Literaturkalender Kunst in 27 Formen

Der Südthüringer Literaturverein und der Fotoclub Suhl legen die siebte Ausgabe ihres Kalenders vor: eine vielfältige Sammlung von Texten und Bildern der Region.

Das hier ist nur eine der Illustrationen aus dem Kalender 2026. Foto: Südthüringer Literaturverein

Manchmal braucht es nur einen Blick, um zu verstehen, wie vielfältig Fantasie sein kann. Ein Kind, das einem Gartenzwerg Märchen erzählt, eine schrill geschminkte Katze und zwei wache Augen, die aus der Dunkelheit schauen – all das und mehr hat in einem einzigen Kalender Platz gefunden. Die scheinbar chaotische Sammlung aus Bildern, Gedichten und Texten ergibt am Ende doch wieder eine eigene Ordnung.

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Im September ist die neue Auflage des Südthüringer Literaturkalenders „Thüringer Ansichten 2026“ erschienen. Aus dem Landkreis Sonneberg stammen fünf Texte und ein Bild – Susanne Prechts „Frühling“ – die in dieses vielschichtige und kontrastreiche Kalenderprojekt eingeflossen sind. Mit insgesamt 27 Textbeiträgen und passenden Bildern erscheint der Kalender inzwischen zum siebten Mal seit 1998 und soll, wenn alles gut läuft, auch künftig Fortsetzungen erfahren.

Landkreisübergreifende Kooperation

Herausgegeben wird der Kalender vom Südthüringer Literaturverein und dem Fotoclub Suhl. Die Redaktion liegt bei Ulrike Blechschmidt, Heidi Büttner und Holger Uske. Die Textauswahl entstand aus einer öffentlichen Ausschreibung im Frühjahr über das Freie Wort, das Flechtwerk Almerswind und den Schriftstellerverband Thüringen. Rund 50 Einsendungen erreichten den Verein – aus ganz Thüringen und von Autoren mit persönlichem Bezug zur Region. Der Fotoclub setzte die ausgewählten Texte anschließend mit Bildern, Zeichnungen, Fotografien, Aquarellen und künstlerischen Objekten in Szene.

Roswitha Hoffmann und Margit Schiffner vom Arbeitskreis Mundart bereichern die Sammlung seit Beginn der Aktion mit heimatnahen, humorvollen Beiträgen. Von „Schwarza Beern“ bis hin zum Thema Aneinander-Festhalten von der Jugend bis ins Alter spiegeln ihre Texte das Leben in der Region wider. Eine besondere Tiefe bietet Erik Blume Benndorf, Sänger von „Halbe Farben“, dessen Beitrag „Gesten von Gestern“ mehrfaches Lesen erfordert, da er bei jedem Durchgang neue Facetten offenbart. Ebenso persönlich ist Denise Fischers Geschichte ihrer Uroma, die eindrücklich zeigt, wie sehr sich das Leben auf dem Land in 100 Jahren gewandelt hat. Der Jahresreigen 2026 beginnt mit der philosophischen Zeile „Das Leben ist ein Traum“ und endet mit dem Wunsch nach „Sehnsucht“ – ein Aufruf, diese für ein gutes Leben und positive Ansichten für Thüringen zu bewahren. „Darum geht es nämlich auch“, so Büttner. Die Leute sollen Texte und Bilder zum Nachdenken haben. Das können traurige, lustige oder absurde Texte sein. Dem sei da keine Grenze gesetzt.

Eindrücke der Künstler

Die Schreibenden selbst teilen ihre Begeisterung für das Projekt: Roswitha Hoffmann aus Judenbach nennt ihn einen „wunderbaren Kalender“, dessen Bilder und Texte überzeugen. Margit Schiffner aus Sonneberg sieht ihn als „Buch an der Wand“, das „das ganze Jahr was davon“ bietet und ihre Freude an der wiederkehrenden Teilnahme bekräftigt. Denise Fischer aus Schalkau erfuhr über das Flechtwerk Almerswind von der Ausschreibung. Sie fand die Erlebnisse ihrer Uroma, die trotz aller Widrigkeiten immer ein fröhlicher Mensch blieb und im März 2024 stolze 102 Jahre alt wurde, so spannend, dass sie Ausschnitte davon in die Kalendergeschichte einfließen ließ. Erik Blume-Benndorf aus Schalkau unterstreicht, dass die Bilder in diesem „äußerst gelungenen“ Kalender helfen, Texte zu transportieren, so wie es sonst die Musik bei seinen Liedern tut.

Ein langwieriges Projekt

Die Aktion wurde bereits 1998 ins Leben gerufen, wobei der Kalender seither sechsmal erschienen ist, zuletzt 2024. Die Pausen erklären sich laut Büttner damit, dass ein Kalender nur dann produziert wird, „wenn die Menge und Art der Texte passt“. Alle zwei Jahre wäre aber genügend Material zusammen. Auch wolle man nicht pädagogisch mit den Texten sein. Der Leser soll sich selbst ein Bild machen. Das Ergebnis sei jedoch stets beeindruckend, so hat sie sich sagen lassen: „Den Schönsten, den ihr bisher gemacht habt“. Die rund 50 diesjährigen Zuschriften von Künstlern und Laien werden sorgfältig gesichtet. Auch wenn Texte zunächst nicht passen, werden sie aufgehoben, da sie bei späterer Durchsicht oft überraschend gut zur Geltung kommen.

Damit ist das Projekt aber noch nicht abgeschloossen: Eine Veranstaltung zur Bewerbung des Kalenders ist am 19. Dezember im Flechtwerk Almerswind in Sonneberg geplant, bei der auch „Gustav und Freunde“ aus Mengersgereuth sowie der Kabarettist Ulf Annel aus Erfurt erwartet werden. Aktuell liegt die Auflage bei 500 Exemplaren, die in der Sonneberger Buchhandlung am Piko-Platz und beim Naturkostladen in der Köppelsdorfer Straße erhältlich sind.