Leserbrief aus Niederschmalkalden Außer Spesen nichts gewesen

Ein Bild aus der Vergangenheit: Die mobile Schranke ist schon wieder weg. Foto: Sascha Willms

Die Geschehnisse um einen unbeschrankten Bahnübergang in Niederschmalkalden könnten nicht besser zur Fernsehsendung von Mario Barth, worin er über unsinnige Steuergeldverschwendung berichtet, passen. Sachverhalt: Im Vorfeld gab es Beschwerden von Anwohnern der oberen Ernst-Thälmann-Straße und Verkehrsteilnehmern über unzumutbare und teilweise provokante Lärmbelästigung durch die Züge der Südthüringenbahn.

 
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Sachliche Kritik, vorgebracht unter anderem in einer Stadtratssitzung im Juli 2022, bewirkte, dass keine Verbesserung eintrat, sondern die Zustände eskalierten. Die Lautstärke der Signaltöne betrug unabhängig vom Straßenverkehr weit über 100 Dezibel (zugelassen wären 85). Teilweise artete das Pfeifen in psychischen Terror gegenüber den Anwohnern aus. Vorschriften zum Schutz der Gesundheit von Mensch und Tier wurden ignoriert. Seit dem 27. Oktober 2022 reagierten die Bahnverantwortlichen mit einem „Pilotprojekt“. Per Hand wurde in einer Tagesschicht von zwei Bediensteten durch Absperrbänder am Übergang eine Schranke simuliert. Statt sich zu einer Entscheidung zum Bau einer Halbschranke durchzuringen, gab es verstärkt Begutachtungen vor Ort durch Vertreter der DB AG, der Südthüringen-Bahn, der Bahnpolizei und einer massiven Präsenz von Bauarbeitern aus der näheren Umgebung und sogar aus dem Ruhrgebiet. Alles in allem ein hoher bürokratischer Aufwand, um den Anwohnern zu zeigen, dass sich etwas bewegt.

Als dann Anfang November neben Schildern und Absperrungen eine elektrische Schranke installiert wurde, war man geneigt zu denken: endlich was Positives. Doch weit gefehlt. Die Übergangslösung, bei der sogenannte „Wärter vor Ort“ die Schranke betätigten, entpuppte sich als Witz. Schließzeiten des stark befahrenen Bahnübergangs von acht Minuten und mehr bewirkten so manchen Verkehrsstau, verbunden mit Wutausbrüchen der Wartenden, die das Szenario als völlig unangebracht und vorsintflutlich bezeichneten. Tatsächlich fehlt jedem normal denkenden Menschen das Verständnis für ein solches, gegen den Bürger gerichtetes, Verhalten. Nicht zu vergessen der Zustand, dass nach wie vor das übertriebene Betätigen der Zugsirenen tagtäglich – ab 4 Uhr bis in die Nachtstunden – den Anwohnern auf die Nerven geht.

So weit, so gut. Doch dann kam der 9. Februar. Bautrupps rückten an und räumten alles weg, was so hoffnungsvoll begann. Monatelange Geldverbrennung wurde abrupt beendet, als die vor kurzem installierte Anlage wieder abgebaut wurde. Nicht wenige dachten an einen Schildbürgerstreich, doch es war so wie es war.

Sechs Monate haben nichts gebracht, außer Ärger und Frust. Einige Fragen sollten in diesem Zusammenhang jedoch erlaubt sein.

Wer verantwortet die unnötigen Kosten für technische Bauarbeiten, die Lohngelder der Bahnbediensteten, ganz zu schweigen vom CO2-Ausstoß der Autos, die 24 Stunden im Dauerbetrieb liefen, um den bedauernswerten Schrankenwärtern einen warmen Rückzugsort zu gewährleisten? Wer von den Verantwortlichen hat bei den zurückliegenden Entscheidungen bezüglich der geschilderten Bahnereignisse so viel ,Hirn im Kopf? Es müssen schon mehrere sein, denn einer allein kann nicht so intelligent sein. Fredy Kührlein, Niederschmalkalden

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