Meiningen Den Wald sehen und verstehen

Nachhaltig und naturnah den Wald bewirtschaften, um so auf den Klimawandel reagieren zu können – das wird im Meininger Stadtwald praktiziert. Während einer öffentlichen Waldbegehung kann man sich am Sonntag darüber informieren.

Den Wald erkunden, das ist bei der Begehung möglich. Foto:  

Die Stadt Meiningen bewirtschaftet etwa 2100 Hektar Wald und ist somit einer der größten Waldbesitzer Thüringens. Bereits im Februar 2019 beschloss der Stadtrat, dass der Kommunalwald der Stadt Meiningen nach dem „Lübecker Modell“ und den „Naturland-Richtlinien für eine ökologische Waldnutzung“ bewirtschaftet werden soll und legte so den Grundstein für eine besonders nachhaltiges Konzept. Unter dem Motto „Den Meininger Wald sehen und verstehen“ werden einmal pro Quartal öffentliche Wanderungen angeboten. Geführt werden diese von Sebastian Dummer, dem städtischen Forstwirtschaftsmeister, sowie dem hoheitlich zuständigen Revierförster Frank Henkel.

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Zwei Stunden Wanderung

Der nächste Termin dieser Reihe findet am Sonntag, 4. Mai, um 9 Uhr statt. Treffpunkt ist der Parkplatz des Imkervereins auf dem Rohrer Berg (Rohrer Straße 39, Meiningen). Interessenten sollten auf festes Schuhwerk und dem Wetter angepasste Kleidung achten. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Es wird lediglich darum gebeten, pünktlich am Treffpunkt zu sein.

Die Wanderung dauert immer etwa zwei Stunden. Die Streckenlänge variiert je nach Waldgebiet, bleibt aber im Rahmen von etwa zwei bis drei Kilometern. Es werden überwiegend Waldwege begangen, was nicht ausschließt, dass auch abseits der Wege in den Wald hineingeschaut wird. Die Teilnahme von Kindern jeden Alters ist ausdrücklich erwünscht. Entsprechend Alter und Größe ist ein passendes Transportmittel (Trage, Kraxe, geländetauglicher Wagen) von Vorteil.

„Wir haben festgestellt, dass sich viele Außenstehende sehr für unsere nachhaltige Waldbewirtschaftung interessieren und auch in Meiningen immer wieder Fragen zum Konzept auftauchen, die Sebastian Dummer und Frank Henkel am besten beantworten können“, erklärt Meiningens Bürgermeister Fabian Giesder (SPD). Um den Wald erlebbar zu machen und die Fülle an Fragen fachkundig zu beantworten, habe man sich schließlich dazu entschlossen, das Wissen bei einer gemeinsamen Wanderung weiterzugeben. Dazu möchte die Stadtverwaltung in Zusammenarbeit mit der Tourist-Information alle Interessierten einladen.

Nachhaltig wirtschaften

Für viele Beobachter sichtbar, durchlebt der Wald seit einigen Jahren eine schwierige Phase. Waren es schon länger die Auswirkungen der Luftverschmutzung und Krankheiten eingeschleppter Organismen, kommen jetzt noch außergewöhnliche Trockenheit und Hitze hinzu. An vielen Stellen kommen die Wälder an die Grenzen dessen, was sie noch verkraften können.

Meininger Stadtrat und Stadtverwaltung zogen bereits 2019 aus dieser Entwicklung die Konsequenzen und entschlossen sich für ein anderes Bewirtschaftungsmodell. Hauptziel ist jetzt nicht mehr die Gewinnerwirtschaftung durch den Holzverkauf, sondern die Erhaltung der Gemeinwohldienstleistungen des Stadtwaldes für seine Bürger. Es soll in Zukunft alles dafür getan werden, dass die angeschlagenen Waldbestände widerstandsfähiger werden und sich an die veränderten Lebensbedingungen im Klimawandel anpassen können.

Kohlenstoff besser speichern

Dazu zählen vornehmlich Maßnahmen, die die Wälder in die Lage versetzen, ihre Rolle als Kohlenstoffspeicher besser wahrzunehmen. Der Stadtwald könnte locker doppelt so viel Kohlendioxid als heute unschädlich machen, wenn die passenden Waldstrukturen dazu entwickelt werden. Die Waldbesucher erkennen bereits heute deutlich, dass die Bewirtschaftung des Stadtwaldes umgestellt wurde. Zunächst fallen die vielen toten Fichten ins Auge, die aber keineswegs ein Zeichen von Nachlässigkeit, sondern Ausdruck ökologischen Sachverstands sind.

Mehr zu diesem Thema findet man im Internet unter https://meiningen.de/rathaus-politik/daten-fakten/stadtwald

Die beiden Wanderführer Sebastian Dummer und Frank Henkel waren übrigens zu diesem Thema bereits im Podcast „Neues Wagen! – Nachhaltig Wirtschaften in Thüringen“ der Heinrich-Böll-Stiftung zu Gast. Den Podcast kann man anhören unter https://www.boell-thueringen.de/de/media/audio/thueringens-erster-naturnaher-wald-fuer-mehr-klimaschutz-folge-11