LPV „Thüringer Rhön“ Für mehr Licht und Wärme

red

Wiederherstellung von Kalkmagerrasen und Wacholderheiden: Am Sissenberg bei Wiesenfeld wird mit der Entbuschung begonnen.

Solveig Lutze und Julia Gombert vom Landschaftspflegeverband „Thüringer Rhön“ überprüfen die Grenzen der Pflegefläche am Sissenberg bei Wiesenfeld. Foto: Justin Spiegel

Der Landschaftspflegeverband „Thüringer Rhön“ will gemeinsam mit der Heinz-Sielmann-Stiftung auf einer Grünlandfläche von circa 1,5 Hektar bei Wiesenfeld mit Pflegemaßnahmen für mehr Licht und Wärme sorgen. Ziel der Entbuschung und der Offenhaltung ist die Förderung der für Kalkmagerrasen und Wacholderheiden typische Artenvielfalt. Die Fläche liegt an einer der Rhöner Extratouren, dem Point-Alpha-Weg, der dadurch ebenfalls eine Aufwertung erfährt.

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Die Rhön ist bekannt für ihren vielfältigen Wechsel aus Wäldern, Hecken und artenreichem Offenland. Letzteres begeistert jedes Jahr viele Menschen mit Blütenreichtum. Den Reigen beginnen die violetten Küchenschellen im Frühjahr, weiter geht es mit verschiedenen Orchideen und der Silberdistel im Spätsommer. Um diese Vielfalt zu erhalten, ist eine regelmäßige Nutzung der Flächen wichtig.

„Durch Änderungen in der Weidetierhaltung werden heutzutage Flächen zum Teil unternutzt, mit der Konsequenz, dass sie zuwachsen. Wärme liebende Tier- und Pflanzenarten, wie die eben genannten, finden dort dann keinen geeigneten Lebensraum mehr und eine landwirtschaftliche Nutzung ist ab einem gewissen Grad der Bedeckung durch Gehölzaufwuchs nicht mehr möglich“, erläutert Julia Gombert, Geschäftsführerin des Landschaftspflegeverbandes.

Aufgrund ihrer besonderen Artenausstattung gehören die Kalkmagerrasen und Wacholderheiden zu besonders schützenswerten Lebensräumen. Da diese europaweit Bedeutung haben, sind solche Flächen in ein besonderes Naturschutz-Netz eingeordnet. Es handelt sich um das europaweite „Natura 2000“-Netzwerk, bestimmt durch Flora-Fauna-Habitat-(FFH)- und Vogelschutzrichtline. Für die Thüringer Rhön betreut die „Natura 2000-Station Rhön“ diese Flächen.

Um den Biotopverbund und die artenreichen Lebensräume entlang des „Grünen Bandes“ zu optimieren und die extensive Landnutzung zu fördern, soll künftig ein Bundesförderprojekt – das Naturschutzgroßprojekt „Thüringer Kuppenrhön“ – von der gleichnamigen gGmbH umgesetzt werden. Die Planungen für dieses Projekt laufen bis März 2024. Die gGmbH wurde von der Heinz-Sielmann-Stiftung und dem LPV „Thüringer Rhön“ gegründet.

Während der derzeitigen Planungsphase des Naturschutzgroßprojektes stellte sich heraus, dass viele Beteiligte gern ein Beispiel gezeigt bekämen, wie eine solche Entbuschung organisiert und umgesetzt wird, berichtet Julia Gombert. „Es fügte sich Anfang dieses Jahres, dass die Heinz-Sielmann-Stiftung mit einer großzügigen Spende Naturschutzmaßnahmen in der Rhön finanzieren möchte. Diese soll nun für die Pflege am Sissenberg eingesetzt werden.“

Der Landschaftspflegeverband „Thüringer Rhön“, der die Aufgaben der „Natura 2000“-Station Rhön wahrnimmt, recherchierte nach geeigneten Flächen für die Entbuschung.

Corinna Hoßfeld, Geschäftsführerin der gGmbH, erläutert: „Uns war es wichtig, eine Fläche auszuwählen, die sich im zukünftigen Projektgebiet des Naturschutzgroßprojektes ,Thüringer Kuppenrhön’ befindet, um zu zeigen, was wir mit dem Projekt leisten können. Westlich von Wiesenfeld bei Geisa fand sich so eine geeignete Fläche am Sissenberg, auch ,Siffenberg’ genannt: Ein stark verbuschter Kalkmagerrasen, der im Gebiet des Naturschutzgroßprojektes ,Thüringer Kuppenrhön’ liegt und zugleich FFH-Lebensraumtyp ist, soll wiederhergestellt werden.“ Nach einer Folgenutzung wurde ebenfalls gesucht. „Die Agrargenossenschaft Rhönperle eG Bremen wird die Flächen übernehmen und mit ihrer Schafherde beweiden. Wir können an diesem praktischen Beispiel zeigen, wie Maßnahmen des Naturschutzgroßprojektes ausgeführt werden können“, freut sich Corinna Hoßfeld.

Julia Gombert ergänzt: „Bevor es losgehen kann, musste zunächst die Recherche nach den Flächeneigentümern erfolgen, denn ohne Einwilligung dieser ist keine Naturschutzmaßnahme umsetzbar. Aufgrund der vorangeschrittenen Verbuschung erfolgten enge Absprachen mit dem Forstamt Bad Salzungen, welche Gehölze als zukünftige Schattenspender erhalten werden sollen und welche entnommen werden können – damit sich Orchideen und Küchenschellen wohl fühlen. Letztere werden in einigen Wochen bereits wieder blühen. Die Übergänge zum Wald sollen sanft gestaltet werden, sodass ein Waldsaum erhalten bleibt. Solche intensiven Abstimmungen führt unser Landschaftspflegeverband im Rahmen der Arbeit als ,Natura 2000’-Station regelmäßig durch. Uns ist es wichtig, alle Maßnahmen mit den Beteiligten abzustimmen, denn nur so kann Naturschutzarbeit auf solide Basis gestellt werden.“

Das Schnittmaterial wird von der Fläche beräumt und so weit möglich einer energetischen Nutzung zugeführt. Sowohl Corinna Hoßfeld, als auch das Team vom Landschaftspflegeverband „Thüringer Rhön“ stehen für Fragen zu Verfügung. Die Kontaktdaten sind auf der Website des LPV Rhön zu finden: www.lpv-rhoen.de