Manebach Wenn Box-Trainer zu Mathematikern werden müssen

Mit Liegestützen und Seilspringen beginnen Adriano (links), Justin (Mitte) und Luca das Training im Boxclub Fortuna nach 13-wöchiger Pause. Foto: Gerd Dolge

Der Boxclub Fortuna Ilmenau startet wieder ins Training.

Manebach - Masken über Mund und Nase haben für Boxer etwas Irritierendes. Nicht, dass Schutz-Masken bzw. sonstige Protektoren nicht etwa bekannt wären, im Gegenteil: Kopfschutz für Kinder und Jugendliche, der für Zuschauer nicht gleich sichtbare Zahnschutz und der komplett unsichtbare, aber enorm wichtige Tiefschutz gegen Schläge unterhalb der Gürtellinie. Alle diese "Schutze" gab es schon lange vor Corona, wissen Jens Langrock und Frank Polloczek, die beiden Trainer im Boxclub Fortuna Ilmenau. Damit umzugehen sind die beiden gewohnt.

"Aber jetzt kommt eben noch das Hygienekonzept dazu", konstatiert Jens Langrock als Sportlicher Leiter des Boxclubs. Konkret hieß das schon am vergangenen Mittwoch, dem ersten Trainingstag des BC Fortuna in der "Kegelbahn & Turnhalle" von Manebach: Anreise bereits in Trainingsklamotten, nicht umziehen, regelmäßiges Durchlüften nach jeder Trainingseinheit ("Wie früher auch schon", so Jens Langrock), kein Duschen. "Toilettenbenutzung ist frei", so Langrock trocken.

Außerdem ist der Berufskraftfahrer, Keramik-Facharbeiter, gelernte Industriemechaniker und langjährige Boxer nun auch noch für seinen Sport ins Mathematiker-Fach gewechselt. "Für unser Training in kleiner Besetzung muss ich jetzt genau ausrechnen, wie viele Sportler teilnehmen dürfen." Dazu zieht Jens Langrock die Vorgaben von der Stadtverwaltung heraus: Boxring 24 Quadratmeter Fläche, Freifläche zwischen Boxring und Kraftraum 60 Quadratmeter, der Kraftraum selbst mit 35 Quadratmetern. Pro Aktiven wird mit 20 Quadratmetern Trainings- und Bewegungsfläche gerechnet - ergibt dann Trainingsmöglichkeiten für maximal fünf Aktive mit Liegestützen und Seilspringen, Dehnungsübungen und weiterer Gymnastik, Kraftarbeit mit Kurz- und Langhantel "und wieder Seilspringen". Für erfahrenere Aktive können dann noch ein paar Runden Sandsackarbeit hinzukommen. Allerdings nur mit eigenen Boxhandschuhen.

"Für heute bin ich mit der ersten Trainingsrunde nicht unzufrieden", sagte dazu Jens Langrock. "Nach 13 Wochen Pause brauchen alle etwas Anlaufzeit."

Die ersten Aktiven nach eben jenen 13 Wochen waren Adriano Diaz Hernandez und sein elfjähriger Stiefsohn Justin. Sie konnten gar nicht schnell genug in die Halle kommen, um dort mit Liegestützen, Gymnastik und Seilspringen beginnen zu können. Nur Boxen Mann gegen Mann gab es nicht, höchstens Schattenboxen oder am Sandsack.

Der Dritte im Bunde war an diesem Mittwochabend der achtjährige Luca. Er kam mit seiner Mutter Sindy Schneider, um hier die spezielle Trainingsluft des Boxsports zu "schnuppern". Mutter Sindy war Leichtathletin und hat vor allem an Crossläufen "rings um Ilmenau" teilgenommen. Den Abstecher zum Boxen haben sich Mutter und Sohn gemeinsam ausgeschaut. Die ersten Übungen waren sehr positiv. Besonders das Seilspringen, das der elfjährige Justin mit Doppelschlag und Überkreuzschwung eindrucksvoll demonstrierte, beeindruckte den Neuling Luca ebenso wie die boxerische Demonstration durch Justin am Sandsack.

Das erste offene Training nach der Corona-Pause und gleich ein neues Mitglied in Aussicht, damit hatten Jens Langrock und Frank Polloczek für diesen Mittwoch nicht gerechnet. "Denn eigentlich findet am heutigen Mittwoch ja auch das Sondertraining für Studenten statt, wie wir es seit Jahren mit der TU pflegen", sagte Jens Langrock. "Aber da werden wir froh sein, wenn im Herbst-Winter-Semester überhaupt wieder Studenten bei uns hineinschauen." Vielleicht bleiben auch wieder einige als Wettkämpfer dabei, die dann für den Boxclub Fortuna im Ring stehen.

Bestehen bleiben die drei Trainingstage des BC Fortuna: Montag, Mittwoch und Freitag jeweils ab 18 Uhr in der ehemaligen "Kegelbahn & Turnhalle" von Manebach.

Und irgendwo, weit in der Ferne, leuchtet auch immer noch die Hoffnung der Fortuna-Vereinsspitze, am 17. Oktober ja doch wieder das dann insgesamt neunte Boxturnier veranstalten zu können, es wäre das siebte um den Pokal der Stadt Ilmenau. "Wenn nicht verschieben wir das Turnier eben auf Frühjahr 2021 in den Wettkampfkalender", erklären Jens Langrock und Frank Polloczek übereinstimmend. So viel Luft und Geduld haben die rund 40 Mitglieder und Aktiven des Boxclubs Fortuna Ilmenau allemal.

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