Marktschreier in Hibu Wurst-Achim, einer der letzten seiner Art

Wolfgang Swietek
Wurst-Achim (Joachim Pfaff), einer der letzten Marktschreier, posiert in Hildburghausen Foto:  

Noch bis Samstag sind Wurst-Achim, Käse-Mai, Aal-Hinnerk und all die anderen in Hildburghausen zu Gast und bringen ihre Waren lautstark unters Volk. Doch die Marktschreier sind ein aussterbendes Gewerbe – in ganz Deutschland

Am Tag, als der Regen kam – da kamen auch die Marktschreier nach Hildburghausen. Doch für das Wetter kann niemand etwas. Auch nicht Bürgermeister Tilo Kummer, der es sich nicht nehmen ließ, die Männer mit den flotten Sprüchen persönlich zu begrüßen. Doch nicht nur ein paar Worte hatte er gestern für sie übrig – da kann er eh nicht mithalten den wortgewaltigen Männern – sondern er zückte auch seine Geldbörse und erstand einen leckeran Aal. Worauf sich Wurst-Achim gleich einschaltete – und dem Stadtchef eine riesige Wurst entgegen hielt, und sie als die weit bessere Ware pries gegenüber diesem „mickrigen Aal“.

Nie um einen flotten Spruch verlegen

Um einem flotten Spruch sind die Marktschreier ohnehin nicht verlegen, obwohl sie ob des „Sch... wetters“ dabei den schwarzen Humor oft nicht verleugnen konnten. „Bitte nicht drängeln“, bat der Mann am Stand von Nudel-Kiri, nachdem sich endlich ein einzelner Kunde eingefunden hatte, „bitte von rechts anstellen.“ Da übertönte ihn prompt Wurst Achim: „Kommen Sie hierher, wir haben noch einiges im Angebot. Doch bitte schnell zugreifen, ehe es alle wird!“

Auch wenn der Andrang sich gestern, am ersten Tag der diesjährigen Marktschreier-Tour, wegen des Regens noch in überschaubaren Grenzen hielt, sah man doch etliche Besucher mit vollen Plasteeimern voller Käse oder Wurst, Schokolade oder frischem Fisch den Heimweg antreten. Nur wenige nutzten die aufgestellten Tischgarnituren zu einer Rast. Wenn überhaupt, dann weniger mit Bier zur Fischsemmel, sondern mit einem Glühwein zum Aufwärmen. Zufrieden zeigte sich trotz aller Wetterkapriolen zum Beispiel die Familie Reinhardt aus Gompertshausen. Die Eheleute waren zwar nicht allein wegen der Marktschreier gekommen. Sie haben hier Eintrittskarten für das Stadttheater erworben und noch einige andere Wege erledigt, doch die Marktschreier ließen sie sich nicht entgehen, trotz des Regens. Und kehrten nicht mit leeren Händen ins Unterland zurück.

Jörg Nietzel war sogar aus Erfurt angereist, zugegeben nicht ausschließlich wegen der Marktschreier, wie er bekannte, doch auch er hatte seinen Spaß an dem Event. Ihren Spaß hatte auch Jasmin Rosentreter mit ihrer sechsjährigen Tochter Matilda, die seit Kurzem in Hildburghausen wohnt, direkt am Marktplatz. In ihrer Wohnung waren die lauten Sprüche der Marktschreier natürlich nicht zu überhören. Und so bewaffneten sie sich mit Regenschirmen und besahen sich das Spektakel, das da von Wurst-Achim und Aal-Hinnerk, von Nudel-Kiri und Käthe-Kabeljau sowie von Käse-Mai veranstaltet wurde. Ganz ohne einen Einkauf kam die junge Mutter nicht davon, schließlich war das Angebot von Milka-Maxxx für die kleine Matilda viel zu verlockend.

Wer die Marktschreier am Donnerstag verpasst hat, kann dies heute und morgen noch nachholen. Heute werden sie von 10 bis 19 Uhr wieder mit lautem Geschrei um Kunden werben, am Samstag dann noch einmal von 10 bis 18 Uhr.

 

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