Lesung in Viernau Ludowingerblut und Thüringer Wald

Thomas Heigl

Thomas Lünser ist der nächste Thüringen-Krimi aus der Feder geflossen. Jetzt hat der Autor mit einer Ader fürs Geschichtliche „Ludowingerblut“ in seinem Heimatort Viernau vorgestellt.

Thomas Lünser bei der Lesung in Viernau. Foto: /Michael Bauroth

Buchlesungen dauern eine oder eineinhalb Stunden. In Viernau, wo es nicht so viele Kulturveranstaltungen gibt, etwas länger. Jedenfalls wenn Thomas Lünser liest, der unter dem Aliasnamen Thomas L. Viernau schreibt. Der Wahl-Brandenburger, der seinen Geburtsort schon vor vier Jahrzehnten verlassen hat, beantwortet nicht nur Fragen seines treuen Stammpublikums, sondern erklärt auch viele Details zur Entstehungsgeschichte. Wie bei „Ludowingerblut“, bei dem es kreuz und quer durch Thüringen geht, von Kloster Veßra über Schmalkalden bis Steinbach-Hallenberg, von Eisenach über Saalfeld-Rudolstadt bis Weimar. Lünser setzt seine alte Heimat in Szene. Mehr als 30 Frauen und Männer genossen in der rappelvollen Heimatstube einen vergnüglichen literarischen Abend.

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Wer die Vorgängerkrimis, vor allem „Todesluft“, gelesen hat, ist ein bisschen im Vorteil; ein Muss ist das aber nicht. Einige Akteure aus früheren Publikationen sind wieder mit dabei. Der brandenburgische Kommissar Theo Linthdorf, der in seinem sechsten Fall ermittelt, sowie die Restauratorin Milena Dragovic aus Weimar.

Die Namen sind natürlich frei erfunden. Dass es Parallelen zu einigen lebenden Personen gibt, die Ähnliches schon erlebt haben, ist natürlich nur Zufall. Das gilt auch für die Journalistin Annette Sprocknagel vom Rennsteig-Kurier mit ihrem Spürnäschen und ihren Kollegen Tom Hainkel. Die Redaktion wird somit vom Zeitungsleser Lünser ganz nebenbei mit geadelt.

Gleich auf den ersten Seiten des Werkes findet sich ein Personenverzeichnis, auch mit vielen historischen Prominenten, von deren Erdentagen ein Leuchten ausgeht, das teils noch heute strahlt.

Massenmord gibt es bei „Ludowingerblut“ nicht, die Zahl der Leichen ist überschaubar. Da ist der schrullige Kauz, der sich im Museum von Kloster Veßra herumtreibt, niemanden zu sprechen begehrt und dann tot aufgefunden wird. Und dann der Typ, der im Umfeld der Steinbach-Hallenberger Hallenburg sein Leben verloren hat.

Doch Lünser wäre nicht Lünser, wenn er nicht die Thüringer Geschichte mit ihren Landgrafen und Fürstentümern, Burgen und Schlössern mit eingebunden hätte. Der Brückenschlag reicht bis zum Herrschergeschlecht der Ludowinger. Wer gedanklich und inhaltlich mitkommen will, muss dem Autor bis ins Hochmittelalter folgen. Zu den Hermanns, Ottos und Ludwigs, oder zu Jutta von Thüringen, der Powerfrau.

An die Digitalisierung hatten die Thüringer Ahnen leider nicht gedacht und auch der Buchdruck lag noch in weiter Ferne, nur wenige Menschen konnten die Pergamentrollen beschriften: So sind die Informationen über diese Epoche, auch im Netz, spärlich. Der Autor hat, wie er selbst sagt, lange verschiedene Quellen gesichtet und so Details zusammengetragen. „Da lagen dann viele Zettel herum.“

Als wäre das alles nicht genug, hat der Geschichtsfreak auch das frühe 19. Jahrhundert mit eingebaut, mit Goethe und dem Großherzogtum Weimar. Er pendelt also nicht nur zwischen vielen Orten, sondern zwischen drei Zeitebenen. Trivalliteratur ist das nicht. Aber das ist auch keineswegs der Anspruch des Verfassers, der es multidimensional mag, immer mit historischen Blutbahnen. Auch seine treue Leserschaft schätzt die Vielschichtigkeit. Für Lokalkolorit sorgt er selbst. Die vielen Illustrationen in dem 500-Seiten-Wälzer hat Lünser selbst gezeichnet. Das Buch ist im XOXO-Verlag erschienen und kostet 16,90 Euro in der Printversion. In einzelnen Buchhandlungen ist es sofort verfügbar.

Dass die Buchlesung beinahe zur Büchernacht wurde, hängt mit Leseproben aus druckfrischen Büchern und auch mit der Pause zusammen. Die hat der Hobbyschriftsteller eingelegt, um den Rauchern ein paar Züge zu gönnen und sich selbst etwas Luft zu verschaffen. Er hatte an diesem Tag immerhin schon acht Stunden vor Gymnasiasten einer Cottbusser Schule gestanden und ist dann nach Südthüringen gedüst.

Lünser, bis 2022 selbstständiger Geschäftsmann und Fachmann rund um Fahnen und Beflaggung, ist mit 60 Jahren noch Lehrer geworden. Er unterrichtet zurzeit Kunst; es gibt weitere Optionen für Fremdsprachen. Und an der Volkshochschule eines seiner Spezialgebiete: Die Geschichte Brandenburgs.