Malring Bad Salzungen Und dann sind Blumen draus geworden

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„Alle“? So steht es auf der Tafel im Malring-Atelier. Das stimmt und stimmt nicht – alle helfen mit, aber nicht alle werden ausstellen. Nur Frauen haben sich am „Pouring“-Projekt beteiligt. Helfer und Begleiter (zum Beispiel zum fast unsichtbaren Bilder-Festhalten) sind trotzdem gefragt. Foto: Heiko Matz

Versehen, Zufall – oder wie geplant? Der Malring stellt in seiner neuen Ausstellung die Technik „Pouring“ vor.

Nichts ist planbar – die Ausstellung über „Pouring Art“ passt perfekt. In der Stadt- und Kreisbibliothek „Domäne“ in Bad Salzungen stand für die Wochen ab Ende Januar etwas ganz anderes auf dem Programm. Was aber abgesagt wurde. Die Lücke wird jetzt der Malring füllen – mit einer Präsentation von Arbeiten, deren Charme genau darin liegt, dass sie nicht nach Plan entstanden sind. Oder zumindest nur dann, wenn der Zufall erstens zum Plan passt. Und sich zweitens ein bisschen schieben, pusten, schwenken lässt.

Die Gestaltungs-Technik „Pouring“ – vom englischen „to pour“, das gießen, fließen, strömen, schütten bedeutet – sei vor ein paar Jahren „aus den USA geschwappt“, sagt Monika Sachs, die das Projekt in den Malring gebracht hat und dort inzwischen, wie auch Bettina Wolf-Andreas, als „Pouring-Profi“ gilt. Monika Sachs habe, erzählt Andrea Rexhäuser, die Vereinsvorsitzende, in der Corona-Zeit die ersten Workshops angeboten, „immer zu zweit“.

Man traf sich im Atelier des Malrings – daheim, sagt Andrea Rexhäuser, hätten die meisten keinen Raum, den sie so präparieren könnten, dass hemmungslos gekleckert werden könne. Und in dem Arbeiten stunden- und tagelang trocknen dürfen. „Pouring an sich geht schnell“ – die Vor-und Nachbereitung aber „dauert lang“. Die flüssigen Acrylfarben, vermischt mit einigen Ingredienzien, werden auf die Leinwand gegossen – direkt geschüttet, über einen Flaschenboden oder einen anderen Gegenstand. Dann kommt ein Fön zum Einsatz oder eine Heißluftpistole oder ein Strohhalm oder ein Kamm oder Backpapier oder ein Fensterwischer oder, oder, oder. „Es gibt tausend Varianten“, sagt Monika Sachs. „Wir haben alles rausgeholt“, sagt Andrea Rexhäuser.

Das ist auf den Bildern zu sehen – manche wurden geschwenkt oder beim Schütten schräg gehalten; man könne, sagt Monika Sachs, auch Glitter oder Sand einstreuen. Es wurde mit dem Pinsel gearbeitet, mit Luftballons getupft, Papier aufgeklebt. Und dann? Manches, sagt Andrea Rexhäuser, „verselbstständigt sich“, manches wird in die eine oder andere Richtung gelenkt.

Also doch planbar? „Nicht planbar“, sagt Monika Sachs, „jein“ sagt Andrea Rexhäuser. Die Landschaft auf einem Bild sei zum Beispiel gewollt, dem Badeschaum wurde nachgeholfen, für die Collagen diene das Pouring als Untergrund – aber es sei auch experimentiert und dann festgestellt worden: Es sind Blumen draus worden. Oder ein spannendes Muster.

Und weil sich viele im Malring für die Technik begeisterten, sind auch viele Bilder entstanden. „Wir mussten sie nur wieder von der Wand holen“, sagt Andrea Rexhäuser. Demnächst werden die ungeplanten Arbeiten andere Wände schmücken – und in der kleinen Galerie in der Stadt- und Kreisbibliothek die ungeplante Lücke im Ausstellungskalender füllen.

Die Ausstellerinnen: Heike Funk, Regina Kaiser, Manuela Koszycki, Sabine Regensburg, Andrea Rexhäuser, Monika Sachs, Viktorija Sevruka, Birgit Schwertfeger, Bettina Wolf-Andreas. Die Ausstellung in der Stadt- und Kreisbibliothek Bad Salzungen wird am Freitag, 27. Januar, um 19 Uhr eröffnet.                                                                  

 

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