Leichtathletik „Aller guten Dinge sind schließlich drei“

Thomas Waap
Flott unterwegs: Die Thüringerin Daniela Oemus. Foto: Philipp Reiter

Daniela Oemus aus Gera reist nach ihren Erfolgen im Pitz- und im Zillertal am Samstag als Gesamtführende zum Rennsteig-Trail nach Masserberg. Für die frischgebackene Mutter zweier Töchter bietet sich sogar die Chance auf den Gesamtsieg.

Der Rennsteig-Herbstlauf findet an diesem Wochenende erstmals an zwei Tagen statt. Während der Samstag neben einem zehn Kilometer langen Rundkurs um Masserberg mit dem Rennsteig-Trail obendrein das Finale der diesjährigen Golden National Trail Series bereithält, findet der traditionelle Rennsteig-Herbstlauf (20 Kilometer) von Neuhaus am Rennweg nach Masserberg am Sonntag (10 Uhr) statt.

Frau Oemus, Sie reisen als Gesamtführende der Golden Trail National Series 2022 nach Masserberg. Wie sind Ihre Erwartungen vor dem großen Finale beim Rennsteig-Trail?

Naja, wenn man vor dem letzten Rennen vorne mit dabei ist, dann will man die Serie am Ende natürlich auch gewinnen. Und ich bin durchaus zuversichtlich, dass mir das gelingen kann. Zumal ich die aktuell Zweitplatzierte, die Belgierin Charlotte Moerman, Anfang September bei den Mayrhofen Ultraks im Zillertal schon einmal geschlagen habe.

Einen Monat vor dem Sieg beim Ultraks-Klassiker „MUZ 30“ sind Sie auch beim P30 Taschachferner Gletscher-Trail im Pitztal auf Platz eins gelaufen. Sind Sie mit der Saison zufrieden?

Auf jeden Fall! Gerade, wenn man bedenkt, dass ich erst seit April wieder im Training bin, lief es bislang doch wirklich sehr gut für mich. Wobei man auch ganz klar sagen muss, dass meine Saison noch längst nicht vorbei ist. Ende Oktober will ich unbedingt beim Madeira Ocean Trails Finale an den Start gehen, bevor ich im November dann aller Voraussicht nach meine Saisonpause machen werde.

33,6 Kilometer und 1217 Höhenmeter in Thüringen stehen jetzt noch zwischen Ihnen und dem großen Ziel Madeira. Haben Sie sich schon ein wenig mit dem Rennsteig-Trail vertraut machen können?

Tatsächlich habe ich mir in der letzten Woche die Strecke vor Ort einmal genauer angesehen. Anders als bei vielen Läufen in den Alpen ist es, gemessen an den Höhenmetern, ein vergleichsweise flacher Kurs. Allerdings geht es nicht klassisch einmal hoch und einmal runter, sondern gerade die vielen kleineren Anstiege sind mitunter ziemlich tückisch. Insgesamt aber denke ich, dass mir die Strecke entgegenkommt – zumal das Gelände dem vor meiner Haustür ganz ähnlich ist. Ich denke, ich bin bereit und die Vorfreude auf meinen ersten Rennsteig-Trail ist riesengroß. Auch meine Familie ist mit dabei. Wir haben eine nette, kleine Unterkunft in Friedrichshöhe gefunden. Ich bin sicher, das wird ein tolles Wochenende!

Von Friedrichshöhe ist es nicht allzu weit bis nach Neuhaus am Rennweg. Sehen wir Sie sozusagen zum Auslaufen dann auch am Sonntag beim 31. Rennsteig-Herbstlauf?

Nein, das muss dann wahrscheinlich nicht unbedingt sein. Am Sonntagmorgen lassen wir es nach einem Wettkampf ganz gerne etwas ruhiger angehen. Aber ich freue mich schon sehr darauf, die Läufer unterwegs anzufeuern. Von Neuhaus nach Masserberg bin ich beim Rennsteig-Staffellauf schon zweimal gelaufen – eine sehr schöne Strecke.

Wie stehen die Chancen für den 13. Mai 2023? Können Sie sich vorstellen, im Jubiläumsjahr noch einmal beim Rennsteiglauf an den Start zu gehen?

Auf jeden Fall! Wenn ich gut drauf bin, dann laufe ich noch einmal den Supermarathon. Aller guten Dinge sind schließlich drei.

Sie sagen es! Zweimal – 2016 und 2018 – haben wir Sie im schönsten Ziel der Welt in Schmiedefeld schon ganz oben auf dem Siegertreppchen gesehen. Seit vier Jahren halten Sie in 5:50:22 Stunden den offiziellen Streckenrekord auf dem „langen Kanten“ beim Rennsteiglauf. Ihr größter Erfolg?

Natürlich denke ich immer wieder sehr gerne an dieses Rennen zurück. Und überhaupt ist der Rennsteiglauf mit seinem einzigartigen Flair immer wieder ein tolles Erlebnis. Ich war ja auch schon dreimal beim Halbmarathon sowie 2017 beim Marathon mit dabei und bin mehr als nur ein bisschen stolz darauf, dass ich es am Rennsteig bislang immer unter die ersten drei geschafft habe. Es mag deshalb vielleicht zunächst etwas seltsam klingen, aber meinen vierten Platz beim Marathon du Mont Blanc im Rahmen der Golden Trail World Series 2021 würde ich trotzdem höher gewichten. Ich habe zwar auch in den Alpen schon den einen oder anderen Lauf gewonnen, aber das Rennen am Mont Blanc ist traditionell noch einmal eine ganz andere Hausnummer und hat zudem ein wesentlich stärker besetztes Teilnehmerfeld.

Als zweifache Mutter ist Ihr Pensum umso bemerkenswerter. Wie schaffen Sie es, die Familie, die Arbeit und den Sport unter einen Hut zu bringen?

Momentan habe ich sogar noch relativ viel Zeit. Ich bin ja praktisch von der ersten Elternzeit in die nächste Schwangerschaft gerutscht – meine beiden Töchter sind jetzt zweieinhalb und ein halbes Jahr alt. Und da ich im Klinikum in Gera tätig bin, standen in der Zwischenzeit die Corona-Vorgaben meinem Wunsch, wieder arbeiten zu gehen, entgegen. Ich habe mir außerdem nicht sagen lassen, dass die Elternzeit nur zum Babysitten da ist, sondern versucht, diese Zeit auch bestmöglich für den Sport zu nutzen. Zuhause bin ich unter der Woche viel mit dem Kinderwagen-Jogger unterwegs gewesen und am Wochenende ging es für uns als Familie oft in die Berge. Das hat super gepasst. Im November fange ich dann aber tatsächlich wieder an zu arbeiten und mein Mann übernimmt den zweiten Teil der Elternzeit. Daher laufen meine Wettkampfplanungen für das nächste Jahr derzeit noch unter Vorbehalt.

 

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