Lauscha Die Kirmes ist tot – hoch lebe die Kirmes

Doris Hein

Mit der traditionellen Beerdigung ging am Sonntag die Koppner Kerwa in Lauscha nach sechs Tagen voller Highlights und Besuchermassen zu Ende.

Für die Kirmesgesellschaft Köpplein war es die 63. Ausgabe ihres beliebten Volksfestes. Gleichzeitig aber auch mit Nummer eins nach Corona ein Fest mit diversen Änderungen. Der rückblickende Kommentar von Reiner Gössinger, Vorstand der gastgebenden Kirmesgesellschaft Köpplein, fiel kurz und knapp aus: „Es wor sehr schö!“ Eine Zusammenfassung, der sich wohl auch die zahlreichen Gäste anschließen würden, denn viele von ihnen wurden Tag für Tag auf dem Festplatz gesichtet. Über die Preise konnte man – angesichts andernorts mittlerweile üblicher rasanter Entwicklungen – beim besten Willen nicht meckern. Mit fünf Euro Eintritt war man an allen sechs Tagen dabei. Den Liter Bier gab es ebenfalls für fünf Euro, die belegten Brote und Brötchen waren ihre 3,50 Euro wert und die fantastische Stimmung war sogar gratis zu haben. Angesichts der Besucherzahlen konnten die Organisatoren jegliche Befürchtung, die Menschen könnten sich an die Corona-Flaute gewöhnt haben, schnell ad acta legen.

Die diversen Veranstaltungsangebote erwiesen sich vielmehr samt und sonders als Publikumsmagneten. So etwa die vier Tanzabende. „Wie in alten Zeiten“, schwärmten die Besucher, als am Samstagabend die Musiker von „Glashaus“ für ein dicht gefülltes Zelt sorgten. „Die Lauschaer haben es uns leicht gemacht, einen geilen Abend zu gestalten“, freute sich Sängerin Liesa Fehrmann nach einem gelungenen Heimspiel von „Revolving Door“ und „Liesa and the Love Foundation“ am Freitag. „Ab dem dritten Lied war die Tanzfläche voll…“ Ähnlich erging es den „Luckytones“ und der Partyband „Hess“. Eine Beteiligung der Superlative konnte auch die Lauschaer Stadtkapelle verzeichnen, die nicht nur zur Eröffnung spielte, sondern den sonntäglichen musikalischen Kirmes-Weckruf in ganz Lauscha erschallen ließ. Bei ihrem Platzkonzert im Festzelt waren – nach Corona – endlich einmal wieder fast so viele Musiker beteiligt, wie man es aus „normalen“ Zeiten gewohnt war.

Süßigkeiten fürs Publikum

Zum Wettkampf um den Titel des Kirmes-Kegel-Königs fanden sich diesmal 30 Kegler ein – eine in den letzten Jahren nie dagewesene Zahl.

Das Kinderfest genossen Klein und Groß wieder dicht an dicht auf dem Platz zwischen Zelt und Kreuzstraße. Nachdem am Abend zuvor dort noch die Gäste in froher Runde zusammensaßen, hatte der Verein Biertischgarnituren und Cocktailbar extra beiseite geräumt, um Platz für die Märchenvorführung zu schaffen. „Rotkäppchen“ stand diesmal auf dem Programm. Auf typische Lauschaer Gegebenheiten und mit reichlich Mundart umgeschrieben von Anne Wagner, mit Brit und Thomas Wagner als Erzähler und Tommy Sieder als Technik- und Musikverantwortlichem. Das Rotkäppchen wohnte natürlich in Lauscha und sollte der Oma ein Fischbrötchen und Kirmesbier in ihr Felsenhäuschen bringen, wo sich die rüstige Dame mit Kungfu-Fighting topfit hielt. Den Wolf hielt Rotkäppchen zunächst für einen „ausgebüchsten Hund aus da Steenich“. Bis der Jäger Oma und Enkelin überzeugte, dass es sich bei dem Flohbeutel um ein „Wölfle“ handelte. Und weil dieses ja offensichtlich – zumindest für die sportliche Oma – keine Gefahr darstellte und so hungrig aussah, durfte es mit zum Eisbeinessen auf die Koppner Kerwa. Zum Abschluss gab es Süßigkeiten fürs Publikum, einen echten „Mahlschuus“ für den Jäger und gute Unterhaltung mit Jongleurin „Juba“, die mit den kleinen Zuschauern sogar einen Schnellkurs im Jonglieren absolvierte. Der Wolf muss nun übrigens jeden Abend als Nachtwächter die Löcher in Lauschas Straßen zählen und nachmessen, ob sie schon wieder tiefer geworden sind. So viel Strafe kann gar keiner verdient haben!

Lauschas Straßen spielten auch am letzten Kirmestag, beim traditionellen Beerkuchenessen, eine wichtige Rolle. In Anlehnung an die ewige Baustelle an der Ortsdurchfahrt kamen nämlich diesmal Bauarbeiter zum Zug. Und an deren Geschwindigkeit könnten sich die Akteure in der Straße des Friedens durchaus ein Beispiel nehmen, hieß es bei so manchem umleitungsmüden Zuschauer. Immerhin – der Mangel an Baumaterial hatte sich bis zum Beerkuchenspektakel durchgesetzt. Die nötigen Heidelbeeren – so Schiedsrichter Peter Leipold-Schmend – kamen diesmal aus Sachsen. Gebacken wurde das runde Objekt der Begierde in der Nachbarstadt Steinach und auch bei den Teilnehmern stürzte sich mit Lisa Jahn eine „Nicht-Lauschaerin“ mit in den Kampf um das Geldstück in der Kuchenmitte und natürlich um die Siegerehre. Immerhin gibt es in ihrem Heimatort Wildenspring sogar eine Blaubeerkönigin, da ist man fürs Blaubeerkuchen-Mampfen wohl irgendwie prädestiniert. Drei Lauschaer – Alan Knye, Linus Molter und Leonhard Kirchner – vervollkommneten das Kämpfer-Quartett. Als „Baustellenaufsicht“ sorgten Michelle Leipold-Schmend und Amy Rohrdrommel dafür, dass die Recken auch mit ausreichend Bier nachspülen konnten und zudem kräftig mit Schlagsahne massiert wurden. Kurz war der Kampf, aus dem Lenny als Sieger hervorging. An der Biertheke durften sich die Akteure den Heidelbeer- noch einmal mit Gerstensaft aus der Kehle spülen.

Danke an die vielen Helfer

Der Kirmesverein freute sich nicht nur über die vielen Gäste, sondern ganz besonders über die acht neuen Mitglieder, die am Sonntagabend feierlich getauft werden konnten, bevor das traditionelle Kirmesbegräbnis einen Schlussstrich unter eine erfolgreiche 63. Koppner Kerwa setzte. Ein großes Dankeschön sendet der Lauschaer Vereinsvorstand schon einmal an die zahlreichen Helfer. So waren zur Unterstützung der Kirmesmacher – wie schon seit vielen Jahren – die Kegler aus Rückmarsdorf angereist. Erstmalig reihten sich auch Helfer aus dem Sozialtherapeutisches Centrum “Sturmheide” in Ernstthal mit ein – ein Miteinander, das sich sehr gut bewährt hat. Angesichts der Vielzahl positiver Eindrücke soll es natürlich auch 2023 wieder eine Koppner Kerwa geben. Wahrscheinlich wieder sechs Tage lang. Doch das muss im Verein erst noch ausführlich resümiert und besprochen werden, wenn sich alle von der diesjährigen Kirmes etwas erholt haben.

 

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