die Brüder Grimm. Deswegen freut sie sich nicht nur darüber, den Wirkungsort von Ludwig Bechstein einmal kennenzulernen, sondern auch den nach ihm benannten Thüringer Märchen- und Sagenpreis zu erhalten. Die öffentliche Preisverleihung findet am 14. November um 19.30 Uhr im Theatermuseum statt.

Erstmals Erzählbühne

Erstmals veranstaltet wird an diesem 14. November eine Offene Erzählbühne, die am Nachmittag im Foyer des Meininger Theaters stattfindet. Teilnehmen können Erzählerinnen und Erzähler jeder Art und jeden Alters - die Ausschreibung läuft bundesweit. Organisiert wird die Veranstaltung von den Profi-Erzählerinnen Gudrun Rathke und Suse Weisse. Antje Horn übernimmt die Moderation. Alle drei sind in Meiningen schon aufgetreten.

Neu im Programm sind ebenso "Märchen und Geschichten zum Nikolaustag" am 6. Dezember mit Jolanda Querbeet und Martin Ellrodt. Bewährtes bieten die Abende "Märchen & Menü" im Henneberger Haus (15. November), Goldenen Zwinger (22. November), Sächsischen Hof (7. Dezember) und Café Neumann (22. Dezember).

 

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