Meiningen. Der lange Winter mit reichlich Frost hat den Zeitplan beim Bau der neuen Volkhaus-Brücke durchkreuzt. Der ursprünglich angepeilte Fertigstellungstermin am 1. April ist nicht mehr zu halten. Die ausführende Firma – die Wasser-, Tief- und Straßenbau GmbH (WTS) aus Sünna (Wartburgkreis) – tritt den Endspurt mit einem ehrgeizigen Ziel an: Ende April sollen die ersten Autos über die neue Brücke rollen können.

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„Wir geben uns große Mühe, um bis Ende April das Bauwerk zu vollenden. Dafür werden wir später Feierabend machen und auch an Samstagen arbeiten“, sagte WTS-Bauleiter Siegmund Paprotta, der gestern mit seinem Team die rund 240 Kubikmeter Beton auf das 59 Meter lange und 12,80 Meter breite Bauwerk aufbrachte.

Die Menge entspricht insgesamt 30 Transporter-Ladungen, die aus den Mischanlagen Rippershausen und Ilmenau kamen. Der graue Brei wurde dabei von den Fahrzeugen über dicke Schläuche auf die Stahlbewehrungen gepumpt und in einer Stärke von 30 bis 40 Zentimetern mit Spezialtechnik verdichtet und geglättet. Um die Stabilität des eingeschalten Bauwerks nicht zu gefährden, trugen die Bauleute gleichzeitig an beiden Brücken-Enden beginnend den Beton auf und arbeiteten sich Stück für Stück zur Mitte vor.

Dass zum Start am gestrigen Morgen die Thermometer-Säule unter null Grad lag, stellte dabei überhaupt kein Problem dar: „Der Beton wird mit einer Temperatur von mindestens 12 Grad angeliefert. Und während des Aushärtungsprozesses entsteht ebenfalls Wärme“, erläuterte der Bauleiter. Um die fertiggestellte Betonplatte vor Frost zu schützen, werde sie mit speziellen Matten und Folien abgedeckt.

Sechs Probewürfel


Am heutigen Tag wird die Baustelle ruhen. Danach allerdings gehen die Arbeiten weiter. „Sobald der Beton 75 Prozent seiner Festigkeit erreicht hat, können wir mit der Ausschalung der Brücke beginnen. Ich rechne damit, dass das in sieben bis zehn Tagen der Fall sein wird“, erläuterte der Bauleiter. Dabei überlässt er nichts dem Zufall. Mit der Stahlbetondecke entstanden gleichzeitig sechs Probewürfel, die auf der Brücke aushärten. Um ihre Festigkeit festzustellen, werden sie im Abstand von mehreren Tagen zerdrückt – die ersten beiden nach sieben Tagen.

Zu den noch bevorstehenden Aufgaben der WTS gehören Abdichtung- und Ausschalarbeiten, der Bau der Brückenkappen (die künftigen Gehwege) sowie am Schluss die Asphaltarbeiten für die Fahrbahn. Die Stadtwerke müssen an der Brücke noch Versorgungsstränge verlegen.

Das Unternehmen aus Sünna hatte zuvor bereits die Meininger Werrabrücke in der Henneberger Straße neu errichtet. Siegmund Paprotta zeigt sich zuversichtlich, bis Ende April die Volkshaus-Brücke zu vollenden. Dann entspannt sich auch die Verkehrssituation wieder. Durch die Großbaustelle ist die Landsberger Straße seit September vorigen Jahres voll gesperrt. Für Fußgänger wurde nebenan eine provisorische Holzbrücke errichtet, damit Anwohner und Parker am Volkshaus auf kurzem Weg zum Theater und in die Innenstadt gelangen.

Der Neubau der Volkshausbrücke – eine schlanke Stahlverbundkonstruktion – schlägt nach Auskunft des Straßenbauamts Südwestthüringen als Auftraggeber mit Kosten von rund 1,33 Millionen Euro zu Buche. Das Bauwerk soll 80 bis 100 Jahre halten und erhält zwei 3,25 Meter breite Fahrspuren. Auf der einen Seite werden zudem ein kombinierter Rad-/Fußweg, auf der anderen Seite ein 1,50 Meter breiter Fußweg und ein 2 Meter breiter Radweg angelegt.

Während der gestrigen Arbeiten besichtigten auch Fachbereichsleiter Matthias Grohme und Projektingenieur Jens Gießler vom Straßenbauamt die Baustelle. (hi)