Lokalsport Ilm-Kreis Stefan Röttig: Skeleton statt Biathlon

Stefan Röttig: Wie weit kommt der frühere Nachwuchs-Biathlet aus Plaue nun im Skeleton? Foto: BSD

Als 17-Jähriger, und damit sehr spät, wechselt Stefan Röttig vom Biathlon zum Skeleton. Dort kämpft er nun darum, den Sprung in den deutschen Perspektivkader zu schaffen.

Plaue - Die Corona-bedingte Zwangspause im Amateursport bietet andererseits aber auch die Gelegenheit, den Scheinwerfer mal auf solche Wintersportler der Region zu richten, die bisher ein wenig „unter dem Radar“ der üblichen Berichterstattung geflogen sind, von denen bestenfalls nackte Wettkampfresultate vermeldet wurden. Einer davon ist Skeleton-Pilot Stefan Röttig. Der aus Plaue stammende Unteroffizier von Eintracht Frankenhain betreibt das „Bauchrodeln“ seit fünf Jahren und kämpft in diesem Winter um eine bessere Platzierung im Europacup als in der letzten Saison, um es in seinem letzten Jahr als Junior zur WM dieser Altersklasse zu schaffen und sich dort für den deutschen Perspektivkader zu empfehlen.

Dabei war bei Stefan Röttig jahrelang überhaupt nicht die Rede von Startzeiten, stabiler Kurvenlage und sonstigen Elementen, die in der Szene der bäuchlings auf den markanten Flachschlitten zu Tal rasenden Piloten wichtig sind: Der bald 23-Jährige tat das, was alle Jungs dieser Region beim SV Eintracht Frankenhain taten: Biathlon trainieren, und zwar bei Uwe Lesser. Er schaffte auch den Sprung ans Sportgymnasium, indes: „Dort haben meine Leistungen dann stagniert“, erzählt er. „Vor allem beim Schießen ging es nicht vorwärts und meine Aussichten, im Biathlon etwas zu werden, wurden nicht gut. Nun meinten aber meine Trainer dort, dass ich mit einer guten Athletik und Schnellkraft ausgestattet wäre und dass ich es mit diesen Vorzügen doch mal in anderen Sportarten versuchen sollte, wo ich das besser einbringen könnte.“

Etwa beim Skeleton eben. Trainer Frank Schwarz verhehlte zwar nicht, dass Stefan Röttig mit seinen damals 17 Jahren schon ein recht „hohes Alter“ für einen solchen Wechsel hätte – doch dem Plauer wurde die Chance zum Umsatteln gegeben. „Bei der allerersten Fahrt die Bahn hinunter hatte ich ein cooles Gefühl; ich dachte: Das könnte tatsächlich etwas sein, das zu mir passt“, berichtet der Plauer. „Aber es gab natürlich auch große Schwierigkeiten: Ich hatte seit der sechsten Klasse Biathlon betrieben, also ein Ausdauersport. Das Training beim Skeleton dagegen war völlig anders gestrickt: Sprints, Sprünge und solche Sachen – ich hatte nach der ersten Trainingseinheit erst mal mächtigen Muskelkater.“

Aber es gelang ihm, sich in diesen spektakulären Geschwindigkeitssport hinein zu fuchsen und sich bisher bei Europacup-Rennen zu profilieren. Anders als etwa beim Bob entspricht beim Skeleton der Europacup einer „3. Liga“, etwa wie der Fis-Cup bei den Skispringern. Der nächste Schritt wäre der Aufstieg in den Intercontinental-Cup (ICC) und die Aufnahme in den deutschen Perspektivkader; letzteres wäre über die Junioren-WM möglich, für die Stefan Röttig letztmals startberechtigt ist und die für Januar in St. Moritz angesetzt ist. „Sollten die Europacup-Rennen alle so ausgetragen werden können wie geplant, dann wäre mein Ziel, in der Gesamtwertung unter die ersten Fünf zu kommen“, gibt Stefan Röttig als persönliches Ziel aus – und spricht damit zugleich das Kardinalproblem dieses Winters an: Wegen der Corona-Pandemie können alle Rennen nur unter Vorbehalt ausgetragen werden. Das kostete ihn zum Beispiel gleich den Startplatz beim Europacup-Auftakt vor knapp drei Wochen in Winterberg, weil hier deutsche ICC-Fahrer die Hälfte der deutschen Startplätze belegten, um Wettkampfpraxis zu bekommen; der Mann von Eintracht Frankenhain war daher als Spurschlittenfahrer mit dabei. Der nächste Wettkampf wäre am 19. Dezember im lettischen Sigulda. Bis dahin sollte u. a. in Königssee trainiert werden.

Die Corona-Pandemie hatte bereits die Vorbereitung auf diese Wettkampfsaison erheblich beeinträchtigt. Der Auftakt fiel in die erste Lockdown-Phase im Frühjahr. „Ich habe mit meinem Trainer Michael Höhne quasi Fern-Training praktiziert.“ Der Erfurter Coach schrieb ihm Trainingspläne „und ich habe mir im Wald einen Platz gesucht, an dem ich die Kraft-Ausdauer- und Stabilisa­tionsübungen ausführen konnte.“ Mitte Mai stand ein Lehrgang bei der Bundeswehr an. „Nach diesem war es wieder leichter, zu trainieren. Und habe bewusst auf meine Urlaubsreise verzichtet, um mich nicht zu infizieren“, blickt er zurück. Es folgte noch ein Trainingslehrgang, aber alles unter den Auflagen von Hygienekonzepten. Auch jetzt muss an jeder Bahn erst mal ein negativer Corona-Test nachgewiesen werden. „Aber wir wollen nicht auf hohem Niveau jammern: Es gibt Leute, die trifft es viel härter.“

Ein erster kleiner Saisonerfolg war Platz zwei bei einem internen deutschen Startwettbewerb hinter dem Bayern Felix Keisinger – danach erhielt Stefan Röttig einen neuen Schlitten, für den er freilich auch erst eine gewisse „Einfahrzeit“ benötigte. Bei der Deutschen Meisterschaft Anfang November in Winterberg dagegen wurde es Platz neun unter 16 Startern. Kommentar: „Der Start war gut, aber mit dem oberen Teil der Bahn bin ich nicht so zurecht gekommen und da fehlt es dann unten an Tempo.“ Und seine Lieblingsbahn? „Altenberg! Da gibt es in den Kurven oft viel Druck, und damit kann ich gut umgehen.“ Aber das muss Stefan Röttig in diesem Winter generell, um die nächste Stufe auf dem sportlichen Flachschlitten-Weg nehmen zu können.

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