Meiningen Hass ist keine Meinung

Klara Lochner

Fake News, Pressefreiheit und journalistische Verantwortung – darüber sprachen die Schmalkalder Redaktionsleiterin Silke Wolf und Studentin Klara Lochner mit
Schülern in Meiningen.

Nach der Stunde stellten sich die Schülerinnen und Schüler der Klasse 10 mit den Referentinnen Klara Lochner (zweite von rechts) und Silke Wolf (vorne, Mitte) zum Gruppenbild auf. Foto: BBZ/Jürgen Linke

Schon mal vom Pressekodex gehört? Oder davon, wie man Nachrichten auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen kann? Die Schülerinnen und Schüler einer 10. Klasse des Berufsbildungszentrums in Meiningen wissen jetzt Bescheid. Denn die Schmalkalder Redaktionsleiterin, Silke Wolf, war mit der Studentin der Kommunikationswissenschaften, Klara Lochner, die als Freie Mitarbeiterin in Schmalkalden tätig ist, zu Besuch und klärte die Klasse über journalistische Arbeit auf.

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Silke Wolf ist seit über 30 Jahren im Beruf, kann deshalb zahlreiche Geschichten erzählen und an Beispielen zeigen, wie schnell Fake News in Umlauf kommen und erklären, wie Journalisten mit Nachrichten umgehen – etwa vor Kurzem, als sich ein Gerücht in Breitungen verbreitete. An diesem Fall erklärte sie, wie sie als Journalistin dieses Gerücht bewertete, überprüfte und dass Nichtjournalisten oft Gerüchte ungeprüft weiterleiten und teilen und damit selbst Fake News verbreiten.

Außerdem lernte die Klasse die Grundregeln jedes Journalisten kennen: den Pressekodex. Er enthält 16 Ziffern mit Vorgaben – etwa, wie Journalisten mit Informanten umgehen oder wo die Grenzen der Recherche liegen. Die wichtigste Regel ist jedoch Ziffer eins: „Die Achtung vor der Wahrheit, die Wahrung der Menschenwürde und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit sind oberste Gebote der Presse.“

Silke Wolf und Klara Lochner spannten den Bogen zu Artikel fünf des Grundgesetzes, in dem die Pressefreiheit festgeschrieben ist. Wolf erklärte auch, wo diese Freiheit endet. Nämlich, bei Beleidigung oder Hetze. „Hass ist keine Meinung.“ Bestimmte Äußerungen seien eben keine Meinungsfreiheit mehr. Die Unterscheidung sei gerade in Zeiten von abnehmendem Vertrauen in die Medien wichtig. „Respektvoll miteinander umzugehen und zu kommunizieren, sollten eigentlich die Grundlagen im Umgang sein – egal ob von Angesicht zu Angesicht oder im Netz“, sagt Wolf.

Wie Fake News erkannt werden können, sollten die Schülerinnen und Schüler selbst herausfinden. Dazu gehört nicht nur, die Inhalte zu überprüfen, sondern auch das Impressum unter die Lupe zu nehmen. Auch Fotos und Videos können helfen, zu erkennen, ob es sich um eine wahre Nachricht handelt oder um eine gezielte Falschmeldung, die das Denken und damit das Handeln von Menschen beeinflussen soll. Schließlich durften die Schüler selbst testen, wie sie eine Falschnachricht prüfen und ob sie Quellen erkennen können: Eine Whatsapp-Nachricht mit einem Foto von hunderten toten Vögeln sorgte für Aufregung. Doch ist am Vogeltod wirklich ein 5G-Experiment schuld? Sehr schnell fanden die Schülerinnen und Schüler heraus, dass das Foto aus Rom stammt und nach einem Sturm aufgenommen wurde, weshalb die Vögel starben.

Lehrer Jürgen Linke hatte die Klasse über über die Homepage des Vereins „Journalismus macht Schule“ angemeldet, da er feststellt, dass viele junge Menschen ihre Informationen in der Hauptsache aus sozialen Netzwerken beziehen. Das hatte auch eine Befragung der Schüler im Nachgang dieser besonderen Schulstunde ergeben. Dabei gaben etwa 60 Prozent an, sich über Instagram, X, Whatsapp oder allgemein im Internet zu informieren. Fernsehen und Tageszeitung lagen auf den letzten Plätzen. 80 Prozent der Schüler meinen, Fake News zu erkennen. Knapp 94 Prozent sagten, dass sie nun nachdenklicher seien beim Weiterleiten von Nachrichten. Alle Schüler sprachen sich für weitere Veranstaltungen mit Journalisten aus. Silke Wolf ist Mitglied des gemeinnützigen Vereins „Journalismus macht Schule“ und Kontaktperson für Thüringen.

Journalismus macht Schule (JmS) ist eine bundesweite Initiative zur Förderung der Nachrichtenkompetenz an Schulen. Das Ziel ist es, Schüler und Schülerinnen zu befähigen, sich möglichst umfassend und ausgewogen über das Zeitgeschehen zu informieren. Dafür vermittelt die Initiative ganzjährig Schulbesuche von Journalistinnen und Journalisten, bringt die verschiedenen Akteure zusammen und macht Lobbyarbeit in Medien und Politik. www.journalismus-macht-schule.org