Lokalsport Sonneberg "Das grenzt an Wettbewerbsverzerrung"

Martin Blechschmidt
Wenn alle ziehen und zerren: Manuel Müller (Bildmitte), Spielertrainer bei den Sonneberger Handballern, hatte sich akribisch auf das anstehende Heimspiel gegen Jena vorbereitet - vergebens. Foto: Carl-Heinz Zitzmann Quelle: Unbekannt

Mindestens bis zum 30. November ist bekanntlich ein Lockdown verordnet. Und dies trifft die verschiedensten Lebensbereiche. So auch besonders den Amateursport und damit hierzulande ebenfalls den Sonneberger Handballverein (SHV).

Mindestens bis zum 30. November ist bekanntlich ein Lockdown verordnet. Und dies trifft die verschiedensten Lebensbereiche. So auch besonders den Amateursport und damit hierzulande ebenfalls den Sonneberger Handballverein (SHV). Martin Blechschmidt sprach für Freies Wort mit Manuel Müller, Spielertrainer beim Sonneberger Handballverein (SHV).

Unser Autor

Einst standen sie gemeinsam auf dem Handball-Parkett, jetzt interviewt der eine den anderen sogar. Unser Autor, Martin Blechschmidt, sprach mit dem Spielertrainer der ersten Männermannschaft des Sonneberger Handballvereins, Manuel Müller, der sich eigentlich auf den 6. Spieltag der Mitteldeutschen Oberliga vorbereitet hatte und am Samstagabend Jena zum Thüringenderby empfangen wollte. red

Herr Müller, die Ereignisse überschlugen sich in der vergangenen Woche. Wie haben Sie das im Team erlebt?

Mitte der Woche bekamen wir die Info, dass wir aufgrund der Corona-Fallzahlen ohne Zuschauer spielen müssen. Das ist einerseits schade, weil wir uns von der Heimniederlage von vor zwei Wochen gegen Halle rehabilitieren wollten. Andererseits steht der Schutz der Gesundheit an erster Stelle. Von dem her empfand ich es auch als richtig, dass das Spiel schließlich ganz abgesagt wurde.

Wann drang diese Nachricht zu Ihnen durch?

Ich saß am Freitagmittag gerade im Büro des Vereinsvorsitzenden Alexander Ebert und besprach mit ihm noch die letzten Details für das anstehende Heimspiel. Da erreichte uns eine E-Mail des Landratsamtes/Gesundheitsamtes, wonach unser Spiel gänzlich abzusagen ist. Anschließend mussten wir natürlich rotieren, um alle schnellstmöglich zu informieren.

Das ist heutzutage mit modernen Medien an sich nicht so schwer. Aber wie wurde die Nachricht bei den Betroffenen aufgenommen?

Na ja, es gab ja keinen Handlungsspielraum. Wir haben eine behördliche Auflage bekommen und mussten uns dieser beugen. Das haben auch alle eingesehen. Meine Spieler waren natürlich enttäuscht, und auch unsere ehrenamtlichen Helfer hatten sich bereits auf das Spiel vorbereitet und gefreut. Aufseiten des Verbandes war man natürlich ob der Kurzfristigkeit wenig begeistert, aber auch sie verstanden die Lage.

Der Mitteldeutsche Handballverband steckt da auch in einer misslichen Situation. Drei Bundesländer müssen berücksichtigt werden. Gibt es schon einen Plan für die Zeit nach dem Lockdown?

Ja, den gibt es. Freilich ist es schwierig, drei Bundesländer unter einen Hut zu bekommen. Alle anderen angesetzten Spiele in Sachsen und Sachsen-Anhalt fanden übrigens statt, sogar mit Zuschauern. Das kann an sich aber nicht der MHV entscheiden, sondern es liegt am jeweiligen Landratsamt. Es wäre eventuell möglich gewesen, grundsätzlich alle Spiele abzusagen. Aber dazu war vielleicht auch die Zeit einfach zu kurz.

