Lokalsport Ilm-Kreis Der Ilmenauer Heiko Hackl war Vorspringer bei der nordischen Ski-WM

Warten auf den Einsatz: Heiko Hackl (links) als Vorspringer auf einem Schanzenturm im Schwarzwald und zu einer Zeit, in der man noch nichts über FFP2-Masken wusste, und wozu man sie benutzen muss ... Foto: privat

Zwar musste er seinen Einsatz in Oberstdorf Corona-bedingt um die Hälfte verkürzen – , dennoch war für Skispringer Heiko Hackl sein Einsatz als Vorspringer bei der nordischen Ski-WM ein echtes Highlight.

Ilmenau - An Tagen wie diesen – lässt sich überhaupt nichts zuverlässig planen: Eigentlich hätte Heiko Hackl, der Skispringer und Eishockeyspieler aus Ilmenau, nunmehr seine zweite Woche als Vorspringer bei der nordischen Ski-WM von Oberstdorf absolvieren sollen – an der großen Schattenbergschanze. Aber ein Kollege von ihm wurde am Samstag dort positiv auf das Corona-Virus getestet und er selbst daraufhin als Kontaktperson ersten Grades in Quarantäne geschickt. Vorzeitiges Ende des WM-Einsatzes, und so schaut er sich jetzt die Großschanzen-Springen gezwungenermaßen von der Couch aus an. So was nennt man dann wohl Künstlerpech! „Es war geplant, dass ich für zwei Wochen in Oberstdorf bleibe – so ist es nun nur der Einsatz an der Normalschanze geworden“, resümiert der Weitenjäger, der seit dem Winter 2015/16 als Vorspringer auf deutschen Schanzen unterwegs ist. „Dennoch: Es war meine erste WM, bei der ich Vorspringer sein durfte, und das war auf jeden Fall mal eine Erfahrung wert. Mit den Wettkämpfen unter Corona-Bedingungen kam ja gleich noch eine zweite Besonderheit dazu. Wir wurden nach der Anreise gleich am nächsten Tag getestet, mussten nahezu überall eine FFP2-Maske tragen, auch oben auf dem Schanzenturm, wo wir auf unsere Einsätze warten. Und immer wieder war Hände desinfizieren angesagt.“

Die Vorspringer dieser WM – immerhin 20 an der Zahl, jeweils zehn für die Frauen- bzw. Männerwettkämpfe – waren in einem eigenen Hotel untergebracht und sahen sich meist nur beim Abendbrot. „Etwas danach abends gemeinsam unternehmen ging ja nicht.“ Heiko Hackl gehörte zur „Männergruppe“, die bei jedem Training und jedem Wettkampf der Spezialspringer und Nordischen Kombinierer bereit stehen musste. „Ich denke mal, so knapp 20 Sprünge werde ich in dieser Woche gemacht haben. Der weiteste war so an den 80 Metern dran. Das ist zwar im Grunde genommen egal, aber man hat da ja auch seinen eigenen Anspruch.“ Was das Besondere ist an den beiden WM-Schanzen? „Die Normalschanze hat einen langen Radius; man bekommt keinen Druck und das verleitet dazu, beim Absprung öfter mal zu spät zu sein. Die Großschanze dagegen ist ziemlich zäh. Man muss einiges dafür tun, um die Anlaufgeschwindigkeit in den Flug mitzunehmen, die Drehung in die Flugposition schnell hinbekommen. Da kommen wir als Vorspringer, wenn wir die gleiche Anlauflänge wie die Top-Favoriten haben, kaum mal auf große Weiten.“

Vorspringer müssen ja zudem meist bei komplizierten Bedingungen über die Schanze und brauchen daher auch einiges an Erfahrung. Sie sind daher eine eigenständige Szene aus vielen Ex-Springern, die bei so einem Event wie der WM sogar ihren eigenen Cheftrainer haben; in Oberstdorf war das der Sauerländer Michael Schmidt aus Willingen. Zu den wichtigen Aufgaben gehören das Testen von Windbedingungen, das Testen der richtigen Anlaufhöhe, bei Schneefall immer wieder die Anlaufspur frei fahren ... Aber diesmal sah es diesbezüglich gut aus: „Die Bedingungen waren tipptopp und die Schanze war super hergerichtet. Wir mussten nur ab und zu mal Raureif aus der Anlaufspur raus drücken.“ Für solche Fälle sitzen dann immer zwei Vorspringer oben auf dem Schanzenturm, hinter der Werbebande, im wahrsten Sinne „auf dem Sprung“ bereit, um nach Anforderung durch die Jury nach spätestens 20 Sekunden für den Vor-Sprung bereit zu sein. Und in Oberstdorf gehörte zu diesem Bereit-Machen eben auch, die Maske abzunehmen und sie im Anzug zu verstauen ...

„Es ist schon etwas spezielles, eine solche WM unter Corona-Bedingungen über die Bühne zu bekommen“, meint der 29-Jährige. „Es war beeindruckend, was für einen organisatorischen Aufwand so eine WM erfordert und wie man in Oberstdorf dem gerecht wurde.“

Aber auch der zeitliche Aufwand für einen Vorspringer ist erheblich, und er muss auch den ganzen Einsatz über hellwach sein – da kann es dann schon mal vorkommen, dass der Körper eine Auszeit verlangt, wenn anderswo große Dinge passieren: „Als Karl Geiger Silber gewann, da war ich schon im Hotel und so k. o., dass ich das im wahrsten Sinne verschlafen habe.“ Da hatte das Virus seine Einsatzzeit dort schon vorzeitig beendet, aber: „Bei einer WM dabei zu sein, das ist etwas, woran man sich erinnern kann. Ich habe mir meine Startnummer mitgenommen ...“

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