Wadephul: Sanktionen wirken
Der deutsche Außenminister Johann Wadephul, der auf dem Weg in die USA ist, forderte in der ZDF-Sendung "Berlin direkt" die iranische Staatsführung auf, freie Wahlen zuzulassen und das Internet wieder einzuschalten. Er wolle sich in Washington informieren, was die US-Regierung plane. "Wir sind jedenfalls der Meinung, dass gegen dieses Regime vieles unternommen werden muss." Dazu zähle auch die Einstufung der Revolutionsgarden als Terrororganisation. Der CDU-Politiker bekannte sich zu der bisherigen Linie gegenüber den Herrschern in Teheran: "Das, was wir jetzt an Protesten sehen, ist eine Folge von Sanktionen. Das heißt, Sanktionen wirken."
Schah-Sohn ruft zu neuen Demonstrationen im Iran auf
Reza Pahlavi, Sohn des 1979 gestürzten Schahs, rief zu weiteren Demonstrationen auf. "Ich bitte Sie alle, sich mit Ihren Freunden und Familienangehörigen in Gruppen auf die Hauptstraßen der Städte zu begeben. Trennen Sie sich unterwegs nicht voneinander oder von der Menschenmenge und nehmen Sie keine Seitenstraßen, die Ihr Leben gefährden könnten", sagte Pahlavi laut einer englischen Übersetzung seiner Rede, die auf X veröffentlicht wurde. Aus seinem Exil in den USA heraus beansprucht er eine Führungsrolle in der Opposition.
Am Samstag hatte Pahlavi noch zu landesweiten Streiks in Schlüsselbranchen wie der Öl-, Gas- und Energieindustrie aufgerufen. Er forderte außerdem Demonstranten dazu auf, zentrale Plätze in Städten zu besetzen und zu kontrollieren. Wegen der Internetsperre ist unklar, ob und in welchem Ausmaß Menschen seinem Aufruf gefolgt sind.
Kritiker: Aufruf brachte Demonstranten in Gefahr
Ein Kritiker schrieb auf Englisch auf X, Pahlavi hätte in seiner Erklärung zu Disziplin und Gewaltlosigkeit aufrufen sollen. Sein Aufruf, "die Zentren der Städte zu erobern und zu kontrollieren", habe Demonstranten in Gefahr gebracht. Angesichts der zu erwartenden Reaktion der schießwütigen iranischen Behörden halte er diesen Ansatz für unverantwortlich.
Pahlavis aktueller Erfolg sei weniger seinen Führungsqualitäten zu verdanken, schrieb der iranische Kritiker Sadegh Sibakalam, sondern vielmehr der Unfähigkeit, Misswirtschaft sowie den Fehlentscheidungen der Staatsführung geschuldet.
Proteste dauern seit zwei Wochen an
Die Proteste hatten Ende Dezember begonnen, ausgelöst durch eine massive Wirtschaftskrise und einen plötzlichen Absturz der Währung Rial. In Teheran gingen zunächst wütende Händler auf die Straße. Danach weiteten sich die Proteste auf das gesamte Land aus. Das genaue Ausmaß bleibt jedoch auch wegen der Internetsperre weiter unklar.
Solidaritäts-Demos in Berlin und Frankfurt
Aus Solidarität mit den Demonstranten im Iran gingen auch in Berlin und Frankfurt am Main Menschen auf die Straße. Rund 1.400 Menschen hätten sich in Berlin an einer Demonstration vom Kurfürstendamm zum Adenauerplatz beteiligt, sagte ein Sprecher der Polizei. Am Wittenbergplatz hätten sich rund 300 Menschen versammelt. In Frankfurt gingen nach Angaben der Polizei bei mehreren Veranstaltungen rund 1.800 Menschen auf die Straße.