Liedernachmittag Im ersten warmen Sonnenschein

Wolfgang Swietek

Zu einem Liedernachmittag mit Werken zeitgenössischer Thüringer Komponisten hatte der Komponistenverband Thüringen in die Christuskirche eingeladen.

Die Musiker nahmen dankbar den Schlussapplaus entgegen (von links): Karin Weinberg (Sprecherin), Thomas Voigt (Klavier) und Roland Hartmann (Gesang). Foto: Wolfgang Swietek

Hildburghausen - Um es vorweg zu sagen – dieses Liederkonzert hätte ein paar mehr Zuhörer verdient gehabt. Wo sonst ist zu erleben, was zeitgenössische Komponisten von Thüringen derzeit in Noten gesetzt haben, zumal mehrere von ihnen persönlich in die Christuskirche zu diesem Konzert gekommen sind. Doch für die Werbung für dieses Konzert zeichnete allein der Komponistenverband Thüringen als Gastgeber verantwortlich, das Gotteshaus in der Kreisstadt war lediglich der Veranstaltungsort.

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Vierzehn Komponisten aus Thüringen waren mit je einem ihrer Lieder in dem eindrucksvollen Konzert vertreten. Deren Namen sicher nicht in aller Munde sind, wirken sie doch eher im Verborgenen, als Lehrkräfte, Dozenten oder Professoren an unseren Musikhochschulen. Veranstalter und Interpreten anderer Konzerte greifen da meist auf die gängigen, bekannten Lieder prominenter Komponisten aus der Vergangenheit zurück. Sehr zu Unrecht, wie dieser Liedernachmittag zeigte, sind die vorgetragenen Werke doch mehr als nur hörenswert.

Was zu einem beträchtlichen Teil auch dem Vortrag durch Roland Hartmann geschuldet ist, der sich durch sein mehrfaches Mitwirken in Aufführungen des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach an gleicher Stelle in Hildburghausen längst großer Beliebtheit erfreut. An der Musikhochschule in Weimar hatte er studiert und danach an den Theatern in Rudolstadt, Eisenach und Meiningen große und unterschiedliche Partien übernommen. Im Jahr 2011 wurde ihm für seine werkgetreue Interpretation der Titel Kammersänger verliehen.

Mit dem „Liebeslied“ von Johann Cilensek (1913 – 1998) eröffnete Roland Hartmann das Programm, einem Komponisten, der in Leipzig Kammermusik und Orgel studiert hatte, danach meist mit Kammermusiken, weniger mit Liedern seinen Ruf erworben hatte. Mit „Im ersten warmen Sonnenschein“ aus der Feder von Kathrin Gerth (1966) aus Gotha setzte der Sänger das Programm fort, brachte damit den Sonnenschein in die Christuskirche, obwohl es draußen eher nach Regen aussah.

Einen unmittelbaren lokalen Bezug gab es zu dem in Fehrenbach geborenen Komponisten Joachim Beez (1936), der sich für sein Lied „Ermutigung“ einen Text von Heinz Kahlau ausgesucht hat. Die Spannbreite von Joachim Beez ist sehr weit gefächert, sie reicht von Kammermusik bis zur Blasmusik, wie die Sprecherin des Konzertes Karin Weinberg informierte. Unterschiedlich danach die Lieder von Reinhard Doberenz (1943), Jürgen Kupfer (1945), Siegfried Müller (1926 – 2016), Hubert Hoche (1966), Felix-M. Werner (1964) und Baldur Böhme (1932 – 2008), von romantisch bis aufrüttelnd, hatten sie sich doch unter anderem von Texten von Wolfgang Borchert, Pablo Neruda oder Hermann Hesse inspirieren lassen.

Endlich konnte Thomas Voigt, der Pianist des Konzertes, auch einmal den Flügel verlassen, an dem er Roland Hartmann begleitete, und vom Publikum den verdienten Applaus entgegennehmen, denn nun hatte der Sänger ein Lied aus seiner eigenen Feder zum Vortrag gebracht. Weiter ging es mit „Komm Geliebte, komm zu mir“, einem Lied von Günter Schimm (1943), bei dem der Komponist Mozart nicht kopierte, sondern ihn frei nachempfand. Jens-Uwe Günther (1943) mit „Stallknecht und Viehmagd“, der lange am Meininger Theater tätige Rudolf Hild (1961) mit „Obermaßfeld“ und Wolf-Günter Leidel (1949) mit „Der Esel“ nach einem Text von Matthias Claudius waren zum Abschluss des Konzertes zu hören.

Eintritt für das Konzert wurde nicht erhoben, doch um eine Spende gebeten, die zum Teil für die Sanierung des Turmes der Kirche verwendet werden soll, wie Kirchenmusikdirektor Torsten Sterzik informierte. Deshalb wolle er, nachdem er die Scheinwerfer in der Christuskirche gelöscht hatte, die „Scheinwerfer“ lieber am Ausgang am Spendenteller sehen.