Mainachtsmarkt Schmalkalden Stumpfe Schwerter, scharfe Zungen

Annett Recknagel

Der zweite Mainachtsmarkt zog am Wochenende wieder zahlreiche Gäste in den Schlosshof und das Schloss Wilhelmsburg. Die Ritterkämpfe waren eine Augenweide, aber auch die Vaganten von Nachtwindheim verstanden es, bestens zu unterhalten.

Dietrich von Berga war längst entwaffnet. Und Heinrich von Mellingen frohlockte. „Man muss seinen Gegner nicht immer gleich erschlagen“, bekamen die Gäste des mittelalterlichen Mainachtsmarktes auf Schloss Wilhelmsburg zu hören. „Hast du Lösegeld?“, lautete seine erste Frage. Kopfschütteln. „Hast du Nachkommen?“ Jetzt ein Ja. „Lohnt sich das?“ Wieder ein Nein. Blieb nur noch die Flucht. Doch diese Blöße gab sich der edle Recke nicht. Apropos: Dieses Sprichwort stammt aus der Ritterzeit und bezeichnet im Kampf eine ungeschützte Stelle am Mann. Dort, wo der Recke verwundbar war. Und das ist die Kunst des Kampfes – man sollte sich keine Blöße geben. Ja, zum mittelalterlichen Mainachtsmarkt konnten die Gäste auch jede Menge lernen. Wer während der kämpferischen Szenen genau hinhörte, der bekam viel Wissenswertes zur Kampftechnik mit.

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Auch das Sprichwort „auf der Hut sein“ stammt aus der Zeit der Ritter. Die nämlich wachten und passten auf, das keine Feinde kamen – sie waren auf der Hut. Von Berga schaffte es übrigens doch noch, seinem Gegenüber das Schwert abzuluchsen. So schnell kann es gehen! Man musste eben auf der Hut sein! Und dann gab es eine Einführung in das sogenannte „Pointfighting“. Heißt: Bei den Kämpfen versuchten die Gegner, bei ihrem Gegenüber bestimmte Punkte zu treffen, die verletzbar machen. Wer sich am längsten wehren konnte, siegte und wurde bejubelt. Gleich dreimal traten die Recken an einem Tag in Aktion. Dass das nicht ganz ohne war, liegt auf der Hand. Und trotzdem gaben sie ihr Bestes. Das Publikum staunte. Natürlich sind die verwendeten Waffen weder scharf noch spitz. Schließlich soll nichts passieren.

Der Mainachtsmarkt fand zum zweiten Mal statt. Wie immer als Gemeinschaftsprodukt des Mittelaltervereins Authentica Castrum Walinvels (ACW) aus Tambach-Dietharz und des Schlosses Wilhelmsburg. „Seit 15 Jahren arbeiten wir bestens zusammen“, erinnerte sich Matthias Mohs als Vorsitzender des ACW. Bekannt sind die mittelalterlichen Weihnachtsmärkte. Nach Corona wurde der erste Markt im Mai durchgeführt. Mit großem Erfolg. Und so blieb man dabei. „Zu Weihnachten ist es drinnen wärmer als draußen und jetzt ist das eben umgekehrt“, meinte Mohs. Die Ritter aber schwitzen während der Schaukämpfe immer – egal, welche Jahreszeit herrsche. Im Schlosshof hatten sie ihr Lager aufgeschlagen. Auch der Schmied war dabei. Dazu kamen altes Handwerk, eine ganz besondere Küche, Bogenschießen, Feuershow und vieles mehr.

Für musikalischen Witz waren die Vaganten von Nachtwinden zuständig. Und sie legten sich mächtig ins Zeug, sodass jedem Lied ein kräftiger Applaus folgte. „Wahnsinn, Schmalkalden rastet aus!“ freute sich das Trio und plärrte: „Liebes Volk, das war jetzt unser letztes Lied!“ Zugaberufe folgten prompt. Die Band ließ sich breit schlagen und kündigte das zweitkürzeste Lied der Welt an. „Alles, alles paaret sich – nur ich allein bleib überich ….“ Gelächter und Jubel.

Gutgelaunt zogen die Besucher durchs Schloss. Zahlreiche Händler boten Unikate an. Lederwaren, Holzprodukte, Tonartikel, Seifen, Gewürze, Handarbeiten, Bienenprodukte, Schmuck, Kleidung und vieles mehr waren zu haben. Keramikdesignerin Susanne Koch aus Seligenthal präsentierte sich mit ihrem Lindwurm auf der Schulter. Das „Tierchen“ konnte sogar Feuer speien. Die Schmalkalder Bierbrauer waren vertreten. Hendrik Schliewenz und Martin Reformat boten frisch Gebrautes an, während sich die Recken im Schlosshof schlugen. Met floss zahlreich. Kulinarisch hatte der Markt etliche Leckereien von herzhaft bis süß zu bieten. Nach dem Konzert mit „An Beal Bocht“, das zahlreiche Gäste anlockte, gab es eine große Feuershow. Insgesamt waren die Organisatoren sehr zufrieden.