Leos Fähigkeit zur Allgegenwart
Nicht die Massenveranstaltungen und nicht die klug gewählten Worte an die Politiker sind es allein, die Leos Spanien-Reise zum perfekten Papst-Besuch machen, sondern seine Fähigkeit zur Allgegenwart. In Madrid hat er nicht nur Bad Bunny getroffen, sondern auch Königin Sofía, die Mutter von Felipe VI., sowie dessen Schwestern, er sprach mit Missbrauchsopfern und besorgten Jugendlichen, er ließ sich in den Königspalast einladen, plauderte mit Politikern.
Danach besuchte er ein Obdachlosenasyl in Lucero, einem Vorort von Madrid. Die dortigen Nachbarn waren ganz hingerissen. „Er ist der einzige König, der Frieden in der Welt schaffen kann“, sagte eine von ihnen. Leo XIV., bürgerlich Robert Prevost, US-Amerikaner mit einem zusätzlichen peruanischem Pass und exzellenten Spanisch-Kenntnissen, ist 70 Jahre alt und zeigt keine Schwäche. Jedenfalls nicht hier, nicht jetzt.
Am Mittwoch, nach dem Besuch im Gefängnis Brians I und im Kloster Montserrat, steht noch eine Visite im Raval an, einem Problemviertel von Barcelona, und danach folgt der Höhepunkt und Anlass der ganzen Reise: eine Messe in der Sagrada Família zum 100. Todestags Antoni Gaudís (der damals von einer Straßenbahn überrollt wurde) und zur Segnung des gerade fertiggestellten Jesus-Christus-Turms. Das ist der höchste von bisher 14 Kirchtürmen der Sagrada Família.
Sein nächstes Ziel: die Kanarischen Inseln
Gaudí machte keine halben Sachen. Die einzige Grenze, die er sich gesetzt hatte, war Barcelonas Hausberg, der Montjuïc, der 173 Meter über das Meer ragt, der Jesus-Christus-Turm dagegen bloß 172,5 Meter. Damit ist er – gekrönt von einem vierarmigen, begehbaren Kreuz, einer deutschen Spezialproduktion aus dem bayerisch-schwäbischen Gundelfingen – so hoch wie kein anderer Kirchturm der Welt. Seine Einweihung ist wohl eine Messe wert. Und danach eine Drohnen-Show am Abendhimmel. Papst Leo kennt das Geheimnis der katholischen Religion, wenn sie gut ist: Pomp und Würde.
Am Donnerstag reist er von Barcelona auf die Kanarischen Inseln, dem Ziel Zehntausender afrikanischer Bootsmigranten.