Lokalsport Ilm-Kreis Was einem Tennisverein in der Corona-Krise so alles widerfährt

Die Rhododendron-Idylle (hier mit Huu Ban Tran als Spieler) trügt: Der TV 1920 Ilmenau kämpft an verschiedenen Corona-Fronten Foto: Andreas Heckel

Eigentlich beginnt im Mai die Tennis-Punktspielsaison. Aber die Vereine haben aktuell viele Probleme – wie es das Beispiel des TV 1920 Ilmenau zeigt.

Ilmenau - Ach herrje, und jetzt auch noch Sturmschäden im Ritzebühl! Beim TV 1920 Ilmenau musste man am Dienstagvormittag konstatieren: Auf den gerade wieder hergerichteten Plätzen widerstanden einige Schiedsrichterstühle den anstürmenden Winden nicht, legten sich quer und zogen dabei anderes Equipment in Mitleidenschaft ...

Als ob man nicht schon genug damit zu tun hätte, all die Knüppel beiseite zu räumen, die die Corona-Pandemie einem Tennisverein derzeit permanent zwischen die Beine wirft. Vereinschef Prof. Vesselin Detschew und seine Mitstreiter müssen da an vielen Fronten kämpfen.

So wäre zum Beispiel – der Vereinsname sagt es – im letzten Jahr eigentlich die Feier zum 100-jährigen Jubiläum fällig gewesen. „Wir hatten sehr langfristig darüber gesprochen und überlegt, was man da organisieren könnte“, so Vesselin Detschew. Es gab den Plan einer Ganztagesveranstaltung mit einem Showkampf der besten Thüringer Spieler im Ritzebühl und einer Galaveranstaltung am Abend in der TU-Mensa für 200 bis 300 Teilnehmer, also durchaus auch als gesellschaftliches Ereignis gedacht. „Man wird ja nicht jedes Jahr hundert!“ Indes: Dieses Projekt musste wegen Corona gecancelt werden, und zwar gleich zweimal! Der nächste Anlauf ist nun für September 2022 gedacht. Eine Feier lässt sich schließlich nachholen, und in der Zwischenzeit kann man sich liegen gebliebenen Dingen wie die Modernisierung von Satzung, Geschäftsordnung und Website widmen.

Kaum oder gar nicht nachzuholen sind dagegen die sportlichen Schäden. Für die eigentlich immer im Mai beginnende Freiluft-Punktspielsaison hatte der TV 1920 vier Mannschaften gemeldet, darunter zwei, die Herren 65 und die Damen 50, in ihren Oberligen, der höchsten Thüringer Klasse. Doch der sportliche Lockdown funkt dazwischen. Speziell im Tennis verhindert er das Austragen von Doppel-Spielen, ohne die aber keine Mannschaftskämpfe möglich sind. Der Verband hat den Saisonstart in den Sommer verschoben. „Aber da ist absehbar, dass bis dahin einige Mannschaften wieder zurückziehen. Wegen der Ferien stehen im Sommer viele Spieler nicht zur Verfügung. Und wenn es dann auch noch nur Matches mit Einzel-Spielen sind ... Wenn das dabei bleibt, wird es keine richtige Saison“, fürchtet Vesselin Detschew.

Aber gerade das Doppel-Verbot hat noch andere Auswirkungen: „Wir hatten bei uns in den letzten zwei Jahren regelmäßig gemeinsame Trainingstermine für Spieler aus dem Wettspielbereich und Freizeitspieler angeboten. Das kam sehr gut an; mitunter kamen sogar Gäste aus anderen Vereinen vorbei. Und es wurde fast nur Doppel gespielt, weil man sonst nicht alle unterbekommen hätte. Aber das ist jetzt wegen des Doppel-Verbots auch nicht mehr möglich und ein erheblicher Verlust für unser Vereinsleben. Nur mit Einzeln werden wir diese Resonanz nicht erreichen.“ Nächstes Problem: Das bis zu dieser Woche unterbrochene Nachwuchstraining. „Das ist eigentlich unsere größte Quelle für neue Mitglieder. Oft kommen Kinder vorbei, die Tennis nur mal probieren wollen – und dann bleiben sie begeistert dabei.“ Trainer Andreas Gerhardt stand mit einem komplett ausgearbeiteten Nachwuchsprojekt mit dem Lindenberg-Gymnasium bereits in den Startlöchern, ehe auch das dem Lockdown zum vorläufigen Opfer fiel. Und inwieweit solche Rückschläge wieder auszugleichen sind, muss man in dem 130-Mitglieder-Verein auch erst mal abwarten. Gleiches gilt für die sportlichen Verstärkungen, die regelmäßig aus der TU zum Verein gestoßen sind, mitunter richtig gute Spieler! Auch da ist derzeit nichts drin.

Da muten die Probleme bei der alljährlichen Frühjahrs-Instandsetzung der Ritzebühl-Plätze fast schon wie Peanuts an: Weil die dafür üblichen großen Arbeitseinsätze nicht möglich waren, wurde das alles mit Zweimannteams zeitlich „gestreckt“. Bei manchen Arbeiten, etwa dem Abdecken der Plätze, aber gar nicht so einfach. „Aber wir kriegen es hin“, meint der Vereinsvorsitzende – und hofft, dass dies auch für den Nach-Corona-Relaunch gelten wird, den der TV 1920 Ilmenau dann mit aller Macht vollziehen will und muss.

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