Lokalsport Ilm-Kreis Der Boom der virtuellen Läufe im Ilm-Kreis

Läuferglück in Rot und Weiß: So sieht es am Samstag noch auf dem Rennsteig aus – zumindest auf dem Hohlweg, der hinauf zum Großen Beerberg führt: Restschnee allenthalben! Bernd Keppler aus Meiningen, der schon 37-mal am Rennsteiglauf teilnahm, lässt sich davon nicht vom Laufen auf dem Kamm des Thüringer Waldes am ursprünglichen Termin abhalten. Immerhin lässt der Streckenbelag seine Schuhe noch kontrastreicher zur Geltung kommen ... Foto: Gerhard König

Der große Sprung auf dem Thermometer verstärkt das Jucken in den Läufer-Beinen. Noch muss man sich mit virtuellen Angeboten begnügen – aber es gibt sie, gerade auch im Ilm-Kreis.

Ilm-Kreis Gäbe es die Corona-Pandemie nicht, wäre am letzten Samstag eigentlich der 48. Rennsteiglauf gewesen. Und zwar einer für die Geschichtsbücher. Denn dass – konkret im Massiv des Großen Beerbergs – die Laufstrecke noch weit gehend mit Altschnee überzogen ist, das wäre etwas ganz Neues selbst für eingefleischte Rennsteigläufer gewesen (Neuschnee, gerade auch in den Nächten zuvor, gab es früher das eine oder andere Mal durchaus). Covid 19 verhinderte nun also auch ein solches Kuriosum, denn bekanntlich wurde der Rennsteiglauf pandemiebedingt auf den 2. bzw. 3. Oktober verschoben. Und die Organisatoren dürften im Nachhinein nicht böse darüber gewesen sein. Denn wenn man sich vorstellt, wie die riesigen Läuferpulks sowohl des Halb- als auch des Supermarathons diese (mit der Zeit immer stärker zertretenen) Altschnee-Pisten passiert hätten ...

So aber bietet der GutsMuths-Rennsteiglaufverein als schneefreie Alternative zum zweiten Mal die Aktion „Rennsteigläufer@home“ an. Bis Ende Mai sollen wieder, wie schon im vergangenen Jahr, Strecken nach eigenem Wunsch (jedoch nicht auf dem Rennsteig selbst!) gelaufen, dokumentiert und die Ergebnisse eingesandt werden.

Schon wenige Tage nach dem Start der Aktion am 1. Mai konnten die Organisatoren eine hohe Resonanz vermelden. Gedacht als Trainingsauftakt für den verlegten „reellen“ Rennsteiglauf hatten die Meldungen bereits die 500er-Marke überschritten. Neben Läufern können auch Wanderer und Nordic Walker teilnehmen. Anmeldung und Teilnahme sind noch bis zum 31. Mai unter www.rennsteiglauf.de möglich.

Solche virtuellen „Monatsläufe“ sind ja derzeit echt trendy, und sie werden auch erstaunlich gut angenommen. Die Organisatoren des 43. Lange-Bahn-Lauf von Suhl etwa verkünden zur Auswertung auf ihrer Internet-Seite: „Die 43. Auflage unseres Lange-Bahn-Laufes erlebte im April einen wahren Ansturm an Läuferinnen und Läufern ... Überrascht von den am Ende mehr als 560 Anmeldungen waren Gesamtleiter Steffen Meyer und seine Mitstreiter. ,Über 480 Ergebniseinträge hatten wir seit über 30 Jahren nicht mehr’, meinte der Hauptverantwortliche zufrieden ... Das durchdachte Konzept und das abwechslungsreiche Streckenangebot bewog zusätzlich auch den einen oder anderen Lange-Bahn-Lauf-Neuling, erstmals teilzunehmen.“

Genau, und einer dieser Neulinge war sogar sehr erfolgreich: Dennis Zelle (M 30) vom Dream Team Ilmenau lief im Marathon, bei dem die 21,1-km-Runde zweimal zu bewältigen war, eine Zeit von 3:23:01 Stunden. Er war damit als Sechster bester „Auswärtiger“, denn vor ihm platzierten sich nur Mitglieder des Rennsteiglaufvereins und des Ausrichters. „Bisher lag mir der Termin für den Lange-Bahn-Lauf immer zu nah am Rennsteiglauf dran, aber das ist ja diesmal anders“, erklärte Dennis Zelle diese Premiere. „Ich kannte die Strecke nicht vom Ansehen, sondern nur von den Karten, und habe mich überraschen lassen. Ich fand es sehr anspruchsvoll. Dieses ständig wechselnde Höhenprofil führt dazu, dass sich diese Schleife schwieriger laufen lässt als etwa der Rennsteiglauf-Halbmarathon, der übrigens auch landschaftlich spannender ist.“

Die große Frage ist ja: Inwieweit wirkt sich das Solo-Laufen bei solch einer virtuellen Variante auf die Zeit aus? „Na ja, so rund fünf und bis zu zehn Minuten verliert man schon, wenn man allein läuft“, meint Dennis Zelle. „Gerade in der zweiten Runde, wenn es dann ab Kilometer 35, 36 richtig weh tut und man auf sich allein gestellt ist. Im Pulk geht das einfacher, auch wenn man da aufpassen muss, nicht zu überdrehen. Aber generell ist es schwierig, allein ans Maximum zu kommen.“

Der Mann vom Dream Team Ilmenau (das übrigens am Wochenende auf der – fast völlig schneefreien – Ost-Hälfte des Rennsteigs von Neuhaus nach Schmiedefeld unterwegs war und einen Marathon-Spitzenwert von 3:53 Stunden erreichte) bereitet sich nun gezielt auf die Herbst-Höhepunkte vor; bei ihm sind das der Berlin-Marathon und der (verlegte) Rennsteiglauf. „Es sind nur sechs Tage dazwischen – aber mal sehen, ob beide wirklich stattfinden können. Beim Rennsteiglauf sehe ich die Chancen dafür deutlich größer. Jetzt ist Mai, und der ist noch lang und die Beine sind noch frisch ...“

Weshalb wir eine Empfehlung hätten für alle, die Geschmack am virtuellen Laufen gefunden haben: Kurzfristig und offensichtlich vom Erfolg des Lange-Bahn-Laufs angeregt hat nun auch das Org.-Team des Arnstädter Alteburglaufs doch noch eine virtuelle Variante aufgelegt, zusätzlich zum auf den 21. September verlegten „reellen“ Lauf. Bis 30. Mai können virtuelle Alteburg-Läufe über 3 bzw. 9 km absolviert werden.

„Die Teilnahme ist kostenlos, die SG Motor Arnstadt würde sich dennoch über eine kleine Spende freuen“, schreiben die Organisatoren. „Jeder läuft, in Abhängigkeit der geltenden Pandemie-Regeln, allein oder mit nötigem Abstand. Danach lädt man die gelaufene Zeit über ein Webformular (larasch.de | Virtueller Alteburglauf 2021) hoch und trägt als Beleg einen Link zu seiner Aktivität ein. So entsteht eine Ergebnisliste. Es ist auch möglich, innerhalb des ausgeschriebenen Zeitraums die gelaufene Zeit zu verbessern. Für jede der zwei Strecken gibt es zwei Optionen: Entweder 3 oder 9 km auf einer beliebigen Strecke oder auf den auf der Alteburg ausgeschilderten Waldlaufstrecken.“

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