„Mayors for Peace“ Suhl setzt Zeichen für atomare Abrüstung

Vor dem Rathaus wurde ein Zeichen für Abrüstung gesetzt, begleitet von Erinnerungen an Hiroshima und Nagasaki. Warum eine Geschichte aus dem Krankenzimmer bis heute nachwirkt.

Vertreter der Friedensinitiative halten eine Fahne mit einer Friedenstaube. Foto: privat

Rund 30 Bürger sind am 6. August der Einladung der Suhler Friedensinitiative zum Gedenken an die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki vor 81 Jahren gefolgt. Vor dem Suhler Rathaus wurde gemeinsam mit Bürgermeister Jan Turczynski die Flagge der internationalen Organisation Mayors for Peace (deutsch: Bürgermeister für Frieden) gehisst. Die Stadt Suhl unterstützte damit erneut das Anliegen, ein sichtbares Zeichen für Frieden und atomare Abrüstung zu setzen.

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Suhl ist seit 2017 Mitglied von Mayors for Peace und gehört damit zu mehr als 8500 Städten weltweit, die sich für die Abschaffung von Atomwaffen, für Abrüstung und eine Kultur des Friedens engagieren, informiert Ina Leukefeld von der Suhler Friedensinitiative. In seiner Ansprache erinnerte Bürgermeister Jan Turczynski an die Verantwortung der Städte für den Frieden und zeigte sich besorgt über die gegenwärtige Entwicklung. Statt weiterer Abrüstung werde heute wieder über den Ausbau der nuklearen Abschreckung gesprochen. Auch die Prüfung zusätzlicher Stationierungen von Atomwaffen in Europa sei ein gefährlicher Weg, der die Welt nicht sicherer mache.

Zuvor erinnerte Ingrid Mösch von der Suhler Friedensinitiative an die unvorstellbare Zerstörung und das menschliche Leid, das die Atombombenabwürfe vor 81 Jahren verursacht haben. Bewegend erzählte sie die Geschichte der zwölfjährigen Sadako Sasaki, die den Bombenabwurf zunächst überlebte, Jahre später jedoch an den Folgen der radioaktiven Strahlung erkrankte. Im Krankenhaus faltete sie unermüdlich Papierkraniche. Einer japanischen Legende zufolge erfüllt sich der Wunsch dessen, der tausend Kraniche faltet. Sadakos größter Wunsch war es, weiterleben zu dürfen – doch er erfüllte sich nicht. Heute liegen Millionen Papierkraniche am Friedensdenkmal in Hiroshima. Sie erinnern daran, dass Frieden nicht mit Waffen beginnt, sondern mit der Hoffnung, dass kein Kind jemals wieder solches Leid erfahren muss.

Für die Friedensinitiative erklärte Ina Leukefeld, dass Menschenrechte und Völkerrecht wieder der Maßstab politischen Handelns werden müssten. Sie erinnerte daran, dass der UN-Atomwaffenverbotsvertrag ein wichtiger Schritt zur vollständigen Ächtung und Abschaffung aller Atomwaffen sei. Zwar haben inzwischen 99 Staaten den Vertrag unterzeichnet oder ratifiziert, Deutschland gehört jedoch bislang nicht dazu. „Wir wollen heute auch ein Zeichen setzen, das zu ändern. Das Ziel, Atomwaffen weltweit zu ächten und abzuschaffen, darf kein leeres Versprechen bleiben“, betonte sie.

Hiroshima muss Mahnung bleiben

Diese Forderung unterstützte auch Karin Hornschuch vom Team Sport & Spiel. In ihrer Arbeit begegnet sie immer wieder Kindern und Familien, die vor Krieg und Vertreibung fliehen mussten. Ihr Appell lautete: „Lassen Sie uns gemeinsam dafür eintreten, dass Hiroshima und Nagasaki für immer Mahnung bleiben – und niemals wieder Wirklichkeit werden.“ Den Abschluss der Veranstaltung bildete das Lied der Puhdys „Hiroshima“. Die Zeilen „Fliege, mein Lied, nach Hiroshima … Und versprich dem Mann in Hiroshima: Das wird nie mehr sein“ verliehen dem gemeinsamen Wunsch nach einer friedlichen Welt musikalischen Ausdruck.

Die Suhler Friedensinitiative lädt bereits jetzt zur nächsten Friedensveranstaltung ein: Am 1. September, dem Weltfriedenstag, findet die Gedenkveranstaltung am Fuße des Waffenschmieds statt. Gastredner wird der aus Suhl stammende Schauspieler, Intendant, Regisseur und Autor Matthias Brenner sein.