Schleusingen/Suhl - In einer Woche sollte die 32. Auflage des Bergseetriathlons starten, doch das ist, wenn es nach dem Landratsamt Hildburghausen geht, seit Donnerstagabend Geschichte. Nichtsdestotrotz erhalten die Organisatoren in den sozialen Netzwerken einmal mehr viel Zuspruch für ihren "Kampf". Zuspruch, der in Sebastian Diez vom ausrichtenden Triathlon Club Suhl erneut den Kampfgeist geweckt hat. Seit Freitag gibt es wieder einen Strohhalm der Hoffnung, an den man sich klammert. Und noch hat der Ausrichter seinen Wettkampf selbst noch gar nicht abgesagt. Lediglich das Landratsamt Hildburghausen hat den Bergsee-Triathlon untersagt. Eine Entscheidung, für die Sebastian Diez nach wie vor großes Unverständnis zeigt.
"Reinste Achterbahn der Gefühle"
"Ich kann darüber nur noch mit dem Kopf schütteln. Es konnten uns nicht mal mehr nachvollziehbare Gründe genannt werden, weshalb der Wettkampf nicht ausgetragen werden kann", sagt Diez, der gemeinsam mit seinen Mitstreitern das Hygieneschutzkonzept, welches unter anderem einen Start in mehreren Blöcken und zusätzliches Security-Personal vorsieht, mehrfach überarbeitet und angepasst hat. Die vergangenen Wochen bezeichnet er als "reinste Achterbahn der Gefühle".
Zu Beginn der Woche ereilte den Ausrichter, nach kurzzeitigem Lichtblick, erneut eine Hiobsbotschaft. So ist Camping im Naherholungsgebiet am Bergsee Ratscher mit sofortiger Wirkung untersagt - ausgenommen sind Saisoncamper sowie Dauercamper. Der Bescheid des Gesundheitsamtes richtete sich an die Geschäftsführer des Erholungsgebietes Bergsee Ratscher GmbH, Frank Fischer und Thomas Hahn, welcher auf den 25. August datiert ist.
Begründet ist der Bescheid mit der Anordnung von Schutzmaßnahmen laut Paragraf 28, Absatz 1, des Infektionsschutzgesetzes, auf dessen Grundlage eine Behörde Ansammlungen von Menschen verbieten und Badeanstalten schließen darf, wenn die Verbreitung übertragbarer Krankheiten somit verhindert werden kann.
Sebastian Diez kann diese Maßnahme nicht nachvollziehen. So stehe mit der Nutzung der Campingfläche eine größere Fläche für die Veranstaltung zur Verfügung. Zudem nutzte der eine oder andere Triathlon-Teilnehmer den Campingplatz in der Vergangenheit als Übernachtungsmöglichkeit. "Ich habe den Eindruck, dass man hier versucht hat, die Betreiber des Bergsees und die Ausrichter dieser Sportveranstaltung gegenseitig auszuspielen. Am Ende wollte man wohl, dass uns die Betreiber absagen", vermutet er.
Eine solche Absage hatte der Suhler Triathlon Club allerdings nicht zu befürchten. Stattdessen hat der Anwalt der Betreiber am Donnerstag Widerspruch eingelegt. Auch Sebastian Diez hat nicht vor, klein bei zu geben. Dabei stand er schon um ein Haar vor der Kapitulation. Der Triathlon aus Paragrafen studieren, nach immer neuen Lösungen suchen und etlichen Diskussionen führen schien beendet.
Der Grund: Der für den 5. und 6. September geplante 32. Bergsee-Triathlon wurde ihm in einem Bescheid - mit Verweis auf Paragraf 28, Absatz 1, des Infektionsschutzgesetzes- untersagt. Kommt er dieser Aufforderung nicht nach, droht ihm ein Zwangsgeld in Höhe von 10 000 Euro. Die Kosten für den Bescheid - 75 Euro - trägt er allein.
In den sozialen Netzwerken wurde der Ton melancholisch. "Danke den Veranstaltern für ihren Einsatz und dass sie bis zum Schluss gekämpft haben. Ihr seid Helden", lautet einer von vielen Kommentaren. Doch seit Freitag wird der Bescheid des Landratsamtes Hildburghausen im Hinblick auf die neue Corona-Verordnung juristisch geprüft. Diez klingt wieder etwas zuversichtlicher als noch an jenem grauen Spätsommerabend.
"Hoffe, dass sich die ganze Arbeit für euch auszahlt. Hart mit anzusehen, wir stark ihr kämpft und andere Veranstaltungen quasi durchgewunken werden", lautet ein weiterer Kommentar auf der Seite des Triathlons. Eine Hoffnung, die sich in Luft aufgelöst hatte. Der 32. Bergsee-Triathlon schien Geschichte, ohne dass er überhaupt stattgefunden hat. Doch nun keimt sie wieder auf.
"Wir freuen uns", "Danke, danke, danke" und "Dann wünsche ich gutes Gelingen und viel Spaß", heißt es dagegen unter einem Beitrag auf der Facebook-Seite des Knappenman in Hoyerswerda, welcher den Titel "Letzte Informationen" trägt. Hier kann die 32. Auflage nämlich stattfinden. Für Lokalmatador Henry Beck, der am Samstag über die Olympische Distanz an den Start geht, ist es nach fast zwei Jahren infolge einer langen Verletzungs- und der Coronazwangspause der erste Triathlon (ohne Staffel). Am kommenden Wochenende sollte am Ratscher schließlich der Zweite folgen.
Beck: Hauptsache Fußball
Über die Absage seitens der Behörden ist der gebürtige Rappelsdorfer wie er selbst sagt "stinksauer", hat laut eigener Aussage sogar schon mit diversen "Stellen" telefoniert. Die Absage kann und will auch er nicht wahrhaben. "Es gibt einfach keinen Grund, der diese Absage auch nur ansatzweise rechtfertigt. Ich habe das Konzept selbst gesehen. Da ist niet- und nagelfest. Die Infektionszahlen im Landkreis sind so gering. Es kann doch nicht sein, dass in anderen Kreisen Laufveranstaltungen und Triathlons wieder stattfinden, hier aber nicht. Hauptsache aber Fußballspiele finden auch wieder im Landkreis Hildburghausen statt. Aber ein Triathlon, wo es sich um keine Kontaktsportart handelt, wird abgesagt. Ich würde hier jetzt gern einen Begriff nennen, aber dafür würde ich in unserer Demokratie in Teufels Küche kommen. Deshalb lass ich es und sage: Das ist reine Willkür."