Lotus-Treffen in Oberhof Bausatz-Flitzer begegnen sich auf der Höh’

Anica Trommer

Lotusfahrer sollten lange Arme und schmale Füße haben. Denn im Auto geht es nicht nur sehr eng zu. Auch das Abholen eines Imbisses im Drive-Inn wird zur Akrobatikübung . Dieses Gokart-Gefühl lieben die Super-Seven-Fahrer.

Oberhof - Wenn sich Frank Hewer in sein Auto setzt, dann spürt er das reine Fahrvergnügen, sagt er. Assistenzsysteme wie ABS, Servolenkung oder Traktionskontrolle fehlen im seinem Lotus Super Seven. „Normale Autos sind langweilig“, sagt der Saarländer. Ein Gedanke, mit dem er beim Treffen der Interessengemeinschaft Seven am Wochenende auf der Oberhofer Höh’ nicht allein dasteht. „Golffahren kann jeder“, sind sich die Fans des schnittigen englischen Rennwagens einig.

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Viele von ihnen kennen jede Schraube ihres Fahrzeugs. Denn sie haben es als Bausatz gekauft und selbst zusammengeschraubt. Für 20 000 D-Mark hatte man so, mit ein wenig Geschick, mal schnell ein neues Auto. Heute sind die Fahrzeuge bis zu 100 000 Euro wert.

Weil das Leben für ihn nicht mehr nur aus arbeiten, essen und schlafen bestehen sollte, suchte sich Gunnar Hellwig ein neues Hobby. Auch die Krebserkrankung seiner Schwester habe bei ihm den Wunsch ausgelöst, seine Zeit noch intensiver nutzen zu wollen. Als Surfer genieße er es, wenn ihm der Wind um die Ohren wehe. Ein ähnliches Gefühl stelle sich im Lotus Super Seven ein. „Ab 130 pfeift es ganz schon“, sagt er. Scheint sie Sonne, wird das Cabriodach geöffnet. Auch deswegen fiel die Wahl auf dieses besondere Auto im einstigen Formel-1-Wagen-Aussehen.

Zwei Jahre Bastelspaß

„Die Türen, die Heckklappe und die Stoßstange habe ich selbst designt“, sagt Gunnar Hellwig. Er ist stolz auf das individuelle Aussehen seines grasgrünen Flitzers. „Die Autos sehen alle ähnlich aus, aber keines ist wie das andere“, betont er. Zwei Jahre hat er gebraucht, bis aus dem Bausatz ein Auto wurde und er damit in seiner Heimat, dem Spreewald, unterwegs sein konnte.

Hin und wieder werde er allerdings von der Polizei gestoppt. Sorgen vor einer Strafe habe er dann aber nicht. „Die Beamten halten mich meistens an, um sich das Auto genauer anzuschauen. Sie sind begeistert, dass es eine Straßenzulassung hat. Da bekomme ich immer wieder positive Reaktionen“, sagt Gunnar Hellwig.

Die Lotus-Fans aus Hamburg und Frankfurt/Main lieben ihre kleinen Kurvenräuber, wie sie ihre Super Seven nennen. „Es ist das Gokart-Feeling, was sie so besonders macht“, schildern sie. Doch es brauche schmale Füße, um nicht alle Pedale im Fußraum gleichzeitig zu treten. „Wenn ich das Fenster runterlasse und meinen Arm raushalte, dann kann ich den Asphalt berühren“, schwärmen sie von dem Gefühl, der Straße ganz nah zu sein. Allerdings werde eine Fahrt durch den Schnellimbiss- Drive-Inn schnell zur akrobatischen Meisterleistung, weil das Ausgabefenster in schier unerreichbarer Höhe ist.

Zwischen 80 und 380 PS stark sind die flinken Flitzer. Doch um Höchstgeschwindigkeiten gehe es nicht. „Das Grinsen der Leute, wenn wir mit den Autos um die Kurve kommen, ist unbezahlbar“, sagen die Mitglieder der Interessengemeinschaft, die am Wochenende die Kurven des Thüringer Waldes und der Rhön unsicher gemacht haben.

Kurven und Kultur

Regelmäßig kommen sie zusammen, um zu fachsimpeln und zu Ausflügen aufzubrechen. Treffen von den Dolomiten bis Hamburg haben sie schon organisiert. Diesmal ist es am Suhler Lotus-Freund Horst Geißenhöner, für die Fans ein interessantes Wochenende zu gestalten. „Wir kombinieren Kurven und Kultur“, sagt er lachend.

Rund 60 Rennwagen parken vorm Oberhofer Ahorn-Panorama-Hotel. Rund 130 Liebhaber aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, aus Luxemburg und Frankreich gehören zur Interessengemeinschaft. Der feuerrote Lotus Elise, der auf den Parkplatz rollt, fällt sofort ins Auge. Denn am Steuer sitzt eine Frau. Andrea R. Marx ist eine der wenigen Fahrerinnen der schnieken Rennwagen. „Das liegt mir einfach im Blut“, sagt die Redaktionssekretärin einer Mannheimer Tageszeitung. In den 80er Jahren ist sie als Rennfahrerin beim Ladycup angetreten. Dass es inzwischen immer mehr Frauen in den Rennsport zieht, freut sie.

Lange Zeit habe sie dann auf das Fahrgefühl im Rennwagen verzichtet und ist stattdessen mit dem Kleinwagen Daihatsu Cuore unterwegs gewesen. „Aber das ist wie eine Sucht, Man kann sie unterdrücken, aber irgendwann bricht sie wieder aus“, sagt sie lachend. Vor fünf Jahren kaufte sie ihre Elise. .„So etwas ist ein Jugendtraum, aber erst im Alter hat man dann auch das Geld dafür.“

Vier Stunden ist sie von Mannheim aus unterwegs gewesen nach Oberhof. „Ich habe versucht, Autobahnen zu vermeiden“, sagt Andrea R. Marx . Stattdessen nutzte sie die kurvenreichen Strecken des Odenwaldes, um ihr Auto auszufahren.