Zugleich sagte der 35-Jährige, er sehe aktuell keine Partner für eine Koalition. Er wisse aber nicht, was in den nächsten Tagen passiert. "Ich weiß ja nicht, ob es einzelne Abgeordnete gibt, die sagen: "Jetzt ist Schluss, jetzt spiel' ich das hier nicht mehr mit"." Da könne noch viel passieren.
Auch AfD-Co-Bundeschefin Alice Weidel sprach von einem "ganz klaren Regierungsauftrag". Co-Chef Tino Chrupalla sagte: "Ulrich Siegmund wird definitiv als Ministerpräsidentenkandidat im Landtag antreten, das ist schonmal sicher."
Sollte es mit einer Regierungsbildung nicht klappen, kommt aus Sicht von Siegmund auch eine Neuwahl infrage. "Im Notfall würde es halt Neuwahlen geben, dann haben wir halt 50 oder 55 Prozent", sagte er am Abend im ZDF.
Schulze: Niederlage für CDU
CDU-Spitzenkandidat Schulze – erst seit Januar als Ministerpräsident im Amt – gestand das Scheitern seiner Partei ein. "Es ist für uns eine Niederlage", sagte der 47-Jährige. Die Frage nach möglichen Konsequenzen aus der Wahlniederlage ließ er zunächst offen. "Ich fahre morgen nach Berlin, da ist Bundesvorstand und morgen Abend ist dann Landesvorstand und da werde ich der CDU Sachsen-Anhalt einen Verfahrensvorschlag machen. Aber das werden wir dann morgen im Landesvorstand auch besprechen."
Schulze sah sich am Abend mit Forderungen aus den eigenen Reihen konfrontiert, als Landesparteichef zurückzutreten. Die CDU-Landtagsabgeordnete Eva Feußner verlangte dies ebenso wie die Junge Union Sachsen-Anhalt.
Schulze betonte im MDR: "Ich habe nicht vor, mit der AfD zusammenzuarbeiten." Zuvor hatte er in der ARD eine klare Antwort auf den Fortbestand der "Brandmauer" vermieden. "Wir haben Beschlüsse auf Bundesebene, aber wir haben eine Hochrechnung, die uns hart trifft. Deswegen müssen wir damit erst einmal umgehen."
Der Chef der Unionsfraktion im Bundestag, Thorsten Frei (CDU), wertete die Wahl als "eine Zäsur für unser Land". "Wir haben diese Situation noch nie gehabt, dass eine Partei, die vom Landesverfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuft ist, eine Mehrheit erreicht hat", sagte er.
Grüne freuen sich, SPD erleichtert
SPD-Chef Lars Klingbeil bezeichnete die Zahlen seiner Partei als "stabiles Ergebnis". Er betonte, die SPD setze sich mit der AfD "nicht an einen Tisch". Die SPD habe immer für demokratische Mehrheiten in dem Land gekämpft. "Wir werden hier der AfD nicht die Hand ausstrecken."
Der Grünen-Bundesvorsitzende Felix Banaszak sagte zu den Zuwächsen seiner Partei, viele hätten die Grünen schon abgeschrieben, nun holten sie aller Voraussicht nach das beste Ergebnis in der Geschichte von Sachsen-Anhalt bei einer Landtagswahl. "Das erfüllt mich mit Freude und mit Stolz."
FDP-Landeschefin kündigt Rücktritt an
Linken-Bundeschefin Ines Schwerdtner nannte als Ziel, die AfD von der Regierungsmacht fernzuhalten. "Es liegt bei der CDU, zu sagen: Wer übernimmt jetzt die Verantwortung", sagte Schwerdtner mit Blick auf eine mögliche künftige Regierung mit Unterstützung der Linken.
FDP-Landeschefin Lydia Hüskens kündigte nach dem voraussichtlich verpassten Wiedereinzug ihrer Partei in den Landtag ihren Rücktritt an. "Ich bin die Landesvorsitzende, ich habe den Landtag als Spitzenkandidatin angeführt, sodass ich auch dafür die Konsequenz zahle", sagte sie der dpa.
Was die AfD in Regierungsverantwortung durchsetzen will
Die AfD hatte zehn Punkte benannt, die sie sofort angehen will, sollte sie in die Regierung kommen. Dazu gehört die Kündigung der Rundfunkstaatsverträge, mehr Abschiebungen, eine flächendeckende Arbeitspflicht für Asylbewerber, Sonderklassen für Kinder von Asylbewerbern sowie weniger Geld für parteinahe Stiftungen und Demokratieförderprogramme.
An Schulen sollen Schwarz-Rot-Gold wehen, Regenbogenflaggen sollen verboten werden. Auch plant die AfD freiwillige Bürgerwehren für mehr Sicherheit vor Ort sowie eine "Wahlfreiheit zwischen Schul- und Hausunterricht". Grundsätzlich begrenzt allerdings das Bundesrecht die Spielräume in einigen Bereichen, etwa in der Migrationspolitik.
Wie geht es weiter?
Die erste Sitzung des neuen Landtages muss spätestens am 30. Tag nach der Wahl stattfinden, das ist der 6. Oktober. Dann enden auch die Amtszeiten der Minister und des Regierungschefs. Sie alle sind aber laut Verfassung verpflichtet, die Geschäfte weiterzuführen, bis die Nachfolger übernehmen. Es gibt keine Frist, bis wann ein neuer Regierungschef gewählt sein muss - aber wenn der erste Wahlgang angesetzt ist und scheitert, greifen Fristen für mögliche weitere Wahlgänge.