Meiningen Blindgänger-Suche auf Bahnhofs-Gelände

77 Jahre nach der Bombardierung Meiningens am 23. Februar 1945 werden die Folgen wieder offenkundig: Die Bahn AG geht in Meiningen vor umfangreichen Gleisbauarbeiten auf dem Bahnhofsgelände auf die Suche nach Blindgängern. Droht eine Evakuierung wie im November 2019?

Meiningen - Am Abend des 13. November 2019 hielt Meiningen den Atem an. Auf der Baustelle des neuen Werkstatt- und Servicegebäude des Südthüringen Bahn (STB) am Rand der Berliner Straße legte ein Bagger eine 227-Kilo-Bombe frei. Mit Zünder. Scharf. Gefährlich. Was dann bis zur geglückten Entschärfung am Nachmittag des nächsten Tages folgte, werden viele Meininger wohl nicht so schnell vergessen. Ein großer Bereich um die Fundstelle musste evakuiert werden, in der Stadt herrschte der Ausnahmezustand, gespenstische Ruhe.

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Droht in den kommenden Tagen ähnliches Ungemach? Diese Frage stellt sich angesichts der Mitteilung aus der Meininger Stadtverwaltung: „Ein Kampfmittelbeseitigungsdienst sucht ab Mittwoch, 16. Februar, parallel zur Berliner Straße nach möglichen Sprengkörpern aus dem Zweiten Weltkrieg.“ Teile des Bahngeländes im Meininger Stadtgebiet sollen dabei einer Baugrund- und Kampfmitteluntersuchung im Auftrag der DB Netz AG unterzogen werden. „Von Mittwochvormittag bis zum Freitagnachmittag sucht das Experten-Team im Bereich des neuen Service-Gebäudes der Südthüringen Bahn bis auf Höhe des Spielplatzes Berliner Straße gezielt nach Blindgängern“, heißt es weiter. Sollte dabei scharfe Munition gefunden werden und daraus resultierend Entschärfungen notwendig werden, können Evakuierungsmaßnahmen nötig sein. Offen ist, ob wegen einer akuten Gefährdung unverzüglich Evakuierungen angeordnet werden müssen oder ob sich diese planen lassen.

Die Stadtverwaltung hat bereits in der Vorbereitungsphase einen Krisenstab eingerichtet, dem auch Bürgermeister Fabian Giesder (SPD) angehört. Obwohl sich Giesder aktuell im Urlaub befindet, wird er fortlaufend informiert und ist in die eventuell nötigen Entscheidungsprozesse eingebunden. Sollten Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung notwendig werden, wird die Stadtverwaltung darüber umgehend informieren, unter anderem auf ihrer Homepage

Gleisbauarbeiten

Wie die Arbeiten konkret ablaufen werden, ist noch unklar. Auf Anfrage erklärte am Dienstag eine Bahnsprecherin, dass man ab April umfangreiche Gleis- und Weichenerneuerungen im Bereich des Bahnhofs Meiningen plane. Bauarbeiten dieser Art gehe eine Kampfmittelsondierung voraus, die in den nächsten Tagen von einer qualifizierten Firma im Umbaubereich der Gleise durchgeführt wird. „Dafür nutzt die Firma für diesen Zweck zugelassene Verfahren. Bei Verdacht oder Fund greifen die entsprechenden örtlichen Gefahrenabwehrregularien“, machte die Sprecherin deutlich.

Am 14. November 2019, dem Tag nach dem Bombenfund, heulten die Sirenen der Einsatzfahrzeuge von Feuerwehr, Katastrophenschutz und Polizei fast im Minutentakt. Sie zerschnitten die furchteinflößende Stille in Meiningens Mitte. Die Theaterstadt war zu einer Geisterstadt geworden. Die sehr belebte Georgstraße war menschenleer, Beamte sicherten die Schutzzone. Nur selten tauchten Passanten auf. Am späten Vormittag prüfen 60 Beamte, ob tatsächlich alle Gebäude in der blauen Zone evakuiert sind. Die meisten der 3000 Betroffenen waren wohl auf Arbeit, in der Schule oder bei Freunden und Verwandten außerhalb der Sperrzone untergekommen. In der Multihalle suchten 162 Personen Zuflucht. Viele Straßen waren gesperrt, weiträumige Umleitungen mussten gefahren werden. Gegen 15.30 Uhr konnten die Experten des Kampfmittelräumdienst Tauber mit der Entschärfung der Bombe beginnen. Die teils stark deformierten mechanischen Heck- und Kopfzünder wurden mit einem Wasserschneidgerät erfolgreich entfernt. So konnte die Polizei gut eine Stunde nach Beginn der Arbeiten die gesamte Schutzzone wieder freigeben. Die Bewohner kehrten daraufhin in ihre Wohnungen zurück. Mit den Bussen fuhren die Evakuierten von der Sammelstelle in der Multihalle kostenlos in die Innenstadt zurück. Die Hilfsorganisationen kümmerten sich auch um den Rücktransport der 24 pflegebedürftigen, behinderten und hilfsbedürftigen Anwohner, die gesondert evakuiert worden waren. rwm