Weil man schon die restliche
Saison im Hinterkopf hat?

Ja, das denke ich. Aktueller Plan ist, insofern dies natürlich zulässig ist, dass man Anfang Dezember in den Trainingsbetrieb zurückkehrt. Ein sofortiger Punktspielbeginn geht dann allerdings nicht. Man hat sich auf eine Vorlaufzeit von zwei Wochen geeinigt. Die Verletzungsgefahr wäre einfach zu groß, wenn man von 0 auf 100 starten würde. Wir können jetzt ja auch erst einmal nicht mehr gemeinsam trainieren.

Im Sommer konnte individuell oder zumindest in der Kleingruppe im Freien trainiert werden. Wie wollen Sie sich jetzt einigermaßen fit halten, wenn auch das Fitnessstudio geschlossen hat?

Daran arbeite ich gerade. Ich erstelle für alle Spieler zumindest einen Lauf-Plan, der individuell abgearbeitet werden kann. Und den Rest muss man irgendwie zu Hause selbstständig lösen.

Das ist die sportliche Sicht. Wie sieht es wirtschaftlich für den Verein aus?

Im Gegensatz zu vielen anderen Vereinen in der Liga haben wir das Glück, dass alle unsere Spieler arbeiten und somit für sich selbst sorgen können. Für Vereine mit Profisportlern oder zumindest hochbezahlten Spielern wird es jetzt sicherlich kritisch, je nachdem, wie lange wir nicht mehr spielen können. Doch die laufenden Kosten bleiben natürlich auch bei uns. Und je länger wir nicht mehr spielen können, um so schwieriger wird die Lage natürlich. Die Option mit Geisterspielen, also ohne Zuschauer, wie jetzt gegen Jena kurzzeitig geplant, ist aus meiner Sicht aber keine dauerhafte Lösung. Wir können zwar spielen und diese Spiele auch per Livestream über das Internet übertragen. Die uns für ein Heimspiel entstehenden Kosten (Schiedsrichter, Zeitnehmer, etc./Anm. d.Red. ) können damit aber keinesfalls gedeckt werden.

Was wäre dann eine Lösung, wenn Zuschauer auch im nächsten Jahr nicht oder zumindest nur sehr eingeschränkt zugelassen werden?

So blöd wie das klingt, aber wie ist der sportliche Wert einzuschätzen, wenn in jeder Halle etwas anders gemacht wird? In Plauen war die Inzidenz zum Zeitpunkt unseres Auswärtsspiels höher als in Sonneberg. Wir hätten zu diesem Zeitpunkt, wenn überhaupt, nur ohne Zuschauer spielen dürfen. In Plauen waren gut 100 Fans in der Halle. Das grenzt an Wettbewerbsverzerrung - in gewisser Weise. Da frage ich mich, ob das dem sportlichen Gedanken noch entspricht. Von den besagten wirtschaftlichen Folgen im Falle von Geisterspielen mal ganz abgesehen, wird es aus meiner Sicht bereits zum jetzigen Zeitpunkt schwierig, diese ohnehin bis Mitte Juni geplante Saison ordentlich zu Ende spielen zu können.

Sollte diese Saison auch wieder nicht ordentlich zu Ende gespielt werden können, sehen wir einen Manuel Müller dann auch noch im Alter von 45 Jahren auf dem Parkett?

(lacht) : Als erstes muss ich einmal festhalten, dass ich den Trainerjob ja nicht alleine mache. Mit Konstantin Selenow habe ich auf der Bank genügend Handballerfahrung sitzen und muss mich gerade im Spiel nicht um alles alleine kümmern. Außerdem haben wir eine ordentliche Truppe, die es mir leicht macht, immer noch mit Spaß Handball zu spielen. Aber natürlich geht auch an mir die Zeit nicht spurlos vorüber. Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich am Tag nach dem Spiel keine Schmerzen hätte. Aber solange es gesundheitlich funktioniert und natürlich auch sportlich noch passt, will ich heute einmal nichts ausschließen. Seite 24

 

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