Lauscha Glas und Weihnachtsstimmung abgeholt

Doris Hein

Wenn bei Disney Alice im Wunderland mit Hutmacher und Grinsekatze den Nicht-Geburtstag feiert, darf man den Lauschaern auch einen Nicht-Kugelmarkt-Tag zu-gestehen. Am Wochenende hatten sie gleich zwei davon.

Lauscha - Wenn schon keinen Kugelmarkt, so gab es am Wochenende in der Glasbläserstadt zumindest Schnee. Genug, um Gedanken an weiße Weihnacht aufkommen zu lassen bei Lauschaern und Gästen. Letztere haben sich an den vergangenen Tagen eindeutig ein riesiges Lob verdient. Denn Corona hin oder her – es gibt offensichtlich viele, die Lauscha und seinem ganz besonderen Glasschmuck die Treue halten. Dafür ein dickes Dankeschön! Nach Berlin und Bremen, nach Frankfurt am Main und Ilmenau, nach Waltershausen und Bamberg, Helmbrechts und Bad Kissingen, nach Erfurt und Fürth und wo sonst noch all die Menschen herkamen, die am Wochenende zum „Nicht-Kugelmarkt“ bei Schneetreiben durch Lauscha schlenderten und sich in Adventsstimmung versetzen ließen.

Natürlich war auch in den Geschäften wegen Corona alles ein wenig anders als gewohnt. Farbglashütte und Glaszentrum hatten sich für die geforderten 2G-Kontrollen am Einlass professionelle Unterstützung eines Sicherheitsdienstes aus Sonneberg geholt. „Wir haben zum Kugelmarkt regelmäßig zusätzliches Personal“, hieß es bei der Firma Queck. Dies hatte man nun zur Einlasskontrolle eingeteilt. Allerorts lobten die Geschäftsinhaber das disziplinierte Verhalten der Besucher.

Bei Gabi König dürfen unter den gegenwärtigen Bedingungen gerade einmal zwei Personen gleichzeitig ins Geschäft. Nicht umsonst hat ihr „Glaslädle“ den Diminutiv im Namen. Es ist eben etwas beengt, dafür ist das Angebot sehr vielfältig. Und weil das die Besucher schon an den Schaufenstern sahen, warteten sie geduldig in der Schlange vorm Haus, bis sie an die Reihe kamen.

Viele der Angereisten sind langjährige Stammgäste des Kugelmarktes. Etwa die Familie aus Regensburg, die betonte: „Wir sind jedes Jahr da gewesen, und für die Glas-Hersteller ist es ja auch ohne Kugelmarkt wichtig, dass Leute kommen und kaufen...“ Ganz davon abgesehen gefalle ihnen einfach das Flair in der Vorweihnachtszeit. Durch die Geschäfte zu bummeln, fand auch ein Ehepaar aus Frankfurt am Main „eine schöne Einstimmung auf Weihnachten“. In ihrem Lieblingsladen bei Magdolna Hähnlein schwärmten zwei Damen von den schönen Sachen, die sie hier seit 2004 „ganz nach Wunsch und mit viel Herzblut gemacht“ bekamen und vom gegenseitigen Vertrauen zwischen Herstellern und langjährigen Kunden.

Die Information vom Ausfall des Kugelmarktes hatte sich offenbar deutschlandweit herumgesprochen. Umso schöner fanden es die Gäste, dass wenigstens die Läden geöffnet hatten. „Wir fühlen uns hier gut, die Kontrollen funktionieren und das eine oder andere Weihnachtsgeschenk haben wir auch schon gefunden“, kommentierten die Frankfurter. Manch einer kam auch zum ersten Mal nach Lauscha, wie Moritz aus Nordhausen, der sich mit Mutti zahlreiche kleine Figuren für den Weihnachtsbaum aussuchte. 130 Kilometer waren die Wöckels aus Auerbach im Vogtland bis Lauscha gefahren, „nach 20 Jahren endlich einmal wieder“. Denn neben den traditionellen Lichterbogen in ihrer Heimat ist Glas für den Weihnachtsbaum natürlich ein Muss, mit dem sie sich beim Besuch in der Geburtsstadt des Christbaumschmuckes eindeckten.

Wiederkommen wollen sie auf jeden Fall noch einmal – um das Museum für Glaskunst zu besuchen, das leider weiterhin geschlossen ist. Schade war auch, dass die Ortsdurchfahrt noch nicht wieder genutzt werden konnte. Sonst hätten bestimmt mehr Gäste den Weg bis zu den Geschäften nahe des Hüttenplatzes gefunden.

Besonders bei den Kindern kam natürlich der Schnee sehr gut an, der pünktlich zum Nicht-Kugelmarkt-Beginn den Ort in zauberhaftes Weiß tauchte.

„Es go weder a Brotwurscht noch an Glühwei“ bedauerten hingegen viele Lauschaer, die ebenso wie die Besucher natürlich das Flair der üblichen Kugelmarktmeile vermissten, auf der stets vornehmlich – aber nicht nur – Lauschaer Vereine mit kulinarischen Leckereien um die Gunst der Marktbesucher gewetteifert hatten.

Dafür erstrahlte erstmals in all den Jahren das Kulturhaus am Hüttenplatz im Licht tausender kleiner Lämpchen. Die geschmückten Bäumchen des Tourismusstammtischs gleich daneben trugen das Ihre zum anheimelnden Aussehen des Ortskernes bei. Radiosender und Fernsehen nahmen Lauscha in diesen Tagen ins Visier, um der Adventszeit einen passenden Rahmen zu geben.

Die „kulturelle“ Umrahmung, die Lauschas Stadtoberhaupt für die Bürger quasi als Entschädigung für den ausgefallenen Kugelmarkt angekündigt hatte, fiel allerdings kurzfristig der schlechten Sicht zum Opfer. Bürgermeister Norbert Zitzmann versprach allerdings, das Profifeuerwerk im kommenden Jahr nachzuholen.

Nur bis Samstag müssen all jene warten, die in Lauscha noch auf die Suche nach Weihnachtsgeschenken und Baumschmuck gehen wollen. Am 4. und 5. Dezember sind die Glasgeschäfte noch einmal für zwei „Nicht-Kugelmarkt-Tage“ geöffnet.

 

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