Lockdown-Karneval Viernauer Impfplan: „Neigesprotzt is hordich!“

Richter und Staatsanwalt (Dustin König/Patrick Rottleb) überreichen Zepter und Schlüssel an das Tri-Gestirn: Christopher der I. vom Beyershof, Foto: privat

„Asia-Kost vom Kohlegrill legt die ganze Menschheit still“, stellen die Viernauer Narren nüchtern fest. Karneval und Schabernack lassen sie sich deswegen aber nicht vermiesen.

Viernau - „Was macht der Karnevalist, wenn kein Karneval ist?“, mit dieser Einleitung hat Elferratspräsident Thomas Otto schon das eine oder andere Video eröffnet, die die treue Anhängerschaft auf der Facebook-Seite des Vereins verfolgen kann. Mal driftet das Vorabendprogramm ins Krimi-Genre, mal wird es zur Arztserie für Erwachsene.

Dr. Kleist heißt nämlich in Viernau Dr. H. Oden-Holger und während Politik und Gesundheitsexperten seit Monaten darüber streiten, was zu tun sei, zaubert der Elferratsersthelfer mal eben ein Impfkonzept aus der Narrenkappe und damit dem närrischen Volk ein breites Grinsen aufs Gesicht: „Neigesprotzt is hordich!“ – reingespritzt is schnell. So lautet das virologisch frivole Gagen-Motto des diesjährigen Lockdown-Karnevals, das per Online-Abstimmung gewählt wurde. Denn nehmen lassen sie sich die fünfte Jahreszeit nicht. „Hat dein Friseur Corona oder ist er anderweitig krank – dann nimm die Narrenkappe aus dem Schrank, zitiert Thomas Otto eine uralte Weisheit.

Auch ein kurzes Grußwort an die Jüchsener Jecken gehört dazu. Der Umzug der Freunde aus dem Grabfeld steht normalerweise fest im Kalender der Viernauer. Diesmal stehen sie ihnen zumindest im Geiste bei, auch wenn er dringend von einer Nachahmung im Haseltal abrate.

Zepter und Rathausschlüssel gehören aber dieser Tage in Narrenhände und weil es pandemiebedingt keine friedliche Übergabe geben kann, entschieden sich Richter und Staatsanwalt für die kontaktlose Variante. Über ein Klofenster verschafften sie sich Zutritt ins Steinbacher Rathaus. Selbst Bürger, die im Lockdown dort vor verschlossener Tür ohne Klingel standen, sollen das schon in Erwägung gezogen haben.

Nach einem guten Tröpfchen neben der Schüssel knackten sie den Tresor im Büro von Markus Böttcher, stahlen die Reliquien und ließen dem Stadtchef, der ebenfalls in einer Nebenrolle zu sehen ist, einen Aufnahmeantrag auf dem Schreibtisch liegen. Eine Zeremonie samt Übergabe an das Viernauer Tri-Gestirn folgte, verbunden mit einem Aufruf: „Wir appellieren an euch, bleibt vernünftig und feiert Karneval daheim. Wir hoffen, wir sehen uns nächstes Jahr gesund wieder.“ wlm

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