Maroldsweisach/Bamberg 33-Jähriger muss hinter Gitter

Udo Güldner

Ein Informant schwärzt einen Drogenhändler bei der Polizei an. Diesem hatte er jedoch eine Falle gestellt. Das änderte jedoch nichts daran, dass sich der Dealer nun verantworten musste.

Es ist Anfang März, als bei der Kriminalpolizei Schweinfurt das Telefon klingelt. Ein ehemaliger Spitzel berichtet von zwei Kilogramm Amphetamin. Was der Informant nicht sagt: Er selbst hat den Angeklagten zu dem Drogengeschäft angestiftet. Foto: Arne Dedert/dpa Quelle: Unbekannt

Maroldsweisach/Bamberg - Zweieinhalb Jahre muss ein 33-jähriger Handwerker aus dem Landkreis Haßberge ins Gefängnis. Am Landgericht Bamberg wurde er wegen des unerlaubtes Besitzes und Handels mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge für schuldig befunden. Es war um 26 Gramm Crystal Meth, vor allem aber um zwei Kilogramm Amphetamin gegangen.

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Es ist Anfang März, als bei der Kriminalpolizei Schweinfurt das Telefon klingelt. Als der V-Mann-Führer abhebt, erzählt ihm sein ehemaliger Spitzel am anderen Ende der Leitung etwas von zwei Kilogramm Amphetamin. Das Speed oder Pep, wie es auf der Straße heißt, soll sich bei einem Bekannten des Informanten irgendwo im Landkreis Haßberge befinden. Was der Informant nicht sagt: Er selbst hat den Angeklagten zu dem Drogengeschäft angestiftet.

Als die Beamten das Gelände eines ehemaligen Bauunternehmens unter die Lupe nehmen, finden sie in der Werkstatt des Angeklagten die Droge. In einem Kühlschrank lagert sie, damit sie ihre berauschende Wirkung bei Zimmertemperatur nicht verliert. In verschiedenen Tütchen befindet sich ein Kilogramm der weißen Paste. Ein Teil davon in Reinform, ein anderer Teil mit Edelweiss-Milchzucker gestreckt. Daraus sollten insgesamt zwei Kilogramm Stoff werden, die der Angeklagte an den Informanten für 12 000 Euro verkaufen wollte.

Allerlei Utensilien wie Feinwaage, Mixer und Unmengen Druckverschlussbeutel deuten allerdings darauf hin, dass der Angeklagte nicht nur an Großkunden lieferte. Woher er selbst das Suchtmittel bezog, er holte es mit dem Fahrrad bei einem Dealer um die Ecke, darüber schwieg der Angeklagte. Zusätzlich tauchen noch kleinere Mengen Crystal Meth, Marihuana, Ecstasy und LSD auf - alles für den Eigenbedarf. Sein halbes Leben habe er alles bis auf Heroin ausprobiert, erklärte der Angeklagte. "So kann es nicht weitergehen".

Im Laufe des Prozesses wurde deutlicher, warum der ehemalige Polizei-Spitzel seinen Geschäftspartner angeschwärzt hat. Der 39-jährige, längst abgeschaltete, Informant aus dem Raum Schweinfurt hatte selbst Schwierigkeiten mit den Ermittlungsbehörden und glaubte wohl, sich durch einen Hinweis auf den Angeklagten in eine günstigere Lage manövrieren zu können. Es war um Crystal Meth aus Thüringen gegangen, das Ende letzten Jahres in den Landkreis Haßberge gebracht worden war und nun das Landgericht Gotha beschäftigen wird. Vielleicht spekulierte er auch auf die für V-Leute übliche Geldprämie für den sachdienlichen Hinweis. Oder er versuchte, seine Geschäftspartner, denen er für bereits geschnupfte Lines noch Geld schuldete, aus dem Verkehr ziehen zu lassen. Das Landgericht Bamberg verurteilte den Informanten wegen Drogenhandels und Anstiftung dazu vor Kurzem zu drei Jahren Haft.

Eine Bewährungsstrafe im hiesigen Fall kam für den Vorsitzenden Richter Markus Reznik und seine Beisitzer und Schöffen nicht in Frage. Immerhin handelte es sich um nicht geringe Mengen. Zudem war der Angeklagte kein unbeschriebenes Blatt. Zwischen 2004 und 2010 hatte er das Amtsgericht Haßfurt mehrfach beschäftigt. Zuerst ging es nur um eine Beleidigung, dann schon um eine gefährliche Körperverletzung, zuletzt um sechs Fälle des Drogenhandels. Marihuana und Amphetamine hatten durch ihn Käufer in den Landkreisen Haßberge und Schweinfurt gefunden.

Am Ende wurde der Angeklagte, der sieben Monate in Untersuchungshaft in der JVA Bamberg verbracht hatte, zu zweieinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Wenn alles klappt, wie es sich Strafverteidiger Jochen Kaller aus Bamberg vorstellt, dann kommt der Angeklagte noch im November in ein Bezirksklinikum.

Die sechsmonatige Therapie hinter verschlossenen Türen zahlt freilich nicht der Steuerzahler, und sie kostet auch nicht rund 187 000 Euro, wie bei der zwangsweisen Unterbringung in eine Entziehungsanstalt sonst üblich. Der Großvater des Angeklagten legt die knapp 30 000 Euro aus eigener Tasche auf den Tisch. Der Angeklagte wird nämlich demnächst Vater einer kleinen Tochter. "Ich sehe es als eine Chance, dass ich hier sitze. Ich will von den Drogen wegkommen".