Lesermeinung Der vergiftete Turm

Schwalbennestturm Dreißigacker: Zu Bürgermeister soll den Naturschutzbund verlassen, 12. Dezember 2025

Der Turm soll Schwalben als Nist- und Aufzuchthilfe dienen. Foto: Diana Werner-Uhlworm

Behörden-Bashing liegt zwar allgemein im Trend. Eine anerkannte Institution wie der Naturschutzbund sollte aber andere Aktionen und Wege finden, sich in dieser Zeit Gehör zu verschaffen. Der Alarmismus bei der „Suche“ nach dem Schwalbenturm war seinerzeit schon peinlich genug, der damalige Artikel im Vorfeld schlecht recherchiert. Aber dass dann nach der Aufklärung des Sachverhalts gegenüber der Polizei und der Presse nun kurz vor Weihnachten noch einmal nachgelegt wird, ist traurig und dient der Sache nicht. Der Artenschutz und das Klima sollte uns doch allen am Herzen liegen, aber auch das gesellschaftliche Klima! Persönliche Befindlichkeiten sollten nicht die Hauptrolle spielen.

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Fakt ist, dass der Schwalbenturm im Meininger Fußweg von potenziellen Schwalben all die Jahre gemieden wurde. Ihn daher umzusetzen in die Nähe des Schafstalls, wo das Nahrungsangebot (Fliegen) nachweislich besser ist, schien uns als Ortsteilrat im Rahmen des neu geschaffenen Grünprojektes „Hinter dem Schloss“ nur vernünftig und nachhaltig noch dazu. Seit 2009 bin ich Ortsteil-Bürgermeisterin und reagiere in der Regel auf alle Anfragen, Kritik und Verbesserungsvorschläge seitens der Bürger. Der Naturschutzbund oder Herr Burckhardt kamen mir in dieser Zeit nicht unter.

Der Meininger Stadtchef ist wohl qua Amt Mitglied im Naturschutzbund. Würde mir nun auf diese Art mit dem Entzug der Mitgliedschaft gedroht, wüsste ich, was ich täte. Lasst uns das künftig mal beobachten, ob die 5000 Euro teure Nisthilfe am neuen Standort bewohnt wird. Wenn nicht, liegt es wohl am Ehrgeiz der Zugvögel, ihre kunstvollen Nester lieber weiterhin selbst zu bauen, damit die Fertigkeiten dazu an die Jungen weitergegeben werden und nicht vor lauter Bequemlichkeit irgendwann verloren gehen.

Danke für den Schwalbenturm in Dreißigacker, falls ich das noch nicht gesagt habe. Falls er aber weiterhin leer bleibt, liegt es sicher nicht an uns Dreißigäckerern und Herr Burckhardt kann sein vergiftetes Geschenk nach 20 Jahren wieder abholen. Es ist noch so gut wie neu.

Annelie Reukauf, Ortsteilbürgermeisterin Dreißigacker

Anmerkung der Redaktion:

Die Behauptung, der Artikel sei mangelhaft recherchiert, weisen wir zurück. Auch Frau Reukauf kam in der Berichterstattung bereits zu Wort. Durch einen frühzeitigen und transparenten Austausch seitens der zuständigen Behörden hätte der Sachverhalt mit dem Nabu sicher problemlos geklärt werden können.

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