Lokalsport Ilm-Kreis Aus Sorge um den Schwimmunterricht

Aus (leider!) längst vergangenen Tagen: Schwimm-Wettkämpfe für den Nachwuchs im Sportbad Arnstadt. Foto: Berit Richter

Der SV Arnstadt 02 will sein Trainingsprogramm umstrukturieren und sich besonders beim Corona-bedingt in Rückstand geratenen Schwimmunterricht engagieren.

Arnstadt - „Unsere Kinder waren seit über einem Jahr kaum im Wasser“, schildert Michael Zentgraf, Vorsitzender des Schwinnvereins Arnstadt 02, die aktuell ernste Lage seines Sports. Während die Masters im letzten Sommer in den Freibädern von Geraberg und Plaue trainieren konnten, saß der Schwimmnachwuchs weit gehend auf dem Trockenen. „Es fehlt den Kindern sehr. Wenn man sie in der Stadt trifft, fragen sie, wann geht es endlich wieder los“, weiß Michael Zentgraf. Im Moment kann er den Nachwuchs aber nur vertrösten. Arnstadts Schwimmbad ist ebenso wie die Ilmenauer Halle geschlossen. Wiederöffnungstermin ungewiss.

Beim SV 02 will man aber vorbereitet sein auf die Zeit nach Corona und hat sich viele Gedanken gemacht, wie man künftig das Training gestalten will. „Wir wollen weg von Altersklassen-Gruppen und hin zu Kursen nach Können“, erklärt Zentgraf. Soll heißen, künftig alle Schwimmanfänger unabhängig vom Alter in eine Trainingsgruppe, die schon Erfahreneren in eine andere und jene, die für Wettkämpfe und die Delegation zur Sportschule trainieren, bilden eine dritte Trainingsgruppe.

„Wir könnten uns vorstellen, dass man auch eine zunächst auf ein Jahr begrenzte Vereinsmitgliedschaft anbietet, damit die Kinder in diesem Jahr erst mal Schwimmen lernen können“, so Michael Zentgraf. Während dieses Jahrs könnten die Kinder die ersten zwei Schwimmstile lernen. Haben sie Lust, weiter dabei zu bleiben, folgen dann die anderen beiden und irgendwann ja vielleicht auch Wettkämpfe und Erfolg.

Michael Zentgraf weiß genau: Die Corona-bedingten Badschließungen bringen ein großes Problem mit sich: Mittlerweile hat schon der zweite Grundschuljahrgang keinen Schwimmunterricht mehr. Auch die Schwimmkurse der Vereine und der Bäder selbst fallen reihenweise aus. Etwas, was man im Schwimmverband ebenso mit großer Sorge sieht wie bei der Wasserwacht oder den Badbetreibern.

Der Thüringer Verband möchte deshalb im Sommer etwas wiederbeleben, was sich einst in der DDR bewährte: Schwimmlager. Angedacht ist, in der ersten Sommerferienwoche in möglichst vielen Freibädern Schwimmkurse anzubieten, in denen Kinder das Seepferdchen oder das Schwimmabzeichen ablegen können. „Man schafft es in einer Woche intensiven Übens, dass die Kinder lernen, sich gut über Wasser zu halten“, ist Michael Zentgraf überzeugt und verspricht: „Wir als einziger reiner Schwimmverein im Ilm-Kreis sehen uns da in der Pflicht, mitzumachen.“

Aktuell laufen die Gespräche mit den verschiedenen Freibad-Verantwortlichen darüber, was möglich ist. „Wir werden mit Personal unterstützen, denn allein würden die Bäder das nicht schaffen“, sagt Zentgraf und hofft, „dass die Freibäder bald öffnen dürfen. Wir müssen so schnell wie möglich so viele Kinder wie möglich ins Wasser und zum Schwimmen bekommen. Sonst haben wir ein großes Problem.“ Im kommenden Winter in der Halle allein sei das Versäumte kaum aufzuholen, vorausgesetzt die Schwimmhallen wären dann überhaupt auf.

Als Partner für diese Schwimmlager hat sich der Thüringer Schwimmverband den Förderverein des Thüringer Schwimmsports, die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft, die Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes, den Landessportbund und das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport mit ins Boot geholt. Ziel soll es sein, über 2100 Schwimmzeugnisse zu überreichen.

Doch nicht nur für den Nachwuchs möchte sich der SV 02 neu aufstellen, auch bei den Erwachsenen und Senioren werden neue Mitglieder gesucht und Angebote unterbreitet – die etwa in Richtung Gesundheit und Reha gehen, wie zum Beispiel Wassergymnastik.

Skeptischer in die Zukunft blickt der SV 02-Vorstand in Sachen Wettkämpfe. „Die Stadtmeisterschaften mussten wir schon absagen“, so Michael Zentgraf. Wenn möglich soll es im Herbst den Kinder- und auch den Masters-Wettkampf geben. „Vor allem für die Kinder würden wir gern was anbieten, denn die warten drauf“, weiß Zentgraf. Dankbar ist er, dass trotz des sehr eingeschränkten Vereinslebens die meisten Mitglieder die Treue halten. „Wir hatten vielleicht acht bis zehn Austritte“, sagt er. Er hoffe, dass dies so bleibt, ebenso die gute Zusammenarbeit mit den Bademeistern in den Frei- und Hallenbädern – hoffentlich demnächst wieder in der Praxis und nicht nur in der Theorie!

 

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