Lutherkreuz Relikt wieder sichtbar gemacht

Klaus Bohl (links) und Detlef Schulz am Lutherkreuz zwischen Grundecke und Grundhof. Foto: Heiko Matz

Das Lutherkreuz – zugewachsen und gerissen – ist pünktlich zum Jubiläum „500 Jahre Entführung Luthers“ restauriert und in Szene gesetzt worden.

Bad Salzungen - Kaum einer kennt es, kaum einer konnte es in den letzten Jahrzehnten sehen: das Lutherkreuz zwischen Grundecke und Grundhof. Zugewachsen und ohne Hinweis geriet es ins Abseits.

Die Legende zum Lutherkreuz besagt, dass Luther und seine Entführer am 4. Mai 1521 nicht den direkten Weg Richtung Wartburg nahmen. Um Zeugen und Verfolger zu verwirren und abzuschütteln, reiten sie zunächst in verschiedene Richtungen, nehmen Umwege und teilen sich. Dabei kommt es im Bereich des Grundhofes zu einem tragischen Unglück: Einer der „Entführer“ wird vom Schlag getroffen, stürzt vom Pferd und stirbt auf der Stelle. Luther hingegen wird auf dem Weg nach Gotha im Glasbachgrund zum Schein entführt. Erst gegen Mitternacht erreicht Martin Luther mit Burghard II. Hund von Wenkheim die Wartburg bei Eisenach. Dem Verstorbenen zu Ehren – es soll sich um einen Junker gehandelt haben, dessen Wappen in den Stein eingraviert ist – stellte man das Sühnekreuz auf. Seit mehr als 500 Jahren zeugt es von den Ereignissen.

Detlef Schulz, Tourismusbeauftragter der Stadt Bad Salzungen, konnte sich dunkel an eine Erzählung von Horst Anschütz erinnern. „Ich wusste aber nicht genau, wo es steht.“ Den Weg von der Grundecke zum Grundhof und zurück – „ich konnte es nicht finden.“ Erst mit den vom Landesamt für Denkmalpflege zur Verfügung gestellten GPS-Daten stieß Detlef Schulz auf das Kreuz. Mit einem Kran wurde das Bodendenkmal aus dem Wildwuchs gehoben und zu einem Steinmetz gebracht. Dieser restaurierte das Sandstein-Kreuz und schloss den Riss, der sich durch den Stein zog. Nun steht es wieder gut sichtbar am Wanderweg – sogar ausgeschildert und mit einer Bank sowie einer Informationstafel aufgewertet. „Jetzt hat der gut besuchte Wanderweg eine neue Attraktion“, freut sich Bürgermeister Klaus Bohl (Freie Wähler), der die Stelle des Lutherkreuzes zuvor auch nicht kannte. Martin Luther sei in der Region tief verwurzelt. In Möhra wohnten seine Eltern. Der Überlieferung nach soll der kleine Luther zum Zeitpunkt des Wegzugs der Familie Luther schon unterwegs gewesen sein. „Möhra ist also zu Recht Stammort Luthers“, so Klaus Bohl.

Das Denkmal aus gelblich-grauem Sandstein, der aus einem nahe gelegenen Steinbruch stammt, hat eine lateinische Kreuzform, Arm- und Kopfenden sind gerundet. Zu sehen ist ein verwittertes Wappen-Stechschild mit quergeteiltem Wappenfeld und ein Helm mit linienartigen Verschnörkelungen. Darunter erkennt man die Buchstaben G und M, ehemals stand noch ein L.

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