Landleben Ein ganzes Dorf wird Flohmarkt

Karl-Wolfgang Fleißig

Das Landleben hat einiges zu bieten. „Schlendern, Shoppen, Schlemmen – Entdecke Brünn und seine Höfe“ hieß das Motto in der kleinen Gemeinde Brünn (Landkreis Hildburghausen). Das zog auch Auswärtige an.

Es war schon einiges los, an diesem Wochenend-Tag in der kleinen Kommune. Der Verein „Lebendiges Dorfleben Brünn“ hatte am Samstag zum ersten Dorf-Flohmarkt eingeladen, bei dem viele Einwohner ihr Höfe oder Garagen geöffnet hatten, um ihre alten Schätze unters Volk zu bringen.

Gegen acht Uhr seien schon die ersten Besucher da gewesen, so die Vereinsvorsitzende Julia Müller. Aber nicht nur Brünner Einwohner mit insgesamt 22 Ständen waren es, die ihre Angebote auf Tischen – und oftmals ob der intensiven Sonneneinstrahlung und hochsommerlichen Temperaturen unter Sonnenschirmen – präsentierten. Die 21 auswärtigen Anbieter hatten ihre Stände beispielsweise auf dem Dorfplatz neben der Freiwilligen Feuerwehr oder auf einem Parkplatz gegenüber der Kirche gefunden.

Damit sich die Besucher auch zurechtfinden konnten, gab es eine Karte mit den Flohmarktteilnehmern, denen eine Standnummer zugeordnet wurde. Diese stand dann auch an den Hofeinfahrten. So war es leicht, sich in Brünn zurechtzufinden. Auch auf den Gehwegen gab es genügend Hinweise mit Schriftzügen und Pfeilen, wo es denn zu Flohmarkt-Angeboten geht. Oftmals waren es nicht nur Einzelne, sondern auch Familien, oder mehrere Familien hatten sich mit einem Stand zusammengetan.

Zu den auswärtigen Anbieterinnen gehörte Anja Springer aus Bad Staffelstein, die über ihre Eisfelder Tochter von diesem Event erfuhr. Tochter Julia meinte: „Es ist schön, wenn die Dörfer etwas machen.“ Auch wenn sie nicht ganz im Dorfzentrum ihren Stand zugewiesen bekommen hatten – „es kommen immer wieder Autos vorbei“, so Julia Springer.

„Einfach trauen, handeln erwünscht!“ – so stand es am vergangenen Sonnabend am Stand von Stephan Wölfing, den er im Rahmen des „Lebendigen Dorf-Flohmarktes“ in Brünn aufgebaut hatte. Im Flohmarkt-Angebot hatte er Lego Bausteine, Bücher, Briefmarken, kleine Autos, Porzellan und anderes mehr. Das Vereinsmitglied sieht es so, dass der Flohmarkt alles bietet, was das Herz begehrt. „Der Zulauf ist schön, der Markt wird gut angenommen. Schließlich fließt auch etwas wieder zurück und das Wetter spielt mit.“

Am Stand des Seniorenclubs Goßmannsrod hat beispielsweise Spielzeug in Form von Flugzeugbausätzen aus den 1980er Jahren den Besitzer gewechselt. Der Originalkarton und der Endverbraucherpreis EVP – wie man ihn zu DDR-Zeiten bezeichnete – waren noch vorhanden gewesen. Wie meinten die beiden Damen am Stand scherzhaft: „Wir schauen Bares für Rares, nicht, dass dort das Spielzeug angeboten wird.“

Bei den Truckenbrodts und Kiesers im Hof war die Eisfelderin Petra Schmidt anzutreffen, die Interesse an einem Bild mit dem Eisfelder Schloss zeigte. Wie es sich heraus stellte, war es ein Bild von ihrer Nachbarin.

Wie man Benzin oder Diesel für ein Kfz sparen kann, das zeigte Familie Hofmann aus Eisfeld. Sie war mit ihrem „Herbie“, einem Tretauto, das mit einem elektrischen Antrieb ausgerüstet ist, vom Werrastädtchen nach Brünn gekommen.

Ob nun zufällig oder abgesprochen- eine ganze Reihe Eisfelder Mütter und ihr Nachwuchs hatten sich auch nach Brünn auf den Weg gemacht um Flohmarkt-Atmosphäre zu schnuppern.

Auch an die Kinder war an diesem Dorf-Flohmarkt gedacht. Nicht nur, dass sie, dank der Erwachsenen, dieses oder jenes Spielzeug mit nach Hause nehmen konnten – für sie gab es eine Brünner Flohmarkt-Rallye. Dazu bekamen die Mädchen und Jungen eine Karte, mit der sie bei verschiedenen Anbietern einen Stempel erhielten. „Hast du alle Stempel gesammelt? Dann auf zum nächsten Essensstand und hole dir ein kostenloses Getränk ab!“, so der Hinweis. Ebenfalls konnten die Kids mit ausgefüllter Stempelkarte an einem Gewinnspiel teilnehmen. Der kleine Norik konnte ein größeres Auto mit nach Hause nehmen, das er stolz zeigte und daran zu tragen hatte.

Die Kinder waren aber durchaus auch aktiv in das Geschehen mit Kinderständen eingebunden. Natürlich waren die Eltern immer in greifbarer Nähe. „Kirschen, frische Eier“ - so machten sich beispielsweise Amelie und Larissa bemerkbar. Liesbeth und Paul hatten Blumensamen, Popcorn, Bücher, Spielzeug oder Spiele zu verkaufen.

Die Vorsitzende des Vereins „Lebendiges Dorfleben Brünn“ freut sich mit ihren Vereinsmitgliedern, dass das Projekt im Dorf „von Jung und Alt gut angenommen und die Höfe geöffnet wurden“. Gleichzeitig besteht damit auch die Möglichkeit, den Ort Brünn vorzustellen. Die Einnahmen sollen in ein Dorfprojekt investiert werden. Gedacht ist dabei an eine Dorftelefonzelle als Bücherschrank. Auf ihrem Hof gab es auch die Möglichkeit, Getränke-Flaschen wieder abzugeben und das Pfand für den Spielplatz zu spenden.

Der „Lebendige Dorf-Flohmarkt“ ist aber gegenwärtig nicht die einzige Brünner Aktivität. Im Juni fand in Regie des Kirchenchors ein Backhausfest statt, so Julia Müller und am 16. und 17. Juli gestaltet der Feuerwehrverein das Sommerfest.

Der Verein ist mit dem ersten Dorf-Flohmarkt „sehr zufrieden. „Die hohe Besucherzahl hat uns total überrascht“, so die Vereinsvorsitzende Julia Müller. „Es kamen gute Rückmeldungen, dass alles gut organisiert war. Es scheint alles gut geklappt zu haben.“ Nach der gelungenen Premiere ist durchaus eine Neuauflage möglich, meint sie.

 

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