Linken-Bundestagskandidatur „Wir wollen an den Drittporschefahrer ran“

Sandro Witt, Bundestagskandidat der Linken Foto: Michael Reichel/dpa-Zentralbild/dpa/dpa

Nun ist es offiziell: Die Linken schicken im Wahlkreis 196 einen Gewerkschafter ins Rennen um das Bundestagsmandat. Der will sich vor allem für die Umverteilung von Reichtum stark machen – und setzt auf Konfrontation zum CDU-Kandidaten.

Suhl – Die Linken in Südthüringen treten zur Bundestagswahl mit dem Gewerkschafter Sandro Witt an. Der 39-Jährige wurde auf einer Nominierungsversammlung der Partei im Bundestagswahlkreis 196 am Samstag in Suhl einstimmig zum Direktkandidat gewählt. Alle der anwesenden 32 Delegierten stimmten für seine Nominierung.

Er wolle sich auf Bundesebene unter anderem für die Einführung einer Vermögenssteuer einsetzen, sagte Witt kurz vor seiner Wahl. Wer eine Millionen Euro oder mehr auf seinem Konto habe, müsse viel stärker zur Finanzierung des Gemeinwesens herangezogen werden. „In Südthüringen gibt’s da keinen, der vor uns Angst haben muss“, sagte Witt. „Wir wollen an den Drittporschefahrer ran.“

Im Wahlkreis 196 tritt für die CDU der ehemalige Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, an. Die SPD schickt dort den ehemaligen Biathleten und Biathlon-Bundestrainer Frank Ullrich ins Rennen. Zum Wahlkreis gehören neben der kreisfreien Stadt Suhl auch die Landkreise Schmalkalden-Meiningen, Hildburghausen und Sonneberg.

Witt ist 1981 in Pirna geboren worden und als Kind nach Suhl gekommen. Er wuchs zeitweise in einem Kinderheim auf und ist seit 20 Jahren Mitglied der Linken beziehungsweise der PDS. Der gelernte Bürokaufmann engagierte sich früh bei den Gewerkschaften und ist seit 2014 stellvertretender Vorsitzender des Deutschen-Gewerkschaftsbundes im Bezirk Hessen-Thüringen. Unter anderem dieses Amt will er ab dem 1. Juli ruhen lassen, um im Wahlkampf in keine Interessenkonflikte zu kommen.

Obwohl es während der Nominierungsversammlung auch andere Forderungen gab, schloss Witt aus, seine Kandidatur für den Bundestag über einen Platz auf der Thüringer Landesliste für die Bundestagswahl absichern zu lassen. „Ich gehe nicht auf die Landesliste“, sagt er. Es gebe nun darum, den Wahlkreis direkt zu gewinnen.

Der Schatzmeister der Thüringer Linken, Holger Hänsgen, sagte auf der Nominierungsversammlung, er gehe davon aus, dass die Linken eine realistische Chance hätten, den Wahlkreis mit Witt zu gewinnen. Menschen, die überlegten, Maaßen zu wählen, würden ohnehin niemals die Linken wählen. Witt sei das richtige Angebote an all jene, die eine Alternative zu Maaßen suchten. Ullrich sei zwar ein bekannter Sportler, habe aber politisch kein Profil.

Mit Blick auf Maaßen machte Witt klar, dass er sich von ihm und dessen politischen Inhalten maximal abgrenzen werde. „Der hat Angst, der hat Angst, das ist so unfassbar, wenn man das zwischen den Zeilen liest“, sagte Witt über Maaßen und dessen jüngste Interviews unter anderem in rechtsorientierten Medien. Maaßen habe Angst vor Veränderung. Ganz anders als er und seine Partei, sagte Witt. „Wir haben keine Angst vor Veränderung.“

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