Meiningen. „Ich kenne einige junge Leute, die sagen, hier ist alles tot“, sagt Jan-Mathias Schamberger aus Dermbach. Eine Stadt, die nicht wenigstens so groß wie Leipzig ist, kommt für sie als Lebensmittelpunkt nicht in Frage. Eine Ansicht, die der 32-jährige Grundschullehrer und Musiker nicht teilt. Er stammt aus Wasungen, wohnt und arbeitet in Dermbach in der Rhön und fühlt sich in der Region verwurzelt. Wenn ihn jemand danach fragt, sagt er: „Ich komme aus Meiningen.“

Hier ist er zur Schule gegangen, hatte seine erste Liebe, verrichtete den Zivildienst, lernte an der Musikschule, spielte Theater und hat vor zehn Jahren das Musik-Projekt „Autumn Rain“ hier ins Leben gerufen.

„Die Jugend prägt die Kultur einer Region maßgeblich mit. Was ist, wenn alle weggehen? Dann geht auch die Kultur kaputt“, sieht sich der gebürtige Wasunger in der Verantwortung für seine Heimat. Der begeisterte Musiker ist kein Unbekannter in der Region. Auftritte mit seiner Band, Rollen am Meininger Theater, im Sommer gab er den skurrilen Schmied Reinhold im Rhön-Paulus-Musical … „Jemandem, der das Gefühl hat, dass ihm hier in der Region nichts gelingt, gelingt woanders auch nichts“, ist Schamberger überzeugt.

Mit in Wiege gelegt

Ihm selbst wurde die Liebe zur Musik wohl gleich mit in die Wiege gelegt. Er spielt Gitarre, Bass und Klavier. Vater Uwe Schamberger ist Musiklehrer und war Mitglied der bekannten Band MEX, die viele Jahre lang in den Tanzsälen der Region die Menschen begeisterte. Die Großeltern aus Wallbach bereichern mit ihren Gesangs-Darbietungen noch immer so manche Veranstaltung. Schwester Olivia singt bei Autumn Rain mit, wo auch Bruder Mario früher mal als Soundtechniker tätig war. Und Mutter Ingrid Schamberger ist begeisterte Hobby-Fotografin.

Ziel: Komponist

„Ich bin ein Mensch, der nie lange Urlaub macht. Ich finde es hier sehr toll. Auch die Leute, die zwar oft etwas zurückhaltend sind, mag ich. Wenn man sie für etwas begeistert hat, dann sind sie richtig bei der Sache.“ Das hat er in beeindruckender Weise in diesem Sommer erfahren, als eine ganze Region in Dermbach den Rhön-Paulus auf die Bühne brachte. „So etwas habe ich bisher noch nicht erlebt“, bricht er eine große Lanze für die Menschen in seiner Heimat.

Natürlich blickt Jan-Mathias Schamberger auch über den Tellerrand hinaus und ist nicht nur auf seine Heimat fokussiert. Mit den Kollegen seiner beiden Bands Autumn Rain und Mrs. Frizzle ist er vor allem an den Wochenenden deutschland- und europaweit sehr viel unterwegs – kehrt aber immer wieder gerne nach Hause zurück. Mrs. Frizzle wurde in einem Wettbewerb „Mitteldeutschlands beste Band“ und vor zwei Wochen in Köln zu einer der fünf besten Bands Deutschlands beim „Global Battle of the Bands“ gekürt. Deren Musiker sind allesamt Grundschullehrer aus Thüringen, die sich beim Studium zusammengefunden haben.

Der gebürtige Wasunger könnte seinen beruflich Weg sicher überall gehen. „Ich hatte etliche Angebote. Selbst für das Ausland.“ Aber er ist in Meiningen und der Rhön verankert und weiß jetzt schon ganz genau, was er einmal tun möchte: komponieren. „Eigentlich bin ich im Inneren ein Komponist.“ Und so möchte er irgendwann einmal der Meininger Komponist Jan-Mathias Schamberger werden. Mit Hartnäckigkeit hat er bisher schon viele Ziele, die er sich gesetzt hat, erreicht. Und auch dies verfolgt er konsequent. Geburtstag hat er schließlich am gleichen Tag wie Wolfgang Amadeus Mozart, am 27. Januar … „Das verpflichtet“, sagt Schamberger, der schon sein ganzes Leben lang komponiert.

Zunächst hatte er in Erfurt Verlagskaufmann gelernt und dann im Marketing gearbeitet. Dabei war er für die Organisation der verschiedensten Veranstaltungen zuständig. Eine Aufgabe, die seinem Hobby, der Musik, nahestand und die ihm auch Spaß machte. Nur stand sie seiner eigentlichen Berufung – der Musik – auch im Weg. Denn dafür braucht er unbedingt die Wochenenden. „Ein Schamberger ohne Musik – das geht nicht“ – sagte er sich und begann mit dem Grundschullehrer-Studium.
„Das war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte“, so der junge Mann heute rückblickend. „Ich bin sehr, sehr glücklich als Lehrer.“ Denn hier kann er das, was er selbst kann, weitergeben. Er unterrichtet an der Grundschule in Dermbach Deutsch, Heimatkunde und natürlich Musik. Zusätzlich gibt er an der Musikschule in Zella/Rhön Unterricht.

Für den Grundschul-Chor – die Sunshine-Kids – hat er selbst Lieder geschrieben. Moderne Lieder, die vom Alltag erzählen, die gut beim Publikum ankommen und die den kleinen Sängerinnen und Sängern Spaß machen. Jan-Mathias Schamberger hofft nun, dass diese Lieder auch Einzug in den Schulmusikbüchern halten.

Seine Lieder

Schon bald kam die Anfrage aus der Regelschule Dermbach, dort auch einen Chor zu gründen. „Früher saßen die Neuntklässler an der Bushaltestelle, heute singen sie meine Lieder“, sagt er nicht ganz ohne Stolz.
Zwei Gitarrenschülerinnen von ihm – 11 und 14 Jahre alt – haben bereits eine eigene Band gegründet (Pink & Purple) und konnten beim Bad Salzunger Stadtfest sogar eine CD-Aufnahme gewinnen.

Das eigene Wissen nicht für sich zu behalten, sondern es weiterzugeben und andere für die Musik zu begeistern, ist dem zielstrebigen jungen Mann äußerst wichtig. Und wenn er dies in seiner Heimatregion tun kann – um so besser. „Die zeichnet sich nicht nur durch eine besonders schöne Landschaft, sondern vor allem durch die Menschen aus, die hier leben – und deren vielfältige kulturelle Betätigungen.“

Bleibt bei all den Projekten neben dem Beruf auch noch etwas Freizeit? Darauf antwortet der Wasungen-Dermbach-Meininger: „Sollte ich Freizeit haben, dann gehe ich in die Sauna. Aber nur in Meiningen!“
Eva Gebhardt